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Prävalenz und Erkennen der Depression an nicht-psychiatrischen Krankenhausabteilungen

Anliegen: Das Ziel der vorliegenden Studie ist der Vergleich der Prävalenz der Depression zwischen verschiedenen Krankenhausabteilungen. Weiters sollten verschiedene Methoden des Erkennens von Depressionen durch Nicht-Psychiater verglichen werden.

Methoden: 993 Patienten von internen, chirurgischen, gynäkologischen und somatischen Rehabilitationsabteilungen wurden von Forschungspsychiatern mittels der Clinical Interview Schedule (CIS) untersucht. Zudem wurden die jeweiligen Ärzte der Stationen gebeten für jeden ihrer Patienten einen kurzen Fragebogen auszufüllen. Durch den Vergleich dieser Fragebögen mit den CIS-Ergebnissen sollte erfasst werden, ob die Stationsärzte eine psychische Krankheit erkennen. Zusätzlich wurden die routinemäßig vergebenen psychiatrischen Entlassungsdiagnosen erfasst.

Ergebnisse: Insgesamt litten 13,3 % der Stichprobe unter einer Depression. An gynäkologischen Stationen fanden sich nur 8,7 %, an internen 9,5 %, an chirurgischen Stationen 9,8 %, und an Rehabilitationsabteilungen waren es 24,2 %. Durch die Fragebogenerhebung konnte festgestellt werden, dass die nicht-psychiatrischen Ärzte der Stationen 45,7 % der depressiv erkrankten Patienten erkannten. Allerdings fand sich nur bei 21,0 % der Personen mit einer Depression eine psychiatrische Entlassungsdiagnose, was weniger als die Hälfte jener ist, die von den Ärzten als psychisch krank erkannt wurden.

Schlussfolgerungen: Depressionen sind sehr häufig an somatischen Krankenhausabteilungen, werden aber im klinischen Alltag häufig übersehen. Routinemäßig vergebene Entlassungsdiagnosen sagen nur wenig darüber aus, wie häufig Ärzte an nicht-psychiatrischen Krankenhausabteilungen eine psychische Erkrankung wirklich erkennen. Folglich sind Routinediagnosen zur Planung der Versorgung von psychischen Erkrankungen nur wenig geeignet.

Summary

Purpose: The purpose of this study is to compare the prevalence of depression among different types of hospital departments. Furthermore, it compares different methods for assessment of its recognition by non-psychiatric physicians.

Methods: 993 inpatients of internal, surgical, gynecological and physical rehabilitation wards of community hospitals were interviewed by research psychiatrists using the Clinical Interview Schedule. Ward physicians were asked to fill in a short questionnaire in order to assess whether they could correctly identify patients with mental illnesses. In addition, routine discharge diagnoses were assessed.

Results: Of the total sample, 13.3 % suffered from depression. Depression was most frequent on physical rehabilitation units (24.2 %), followed by surgical (9.8 %) and internal (9.5 %) wards. On gynecological wards, prevalence of depression was lowest (8.7 %). Of those suffering from depression, 45.7 % were identified as mentally ill by non-psychiatric ward physicians when using questionnaire data. Only 21.0 % of the depressed received a psychiatric discharge diagnosis, which equals less than half of those identified by questionnaire.

Conclusions: Depression is very common among inpatients of physical hospital departments. Unfortunately, depression is frequently overlooked in everyday clinical work. Routine discharge diagnoses give only very limited information about how often ward physicians recognize mental disorders. Furthermore, hospital discharge diagnoses should not be used for planning mental health services.

Andrea Topitz, Norbert Benda, Gertraud Saumer, Fabian Friedrich, Daniel König, Nathalie Soulier, Marion Freidl, Neuropsychiatrie 2/2015

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