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Psychiatrie und Psychotherapie 20. Dezember 2014

Betrügern auf der Spur

Eine hohe kognitive Empathie scheint für eine glaubwürdige Täuschung von zentraler Bedeutung zu sein.

Wer andere Menschen im großen Stil betrügt, muss besondere Stärken bei der Manipulation und beim Lügen mitbringen. Den Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmalen von Betrügern geht eine Studie nach.

Im Rahmen einer Untersuchung wurden 15 inhaftierte Betrüger mit 15 nicht wegen Betrugs verurteilten Straftätern und 30 nicht straffälligen Personen als Kontrollen verglichen. Bei den Betrugsdelikten habe es sich durchweg um schwere Betrugsdelikte mit persönlichem Kontakt, nicht um Internetbetrügereien gehandelt, betonte Dipl.-Psych. Milena Boeger von der Technischen Universität Braunschweig, Institut für Psychologie, Deutschland. Neben anderen Untersuchungen wurde ein in Braunschweig nach dem international anerkannten Face-Action-Coding-System programmierter Emotionserkennungstest (MIDECT) durchgeführt. Dabei musste die Emotion benannt werden, die bei einem zunächst neutral aussehenden Gesicht für 300 Millisekunden gezeigt wurde.

Bei der insgesamt kleinen Stichprobe zeigten sich keine signifikanten Unterschiede, aber doch ein Trend hin zu einer höheren kognitiven Empathie bei den Betrügern gegenüber anderen Straftätern und Kontrollen. Hinweise darauf fanden sich auch in den mit den Tätern durchgeführten Interviews – die Betrüger beschrieben, dass sie auf einen Blick erkennen können, ob sie jemanden betrügen können oder ob eine Person noch nicht zur Unterschrift bereit ist und der Betrüger erst mal noch „vom Leben erzählen“ müsse. „Eine hohe kognitive Empathie scheint für eine glaubwürdige Täuschung von zentraler Bedeutung“, sagte Boeger.

Lügenmeister

Dazu kommt eine besondere Fähigkeit beim Lügen. In einem Lügenexperiment – nach einer Rahmengeschichte als Einführung in das Experiment mussten die Studienteilnehmer einen wahren und einen erfundenen Lebenslauf vorbereiten und vortragen. Unabhängige Gutachter bewerteten die Geschichten. Es zeigte sich, dass unter den Betrügern die meisten „erfolgreichen“ Lügner waren, unter den Straftätern einige ebenfalls sehr überzeugend logen und die Nichtstraftäter am wenigsten überzeugend als Lügner waren.

Neben hoher kognitiver Empathie und der Fähigkeit zum überzeugenden Lügen stellte Boeger fest, dass die Psychopathie bei Betrügern oft ausgeprägt sei, aber auch histrionische und narzisstische Tendenzen bedeutsam sein könnten. „Vor allem hatten die Betrüger aber eine unglaublich hohe Selbstwirksamkeitserwartung“, berichtete sie.


Quelle: Vortrag Milena Boeger „Meister der Manipulation: zur Psychopathologie von Betrügern“ am 26. November 2014 im Rahmen des DGPPN-Kongresses (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde) in Berlin, Deutschland.

springermedizin.de, Ärzte Woche 51/52/2014

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