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Isolation oder Unterwerfung – Fallanalyse einer Behandlung eines Patienten mit chronischer Alkoholabhängigkeit

Diese Fallanalyse beschäftigt sich mit der Behandlung eines männlichen Patienten mittleren Alters aus Österreich, der über viele Jahre die von ihm immer wieder angestrebte Abstinenz von Alkohol bisher nicht erreichen konnte. Seine Hauptsymptome waren bei der Aufnahme neben der Abhängigkeitserkrankung eine ebenso stark ausgeprägte Sozialphobie und eine depressive Verstimmung mit den Diagnosen Bipolare affektive Störung Typ II, sowie Psychische und Verhaltensauffälligkeit durch multiplen Substanzgebrauch. Bei Behandlungsbeginn zeigte der Patient Symptome einer chronischen Alkoholabhängigkeit mit suizidaler Ausprägung, sowie Sozialphobie. Anhand dieser Fallanalyse soll gezeigt werden, dass eine psychoanalytisch orientierte Psychotherapie bei Suchtkranken eine umfassende Behandlung der Persönlichkeit darstellt. Nicht die Sucht, sondern die Persönlichkeitsstörung steht im Vordergrund. Im Rahmen der stationären psychoanalytisch orientierten Psychotherapie werden mittels Deutungen unbewusste Abläufe bewusst gemacht und dadurch für den Patienten erkennbar sowie veränderbar. Der Patient erkennt immer mehr, dass sein selbstdestruktives Verhalten gesteuert wird durch die nicht verarbeiteten Erlebnisse seiner Kindheit und Jugendzeit. Viele Konflikte leben noch immer in unbewussten Abläufen weiter oder werden am Leben erhalten. Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass eine möglichst umfassende Bearbeitung der gesamten psychischen Funktionen der Persönlichkeit, inklusive der innerpsychischen und interpersonellen Traumata, es diesem Patienten ermöglicht, seine Suchtproblematik zu verändern.

Abstract

This case analysis discusses the treatment of a middle aged male patient from Austria, who has been unsuccessfully trying to become abstinent from alcohol for several years. His primary symptoms at the time of admission were, apart from his addiction, equally pronounced social phobia and depressed mental states. His diagnoses were bipolar affective disorder type II as well as disturbed behaviour due to multiple substance abuse. At the beginning of treatment, the patient was chronically addicted to alcohol, exhibited suicidal tendencies and suffered from extensive social phobia. This case analysis illustrates that psychoanalytic oriented psychotherapy can be seen as a comprehensive treatment of the personality for patients with severe addictions. Not the addiction is the core of the illness but the personality disorder. In the course of an in-patient psychoanalytic oriented psychotherapy, unconscious processes are interpreted and thus transformed into conscious material and therefore recognizable and changeable for the patient. The patient understands more and more that his self-harming behaviour is directed by unprocessed events from his childhood and adolescence. Many conflicts remain in an unconscious state and are being maintained. In conclusion it can be seen that only a comprehensive processing of the complex personality disorder makes a cure of the patient’s addiction possible.

Christian Voggeneder, Karoline Parth, Henriette Löffler-Stastka, Psychotherapie Forum 3/2015

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