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Komplex, beratend und verbindend

Die Psychiatrie an der Nahtstelle von Psyche und Soma.

Die Frage nach der sinnvollen Versorgung für Menschen mit psychischen und körperlichen Krankheiten ist eng verknüpft mit der Rolle und Ausrichtung der Konsiliar- und Liaisonpsychiatrie. Im Laufe der Differenzierung und Spezialisierung des großen Gebiets der Psychiatrie in den letzten 50–60 Jahren hat sie sich als psychiatrische Subdisziplin heraus entwickelt, die für klinische Praxis, Forschung, Bildung, Versorgungs- und Berufspolitik an der Nahtstelle zur somatischen Medizin zuständig ist.

Erste Voraussetzung für eine zweckmäßige Versorgung ist es, die somato-psychisch kranken Menschen und ihre Behandler und Betreuer überhaupt zu erreichen. Dies ist aber nur dann möglich, wenn ein ausgebautes Versorgungsnetzwerk besteht, welches einerseits über die notwendigen Ressourcen verfügt und andererseits es auch erlaubt, Patienten aufzusuchen, sie also dort zu erreichen, wo sie sich befinden. Diese Patienten werden nämlich nicht nur in nicht-psychiatrischen Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken betreut, sondern auch in Praxen von hausärztlichen Grundversorgern und in Heimen. Darüber hinaus müssen die an der Behandlung oder Betreuung beteiligten Fachleute (Mediziner, Pflegekräfte, Pädagogen, Sozialarbeiter etc.) für psychiatrische und psychosoziale Themen sensibilisiert und darin geschult werden – auch dies eine „klassische“ Aufgabe der Konsiliar- und Liaisonpsychiater. Es müssten also „verbindende“ Dienste geschaffen werden, deren Wirkungsradius über die Grenzen des Allgemeinkrankenhauses hinaus bis in die Hausarztpraxen, Pflegeheime und Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung reicht. Dieser „Liaison“-Charakter sollte auch innerhalb der Krankenhäuser zum Tragen kommen und zu einer vertieften Kooperation mit den somatischen Abteilungen führen, z. B. in Form von interdisziplinären Angeboten wie Gedächtnisambulanzen, Schmerzzentren oder Zentren für Neurostimulation.

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