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Stress und Nervosität

Gut beraten

Fluchtreaktion. Wenn aus der sinnvollen Stressreaktion ein Dauerzustand wird, ist es Zeit gegenzuwirken.

Wenn ein Termin den anderen jagt, familiäre Sorgen drücken und auch in der Arbeit nicht alles rund lauft, ist (Dys-)Stress vorprogrammiert – also jener, der aus dem Gefühl der Überforderung resultiert. Die typische Stressreaktion mit beschleunigter Atmung und erhöhtem Herzschlag, die dann folgt, war schon in der Urzeit überlebensnotwendig („fight or flight“) und ist eigentlich dazu angelegt, in akuten Belastungssituationen mehr zu leisten: Der Körper stellt Energiereserven bereit, die Muskeln sind angespannt, Aufmerksamkeit und Konzentration sind gesteigert.

Hormonsache. Konkret kommt es zu einem Rückkopplungsprozess über den Hypothalamus, der die Botenstoffe Corticotropin-Releasing-Faktor (CRF) und Vasopressin ausschüttet. Die endokrine Stressachse wird aktiviert: In der Hypophyse wird Corticotropin freigesetzt, dieses gelangt über die Blutbahn zur Nebennierenrinde, wo es die Freisetzung des klassischen Stresshormons Cortisol induziert. Cortisol unterdrückt Immunreaktionen, macht unempfindlich gegen Schmerzen, beschleunigt den Abbau von Proteinen, setzt Glukose- und Fettreserven im Körper frei.

Die durch Adrenalin geleerten Energiespeicher werden wieder aufgefüllt. Durch ein Feedbacksystem wird ab einem bestimmten Cortisolniveau die CRF- und Corticotropin-Ausschüttung gedrosselt, was schließlich auch ein Absinken des Cortisolblutspiegels zur Folge hat – der Stress-Schalter ist „umgelegt“, die Stressreaktion beendet. Idealerweise folgt auf Stress Entspannung: Der Parasympathikus schüttet Acetylcholin aus, das u.a. den Herzschlag verlangsamt und die Verdauung ankurbelt.

Stehen wir allerdings „ständig unter Strom“, führen dauerhaft hohe Cortisolspiegel zu einer Vielzahl von Beschwerden. Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Unruhe und Vergesslichkeit sind psychische Anzeichen. Stress kann sich außerdem auf jedes Organ des Körpers auswirken – Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme, erhöhte Infektanfälligkeit oder Muskelverspannungen sind nur einige Beispiele. Die Therapie des Stresses ist so individuell wie die Symptomatik. Auslöser (Stressoren) müssen gefunden und ein ganzheitliches Konzept, das auf verschiedenen Ebenen ansetzt, muss erarbeitet werden. Dazu gehören z. B. eine Verhaltenstherapie, Lebensstiländerungen, das Erlernen von Entspannungstechniken und evtl. eine unterstützende medikamentöse Behandlung.

Gerade bei kurzzeitigen Belastungssituationen und Nervosität können Präparate zur Selbstmedikation helfen. Mit Hilfe von knappen, weitgehend geschlossenen Fragen lässt sich schnell der individuelle Bedarf des Kunden erkunden. Zum Beispiel: „Möchten Sie tagsüber ruhiger werden, oder geht es Ihnen eher um ruhigen Schlaf?“ Oder: „Besteht die Unruhe erst seit kurzer Zeit?“, „Haben Sie schon etwas dagegen unternommen?“, „Ist Ihr Arzt darüber informiert?“, „Nehmen Sie Dauerarzneimittel ein, oder gibt es eine Erkrankung, die ich berücksichtigen muss?“.

Therapiemöglichkeiten

Zur Linderung typischer Stresssymptome in der Selbstmedikation steht eine Vielfalt natürlicher Wirkstoffe zur Verfügung. Extrakte aus Baldrian, Hopfen, Melisse und Passionsblume – in unterschiedlicher Kombination – wirken beruhigend, angstlösend und schlaffördernd. Als Wirkmechanismus wird ein Eingriff in den Stoffwechsel bestimmter ZNS-Neurotransmitter (GABA, nAdenosin) vermutet. Tritt nervöse Unruhe in Verbindung mit Angstsymptomen auf, empfiehlt sich ein Lavendelölextrakt. Stehen Stimmungsschwankungen oder Niedergeschlagenheit im Vordergrund, bietet sich eine Pflanzenkombination mit Johanniskrautextrakt an – die enthaltenen Wirkstoffe erhöhen die Konzentration der stimmungsaufhellenden Neurotransmitter Dopamin, Serotonin und Noradrenalin im synaptischen Spalt.

Hohe Akzeptanz bei Stress und Nervosität finden auch alternative Therapierichtungen mit einer großen Auswahl an Komplex- und Einzelmitteln. Probiotika setzen mit ihrer Wirkung im Darm an, wo die stressbedingte Entzündungsreaktion zu einer erhöhten Durchlässigkeit für Giftstoffe führt. Die Unterstützung und Regeneration der Darmflora unterbricht diesen negativen Mechanismus.

Was man sonst noch tun kann

Der Betroffene sollte für sich selbst überlegen, was ihm Freude macht. Das kann ein kurzer Spaziergang sein, lautes Hören der Lieblingsmusik oder auch ruhiges Lesen. Für jeden Tag sollte eine kleine Auszeit eingeplant werden, um einer persönlichen Ausgleichsbeschäftigung nachzugehen – so kann Stress abgebaut werden.

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