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Verarbeitung der Ängstlichkeit erforscht

Informationen werden gezielt weitergeleitet.

Wiener Forscher haben herausgefunden, dass Informationen von Angstgefühlen direkt ins Kontrollzentrum weitergeleitet werden, und nicht wie bisher angenommen, an das eigentliche Angstzentrum.

Generell werden Informationen über Gedächtnis und Emotionen vom Hippocampus, der Schaltstelle im limbischen System des Gehirns, an viele andere Gehirnregionen „versendet“, damit sie dort weiter verarbeitet werden. Das kann, so die Forscher, auf zweierlei Art passieren: „Wie ein Radiosender, der sein Programm ausstrahlt und jeder nimmt sich, was ihn interessiert, oder wie die Post, mit fix zugewiesenen Adressaten für verschiedene Informationen“, erklärt Prof. Dr. Thomas Klausberger, Leiter der Abteilung für Kognitive Neurobiologie am Zentrum für Hirnforschung der MedUni Wien.

Anhand der Funktionen „Gedächtnis“, „zielgerichtetes Verhalten“ und „Ängstlichkeit“ untersuchten die Wissenschafter in ihrer Studie (S. Ciocchi et al. Science, April 30, 2015) den Informationsfluss. Sie konnten zeigen, dass dieser beim Gedächtnis breit gestreut ist, was daran liegen könnte, dass mehrere Gehirnareale dabei beteiligt sind. Aber im Fall von zielgerichtetem Verhalten und Ängstlichkeit sortiert der Hippocampus die Information und schickt sie mithilfe von unterschiedlichen Nervenzellen ganz gezielt an jene Zentren im Gehirn, die dafür spezialisiert und verantwortlich sind.

Präfrontaler Cortex als Verarbeitungszentrale

Zudem wurde entdeckt, dass Ängstlichkeit von bestimmten Nervenzellen im Hippocampus kodiert und bevorzugt an ein Areal weitergeleitet wird, das bisher weniger damit in Verbindung gebracht wurde: Bei Ängstlichkeit werden die Informationen nicht an die Amygdala-Region des Gehirns versendet, wo normalerweise Angstgefühle verarbeitet werden, sondern an den präfrontalen Cortex, wo eigentlich die Entscheidungen getroffen werden.

Klausberger: „Wenn man etwa auf einen sehr hoch gelegenen ‚Skywalk‘ im Gebirge hinausgeht, ist man ängstlich und weiß nicht, ob man hinausgehen soll. Um den Ausblick zu haben, muss die Neugierde gewinnen und die Ängstlichkeit überwunden werden. Die Entscheidung, ob man neugierig hinausgehen oder eher in Sicherheit bleiben soll, wird im präfrontalen Cortex getroffen.“ Dabei darf die Emotion der Ängstlichkeit nicht mit akuter Angst, etwa bei einer überraschenden Begegnung mit einer Klapperschlange in freier Wildbahn, oft begleitet mit dem „Freezing“-Effekt, verwechselt werden.

MedUni Wien, Ärzte Woche 21/2015

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