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Unterschätzte Gefahren lauern in der Andropause

Das Climacterium virile ist durch gut fassbare Symptome charakterisiert, betroffene Männer nehmen sie aber nur selten wahr. Um so mehr sollten Ärzte auf klassische Zeichen wie Schlafstörungen, depressive Phasen oder urogenitale Symptome achten.

Die Andropause tritt bei einem Teil der Männer zwischen 40 und 50 Jahren auf. Sie wird in Verbindung mit im Alter fallenden Serumtestosteron-Spiegeln gesehen, eine exakte Korrelation konnte bislang aber nicht erbracht werden. Das Testosteron beginnt ab dem dreißigsten Lebensjahr von ursprünglich etwa 1.100 ng/dl auf Werte im Bereich von 500 ng/dl im Senium zu sinken. „Im Hintergrund des nach wie vor umstrittenen Krankheitswertes der männlichen Wechseljahre steht eine überproportionale Zunahme von Suiziden bei Männern ab 50“, betonte Prof. Dr. Siegfried Kasper, Leiter der Klinischen Abteilung für Allgemeine Psychiatrie, Medizinische Universität ­Wien, beim „Menopause – Andropause – Anti-Aging“-Kongress Ende letzten Jahres in Wien. „Auch unterschwellige und milde Verände­rungen können langfristig eine Depression mit dem Suizid als ‚worst-case-Szenario’ bedingen.“ Es beginnt alles ganz harmlos: Schleichend schwindende Muskelkraft, Haarausfall, Veränderungen der Schlafdynamik und kleine Einbußen der Gedächtnisleistung gehören zum Älterwerden dazu. Im Climacterium virile können neben urogenitalen und sexuellen Funktionsstörungen auch psychische Symptome wie Nervosität, Antriebslosigkeit und depressive Stimmungen auftreten. „Zur Früherkennung depressiver Phasen hat der Allgemeinmediziner den besten Zugang“, so Kasper. „Er kann neben körperlichen Umstellungsprozessen auch Veränderungen der Stimmungslage am besten aufdecken.“ In Hinblick auf eine Lösung des Problems mit Hilfe einer Hormonersatztherapie für den Mann bremste der Psychiater die Erwartungen: „Studien haben gezeigt, dass der Ersatz des fehlenden Testosterons im Vergleich zu Placebo keine signifikante Verbesserung der Depression bringt. Hier kommen antidepressiv wirksame Pharmaka in Frage.“ Jedenfalls sollte das Vorliegen lediglich depressiver Tendenzen zum Anlass genommen werden, den Patienten zu Stressmanagement oder Sport anzuregen. Auch eine Psychotherapie kann angesprochen werden. „Sie sollte auf jeden Fall gegenwartsorientiert und störungsspezifisch sein“, so Kasper, „analytische Verfahren sind hierbei weniger geeignet als verhaltenstherapeutische Ansätze.“

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