zur Navigation zum Inhalt
 

Medikamentöse Therapie bei Suizidalität

Neuere Antidepressiva bieten sichere und ungefährliche Therapieoptionen und können Suizidalität reduzieren.

„Durch eine Therapie mit Antidepressiva lässt sich die Suizidalität senken“, berichtete Prof. Dr. Siegfried Kasper, Vorstand der Abteilung für Allgemeine Psychiatrie an der Univ.-Klinik für Psychiatrie der Medizinischen Universität Wien, bei einer Fortbildungsveranstaltung der Wiener Ärztekammer. Bleibe eine Behandlung aus, verdreifache sich die Suizidrate.
Der Rückgang der Suizidraten seit den 1980-er Jahren lässt sich neben einer verbesserten Versorgung unter anderem auch mit der Einführung von effektiveren Antidepressiva, den Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI), erklären. Andere, so genannte duale Antidepressiva, die neben dem Serotonin-System auch andere bei der Depression beteiligte Neurotransmitter beeinflussen, kamen in den vergangenen Jahren zum Medikamentenspektrum hinzu. Der Sorge vor erhöhter Suizidalität durch eine antidepressive Therapie hielt Kasper die Ergebnisse einer großen Meta-Analyse entgegen, die alle Zulassungsstudien für Antidepressiva in Europa von 1983 bis 1997 zusammenfasste.

Antidepressiva im Vergleich

„Weder in Kurz- noch Langzeitstudien gab es einen Unterschied bezüglich erhöhter Suizid- oder Suizidversuchsraten zwischen Placebo und Antidepressivum“, so Kasper. Eine Zusammenschau klinischer Studien der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA mit SSRI, anderen Antidepressiva und Placebo zeigte ebenfalls keine Unterschiede in Bezug auf die Suizidalität zwischen den einzelnen Gruppen.
Simon und Mitarbeiter fanden im Monat vor Therapiebeginn besonders hohe Suizidraten, die nach Therapiebeginn deutlich zurückgingen. „Allerdings setzt ein antidepressiver Effekt erst nach einer gewissen Latenz ein“, warnte Kasper. Daher empfiehlt es sich, gerade in den ersten zwei Wochen nach Therapiebeginn weiterhin besonderes Augenmerk auf die Suizidalität zu legen. Darüber hinaus können antriebssteigernde Effekte solcher Medikamente noch vor der depressionslösenden Wirkung einsetzen. „Für diesen Fall können zusätzlich sedierende Antidepressiva mit antihistaminerger Wirkung verabreicht werden, z.B. Mirtazapin, Trazodon oder auch das Neuroleptikum Quetiapin“, so Kasper.
Neuere Antidepressiva sind bei Überdosierung deutlich weniger gefährlich. Studien zufolge kommen Monointoxikationen mit SSRI kaum vor. Gefahren bergen Mischintoxikationen, Benzodiazepine spielen dabei eine herausragende Rolle. Die anticholinerge Wirkung älterer Antidepressiva – Trizyklika – und verbreiteter Neuroleptika, wie das Schlaf fördernde Prothipendyl, können das Reizleitungssystem des Herzens beeinträchtigen. Kasper: „Man sollte sich dieser Gefahren immer bewusst sein, wenn man diese Medikamente suizidgefährdeten Patienten verschreibt.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben