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Psychiatrie und Psychotherapie 25. November 2015

Hilfe auf jedem Weg? Von der Herausforderung des Therapeuten durch die Suizidplanung eines Klienten mit Demenzdiagnose

Ausgehend von einer Übersicht zur Suizidproblematik beim alten Menschen, insbesondere nach Demenzdiagnose, betrifft diese Fallgeschichte eine psychoanalytische Krisenintervention bzw. Fokaltherapie. Der Plan eines 72jährigen Klienten, einen assistierten Suizid zu organisieren, wird vom Therapeuten ernstgenommen: in der Hoffnung, dass diese Möglichkeit den Klienten mental entlastet und ihm hilft, sein weiteres Leben zu gestalten, aber auch, indem eine bilanzierte Entscheidung des Klienten zu respektieren wäre, selbst wenn diese einem Berufs- und privaten Ethos des Therapeuten nicht entsprechen würde. In der gemeinsamen Arbeit steht das Aufbauen einer vertrauensvollen Beziehung im Vordergrund, in der Übertragungs- und Gegenübertragungsphänomene genutzt werden. Nach einem halben Jahr scheint der Klient entlastet, positiv auf das weitere Zusammenleben mit seiner Frau eingestimmt und in realistischer Weise selbstsicher. Auch die Rechenfähigkeit und die Fähigkeit zum abstrakten Denken haben sich deutlich verbessert. Psychiatrisch gesehen bleibt die Demenzdiagnose bestehen, eine anfänglich ebenfalls gefundene Depression wurde nicht mehr diagnostiziert. Einen wichtigen Teil der Arbeit nimmt die Selbstreflexion des Therapeuten ein.

Abstract

Starting from an overview on the problem of suicide among the elderly, in particular in cases where dementia has been diagnosed, this case history deals with a psychoanalytic crisis intervention, or focal therapy. The therapist of a 72-year-old man diagnosed with dementia took this client’s plan to arrange for assisted suicide seriously. For one he hoped that this possibility would offer a source of mental relief and help the client shape his future life, but the therapist also felt that a balanced decision on the part of his client should be respected even if it did not comply with his own professional and personal ethos. Joint work focused on building a relationship of trust for which transference and counter-transference phenomena were utilized. After 6 months the client seemed relieved, exhibiting a positive outlook on his future with his wife and a realistic sense of self-assurance. His numeracy skills and capacity for abstract thought had improved considerably. From a psychiatric perspective the dementia diagnosis was confirmed but the initial diagnosis of depression was no longer upheld. Self-reflection on the part of the therapist constituted an important aspect of the work.

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