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„Die Klaviatur der Seele“

Neben anerkannten Pharmako- und Psychotherapien drängen verstärkt alternative Verfahren in die Behandlung von Depressionen. Experten raten zur „maßgeschneiderten Therapie“.

„Bevor die adäquate Therapie bei depressiven Menschen festgelegt wurde, suchte man vormals nach endogenen oder neurotischen Ur-sachen. Diese Sicht hat sich dramatisch gewandelt“, meint Prof. DDr. Michael Lehofer, Vorstand der Grazer Allgemeinpsychatrischen Abteilung I der Landesnervenklinik Sigmund Freud. Anlässlich der Vorstellung seines Buches „Depressionstherapien“ (Thieme 2005; ISBN-0:3131365811) erklärte er am 14. März in Wien den anstehenden Paradigmenwechsel: „Bei der neurotischen Depression suchte man die Erkrankungsursache in den Lebensumständen. Mithilfe der Psychotherapie sollte der Patient mit den alltäglichen Herausforderungen umzugehen lernen. Endogene Depressionen, also jene mit genetischem Hintergrund, wurden durch somatisch ansetzende Methoden wie Psychopharmaka, Lichttherapie, Schlafentzug oder Elektrokonvulsivtherapie behandelt. Nun steht nicht mehr die Suche nach den Ursachen im Vordergrund, sondern jene nach der individuell passenden Therapie.“

Therapiearsenal nutzen

Mitautor Prof. Dr. Christoph Stuppäck, Vorstand der Christian-Doppler-Klinik in Salzburg und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, ergänzte: „Erfreulicherweise steht Medizinern und Psychologen ein breites Arsenal an Therapien zur Verfügung, die durchaus gebündelt und kombiniert werden sollten. Eine Therapie allein ist zu wenig, um aus dem seelischen Tief auszubrechen.“ Die Autoren berichteten von dem Druck seitens der Patienten, ganzheitlich wahrgenommen zu werden, und erklärten die Etablierung der Komplementärmedizin in der Depressionsbehandlung. Wer diese Entwicklungen ignoriere, so Stuppäck, riskiere den Therapieerfolg. Tatsächlich zeigten die anwesenden Psychiater keine Berührungsängste mit Tanz-, Sport-, Musik-, Maltherapie oder Magnetstimula-tion. „Komplementärtherapien mögen zwar wissenschaftlich weniger anerkannt sein, aber im Kontext mit Psychopharmaka ermöglichen sie wunderbare Erfolge“, resümierte Stuppäck.

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