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Alkoholprävention bei Jugendlichen

„Wir müssen unseren Kindern rechtzeitig ein adäquates Alkoholverhalten anerziehen“, fordert der Suchtexperte Prof. Dr. Reinhard Haller mit einer speziellen Präventionskampagne.

40 Prozent der 15-jährigen Buben und rund 23 Prozent der gleichaltrigen Mädchen in Österreich trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol, 48 Prozent der Buben und 30 Prozent der Mädchen dieses Alters hatten bereits wiederholte Alkoholräusche. „Damit liegt Österreich im europäischen Spitzenfeld“, sagt der Leiter der Suchtklinik Maria Ebene, Prof. Dr. Reinhard Haller. Dazu kommt eine Zunahme des Rauschtrinkens, „zum Beispiel bei Veranstaltungen mit dem Titel ,Trink so viel du kannst für zehn Euro´“, ätzt Haller. Dies führt auch häufiger zu Alkoholintoxinationen und Todesfällen. Den jugendlichen Alkoholmissbrauch trennt Haller in drei Phasen: Zur Initiation kommt es in Phase eins. „Diese ist beeinflusst durch Vorbilder, beispielsweise der Eltern“, erläutert Haller. In Phase zwei spielt die Integration in eine alkoholtrinkende Gruppe Gleichaltriger eine wesentliche Rolle. Zum Missbrauch und zur konkreten Suchtgefährdung kommt es in Phase drei, wenn der Alkohol als Problemlöser überhand nimmt. Von einer Alkoholsucht bei Jugendlichen will Haller trotzdem nicht sprechen. „Es dauert, bis sich eine wirkliche Sucht entwickelt. Da ist der Jugendliche meist schon kein Jugendlicher mehr. Wir sprechen vielmehr von jugendlichen Problemtrinkern.“ Dies hat auch Auswirkungen auf die Therapie jugendlicher AlkoholikerInnen, vor allem deshalb, weil hier die Grenze zwischen Missbrauch und Abhängigkeit oftmals verschwimmt, das rauschhafte Trinken überwiegt und häufig kein Leidensdruck vorhanden ist. „Dies bedeutet, spezielle Rahmenbedingungen für Jugendliche zu schaffen und zusätzlich erlebnispädagogische Maßnahmen sowie Sporttherapie“, erläutert Haller. Wichtig seien weiters berufsfördernde Maßnahmen und die Einbeziehung der Familie ins therapeutische Setting.

Alkoholmündigkeit gefordert

Die genannten Maßnahmen betreffen die Tertiärprävention. Um Alkoholmissbrauch schon im Vorfeld zu vermeiden, müsse allerdings wirkungsvolle Primärprävention betrieben werden. „Und da sollten wir uns überlegen, ob wir nicht zur Alkoholmündigkeit erziehen sollten“, fragt Haller. Dies beinhalte eine klare Vorstellung von dem, was jemand verträgt und was nicht, ebenso wie die Tatsache, dass man auch Spaß haben könne, ohne Alkohol zu trinken. Dies beinhalte laut Haller aber auch, Problemlösungskompetenz zu erwerben und zur Selbstreflexion fähig zu sein. Vorarlberg setzt, mit Unterstützung des Fonds Gesundes Österreich, auf einen vernünftigen Umgang der Jugendlichen mit Alkohol. Die mit zwei Millionen Euro geförderte Kampagne umfasst Plakate, die die Botschaft „Hab Spaß mit Maß!“ vermitteln sollen. Eine Reihe von flankierenden Maßnahmen unterstützt die Plakatkampagne. Dazu gehört ein umfangreiches Angebot an alkoholfreien Getränken in der Gastronomie, die Einhaltung des Verkaufsverbots von Alkohol an unter 16-Jährige im Handel; dazu gehören auch Schulungsangebote für ÄrztInnen zur gezielten Intervention bei jugendlichen Intoxinierten.

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