zur Navigation zum Inhalt
 

Depressions-Screening mit Fragebogen

Eine Depression ist oft nicht leicht zu erkennen, wenn der Patient nur körperliche Beschwerden angibt. Erste Hinweise kann ein Fragebogen liefern, den der Betroffene bereits im Wartezimmer ausfüllt. Je nach Ergebnis können dann gezielt die Kernsymptome einer Depression abgefragt und die Behandlung eingeleitet werden. Zu Beginn der Therapie sollte der Patient über seine Erkrankung informiert werden.

Zirka 10 Prozent der Patienten im Wartezimmer einer hausärztlichen Praxis leiden an einer behandlungsbedürftigen Depression. Es ist daher sinnvoll, nach der Volkskrankheit Depression in gleicher Weise zu screenen wie nach Diabetes mellitus oder Hypertonus. In einer neueren Studie hat sich der Fragebogen „WHO-5“ als sehr brauchbares Instrument erwiesen (Tab. 1), um auf ökonomische Weise und mit guter Zuverlässigkeit Hinweise auf das Vorliegen einer möglichen depressiven Erkrankung zu erhalten. Die Patienten können bereits im Wartezimmer fünf positiv formulierte und nicht psychiatrisierende Fragen beantworten. Wird ein Gesamtwert von 13 unterschritten, sollte der behandelnde Arzt das Vorliegen einer Depression in Erwägung ziehen und durch Abfragen der Kernsymptome klären. Bei etwa einem Drittel der vom WHO-5 als „positiv“ im Sinne einer Depression erkannten Patienten lässt sich nach genauerer Abklärung die Diagnose einer Depression stellen. Im nächsten Schritt sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Wann hat die Depression begonnen?
  • Gibt es kritische Lebensereignisse, Belastungen oder Entwicklungen, die möglicherweise mit der Entstehung und/oder Aufrechterhaltung der Depression im Zusammenhang stehen? Stellt der Patient dazu einen Bezug her?
  • Gab es früher depressive oder manische Episoden? Was hat bislang am besten geholfen?
  • Gibt/gab es ähnliche Erkrankungen in der Familie?
  • Wie ist das gegenwärtige Suizidrisiko einzuschätzen? Gab es in der Vergangenheit suizidale Krisen?

 detail

Depressive Patienten berichten häufig von einer großen inneren „Leere“, einem Abgestorbensein und einem quälenden „Gefühl der Gefühllosigkeit“. Viele körperliche Beschwerden wie Kopf-, Rücken- und Gliederschmerzen, Ein- und Durchschlafstörungen, allgemeine Kraft- und Antriebslosigkeit sowie eine generelle Erschöpfung kennzeichnen häufig die Wahrnehmung der Patienten. Eigene Handlungen werden oft als sinnlos („Wofür eigentlich?“) erlebt. Vertraute Bewegungs- und Handlungsabläufe (z. B. das Erledigen von Einkäufen) sind schwer zu bewältigen. Hoffnungslosigkeit ist ein ständiger Begleiter der Depression, ebenso Selbstvorwürfe und Insuffizienzerleben. Eine erfolgreiche Behandlung rezidivierender depressiver Erkrankungen ist ohne einen informierten und motivierten Patienten kaum möglich. Daher kommt der Aufklärung des Patienten über die Erkrankung eine Schlüsselrolle in der Behandlung zu. Die Pharmakotherapie insbesondere leichter und mittelgradiger Depressionen kann durch den Hausarzt erfolgen. Bei fehlendem Ansprechen auf eine antidepressive Medikation nach zwei bis drei Wochen und bei Vorliegen komplizierender Faktoren ist eine fachärztliche Mitbetreuung notwendig. Auch die für den weiteren Krankheitsverlauf oft entscheidende Frage, ob eine längerfristige Rückfall verhütende Behandlung eingeleitet wird, erfordert Fachwissen und sollte in der Regel in Kooperation mit einem Facharzt erfolgen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben