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ADHS: So helfen Sie dem Zappelphilipp

Die Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist mit einer Prävalenz von drei bis sechs Prozent relativ häufig, die Abgrenzung zu einem gesunden lebhaften Kind oft nur dann möglich, wenn eine genaue Anamnese und Testung des betroffenen Kindes vorgenommen werden kann.

Wussten Sie, dass Buben zehnmal häufiger von ADHS betroffen sind als Mädchen? Und wann ist ein Kind überhaupt von der Störung betroffen? Welche Rolle spielen die Eltern im Krankheitsgeschehen, und wie kann diese Störung am besten therapiert werden? Im Rahmen der 6. Tagung der ÖGPB stellten die Psychologin Mag. Tina Hansbauer von der Heilpädagogischen Station Hinterbrühl und der Kinderarzt Dr. Michael Freilinger von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde in Wien die Erkrankung, Diagnostik und Therapie vor. Nach dem Diagnostischen und Statistischen Manual IV der American Psychiatric Association liegt ADHS dann vor, wenn eine verminderte Aufmerksamkeit und/oder Hyperaktivität und Impulsivität besteht, die Krankheit vor dem 7. Lebensjahr aufgetreten ist und die Symptome seit mindestens sechs Monaten vorhanden sind.

Umfangreiche Untersuchung

„ADHS wird durch mehrere Faktoren getriggert“, erläuterte Freilinger in seinem Statement. „Zum einen durch erworbene biologische Faktoren, wie etwa mütterlichen Alkohol- und Nikotinkonsum während der Schwangerschaft, aber auch durch Frühgeburtlichkeit, niedriges Geburtsgewicht, Gehirnerkrankungen und Nahrungsmittelallergien.“ Aber auch psychosoziale Faktoren spielen bei dieser Erkrankung eine Rolle. Dazu gehören familiäre Instabilität ebenso wie Partnerkonflikte, Erziehungsdefizite und eine negative Eltern-Kind-Beziehung. Die Diagnose der Erkrankung sollte erst nach einer umfangreichen Anamnese gestellt werden, denn „einen ADHS-Test gibt es nicht“, stellte Mag. Tina Hansbauer in ihrem Referat fest. „Es sollte im besten Fall eine multimodale Abklärung stattfinden, die ein klinisches Interview mit den Eltern und dem Kind, die Information von LehrerInnen und die Beobachtung des Kindes umfasst. Um die Schwere der Erkrankung einschätzen zu können, kommen auch Fragebögen für Eltern und Kinder zum Einsatz. Die körperliche Untersuchung umfasst Größe, Gewicht, Kopfumfang, Blutdruck und Herzfrequenz, einen neurologischen Status und die Feststellung der motorischen Koordination.

Therapieziel ist Verminderung der Symptome

Da ADHS sehr häufig mit Komorbiditäten assoziiert ist, ist eine rein medikamentöse Therapie häufig nicht zielführend. „85 Prozent weisen mindestens eine, immer noch 60 Prozent zwei weitere Störungen auf“, erläuterte Freilinger. Dazu gehören Störungen mit oppositionellem Trotzverhalten, Störungen des Sozialverhaltens, Lern- und Angststörungen. In Österreich wird zur medikamentösen Therapie seit vielen Jahren Methylphenidat eingesetzt. Die Wirksamkeit des Medikaments wurde mittlerweile in weltweit mehr als 200 Studien mit mehr als 5.000 PatientInnen erhoben. In etwa 75 Prozent der Fälle führt diese Medikation zum Erfolg. Auf 90 Prozent steigt die Erfolgsquote, wenn die medikamentöse Therapie mit einer Verhaltens- oder Familientherapie kombiniert wird. „Das bietet auch die Möglichkeit einer Unterstützung der Eltern des betroffenen Kindes“, erläuterte Hansbauer, „und damit auch eine Entlastung der häufig angespannten Familiensituation.“ In 60 Prozent aller Fälle besteht die Krankheit im Erwachsenenalter weiter und muss auch weiter behandelt werden. „Eine wirksame ADHS-Therapie bedeutet keine Heilung“, sagte demzufolge auch Freilinger, „sondern vielmehr Fürsorge und psychische Entlastung.“

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