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Psyche und Soma – was kann der Konsiliar- und Liaisonpsychiater beitragen?

In den letzten Jahrzehnten ist es in den deutschsprachigen Ländern zu einer zunehmenden Integration von Psychiatrie und Psychosomatik in die (somatische) Medizin gekommen. Eine wesentliche Rolle hierbei spielen auf der praktisch-klinischen Ebene die Koniliar-Liaisonpsychiater und Psychosomatiker. Im vorliegenden Beitrag wird zunächst ein Schwerpunkt der Konsiliar-Liaisonpsychiatrie diskutiert, nämlich Diagnostik und Therapie von Menschen mit Demenz im Allgemeinkrankenhaus, die durch ihre Grunderkrankung oder durch zusätzlich sich entwickelnde Delirien mit Verhaltensauffälligkeiten mehr und mehr zu einer Herausforderung für die somatischen Stationen werden. Exemplarisch wird hier die Rolle des Konsiliar-Liaisonpsychiaters als Vermittler von neueren Behandlungsansätzen dargestellt, die wesentlich auf ein „Empowerment“ der somatischen Behandler (Ärzte und vor allem Pflegepersonal) in der Versorgung dieser Klientel zielt. Es wird argumentiert, dass gerade das Delir bei Demenz ein Beispiel für eine biopsychosoziale Erkrankung darstellt. Des Weiteren wird anhand von zwei Beispielen die mögliche Mediatorenfunktion von Konsiliar-Liaisonpsychiatern im Bereich von somatischer und psychologischer Medizin dargestellt, und zwar zum einen in der Kooperation mit Hausärzten, zum anderen bei der Versorgung von Patienten, die sich in den Notaufnahmen- und Rettungsstellen der Allgemeinkrankenhäuser vorstellen. Abschließend werden einige aktuelle Aspekte des Berufsbildes des Konsiliar-Liaisonpsychiaters dargestellt. Insgesamt wird argumentiert, dass sich die Konsiliar-Liaisonpsychiatrie in den kommenden Jahren nicht auf eine „Feuerwehrfunktion“, das heißt die Behandlung einzelner akut psychiatrisch kranker Patienten im Allgemeinkrankenhaus beschränken darf, sondern vielmehr eine aktive Rolle bei der Weiterentwicklung von Strukturen übernehmen muss, die insbesondere der Herausforderung durch die Zunahme an hochbetagten Patienten in der medizinischen Versorgung mit den damit einhergehenden Problemen gerecht wird.

Summary

In German speaking countries, during the last decades, we can see a growing, though albeit small, integration of psychiatry and psychosomatics into (somatic) medicine. This article outlines the importance of the growing number of elderly patients in medical care as a vantage point for c-l-psychiatrists to play a pro-active role in implementing adequate structures and processes for diagnostics and treatment of this patient group. It is argued that delirium (in dementia) can and should be regarded as a paradigm for a biopsychosocial disorder sui generis. In addition, aspects of the cl-psychiatrists role at two important interfaces of somatic and psychological medicine, i.e. primary care and emergency rooms, are highlighted. Finally, some information about the development of the professionalization of cl-psychiatry in Europe is given.

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