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Welcher Aufwand für ältere Menschen lohnt sich noch?

Immer häufiger wird die Frage gestellt, wie viel an Diagnose und Therapie für ältere Personen noch zulässig ist. Im Rahmen eines Symposiums auf der ÖGPB-Tagung diskutierten Experten.

Die drei Erkrankungskreise, die bereits jetzt, und noch viel mehr in der Zukunft, Medizin und Gesellschaft am meisten beschäftigen, sind Demenz, Depression, und Delir. Zur Abklärung der Demenz sind unter adnerem auch ein CT bzw. MRT notwendig. Bereits jetzt ist es sehr schwierig, bei den Sozialversicherungen die Kostenübernahme für CT/MRT für die Abklärung zu erreichen. Bei der Alzheimerdemenz könnte eine frühzeitige Therapie die dadurch bedingte zunehmende Behinderung im täglichen Leben deutlich bessern. Zu den wichtigsten medikamentösen Therapiemöglichkeiten zählen ACHE-Inhibitoren (Aricept®, Exelon®, Reminyl®), Memantine (Axura®, Ebixa®), Neuroleptika (Risperdal® und andere) und Antidepressiva (SSRI, Duale). Welch eminente Vorteile eine adäquate medikamentöse Therapie hat, belegt eine Studie von Tariot et al (2004), in der die Verabreichung von Memantine nach etwa sechs Monaten zu einer signifikanten Verbesserung der kognitiven Funktionen führt. Memantine beeinflusst darüber hinaus die besonders relevanten Aktivitäten des täglichen Lebens und ermöglicht so zum Beispiel die Betreuung zu Hause statt in einer (wesentlich teureren) Pflegeeinrichtung. Nur 0,8 % der Gesundheitsausgaben (=12 Millionen Euro pro Jahr) werden im niedergelassenen Bereich für Antidementia ausgegeben. Daher mutet es eigenartig an, wenn gerade für Demenz der Einsatz der notwendigen Medikamente sehr kritisch diskutiert und limitiert wird. Noch dazu da von den Gesamtkosten von 44.000 Euro pro Jahr pro Alzheimerpatient zwei Drittel sowieso die Familie trägt.„Die Gesundheitsökonomie beschäftigt sich mit Fragen der Effizienz und nicht mit Fragen der sozialen Gerechtigkeit und Ethik“, stellte Prof. DDr. Werner Clement, Institut für Pharmakoökonomische Forschung, Wien, klar. Leider sind derzeit der niedergelassene und der stationäre Bereich nicht verbunden. Dass ambulant verordnete Demenzmedikamente Kosten im stationären Bereich reduzieren, interessiert daher die unterschiedlichen Geldgeber nicht.

Pharmaökonomie der Therapie

Clements Mitarbeiterin Dr. Evelyn Walter stellte eine pharmakoökonomische Untersuchung bei Patienten mit der Diagnose „depressive Episode“ vor. Diese Diagnose wurde 2002 in Österreich 2,3 Millionen Mal gestellt. Die wiederkehrende Erkrankung stellt Patienten, Angehörige und die Gesellschaft vor substanzielle ökonomische Herausforderungen. In der Studie wurde die Kosteneffizienz einer sechsmonatigen antidepressiven Therapie mit Escitolopram, einem SSRI, untersucht. Erfasst wurden die Gesamtkosten für die Gesellschaft, d. h. sowohl die direkten (Medikamente, Behandlungskosten), als auch die indirekten Kosten wie vor allem Arbeitsausfälle (durchschnittliche Krankenstandsdauer pro Krankheitsfall bei depressiven Patienten: 31,3 Tage), Kosten für Umschulungen und Frühpensionen. Das Ergebnis: Escitalopram ist zwar höherpreisig als ein trizyklisches Antidepressivum, aber infolge der signifikant besseren Wirksamkeit mit deutlich geringeren Gesamtkosten verbunden (weniger Therapieumstellungen oder Facharztbesuche wegen Ineffizienz, kürzere Arbeitsausfallzeiten). Der Anteil der medikamentösen Behandlung an den Gesamtkosten ist für das ökonomische Gesamtergebnis nahezu ohne Bedeutung. Es ist daher wichtig die Wirksamkeit, die Kosten pro erfolgreich behandeltem Patienten, und nicht die reinen Medikamentenkosten zu betrachten. Im konkreten Fall war die Verschreibung des SSRI Escitalopram (Cipralex®) kostengünstiger als die eines trizyklischen Antidepressivum.

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche 10/2001

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