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GPZ: Resümee nach drei Jahren

Trotz des Ausbaus geriatrischer Betreuungseinrichtungen herrscht im ambulanten Bereich der gerontopsychiatrischen Versorgung noch ein enormer Aufholbedarf. Einen wesentlichen Baustein zur Überbrückung dieser Lücke stellt das von der Gemeinde Wien finanzierte GerontoPsychiatrische Zentrum in Wien dar, das vor kurzem seinen dritten „Geburtstag“ beging.

Innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre wird sich die Anzahl der über 75-jährigen Personen in Österreich annähernd verdoppeln. Gleichzeitig besteht bereits jetzt ein eklatanter Mangel an Pflegekräften für die stationäre Altenversorgung. „Der ambulante gerontopsychiatrische und auch geriatrische Bereich stehen vor einer großen, bedeutsamen und arbeitsreichen Zukunft“, ist Dr. Asita Sepandj vom Wiener GerontoPsychiatrischen Zentrum überzeugt. Für eine alternde Gesellschaft gäbe es keine andere Alternative als den Ausbau dieses Bereiches. Wegen des zunehmenden Bedarfs an spezialisierten gerontopsychiatrischen Hilfeleistungen hat sich der Psychosoziale Dienst Wien (PSD) im Herbst 2001 entschlossen, mit einer neuartigen ambulanten Einrichtung ein zusätzliches Angebot für die ältere Bevölkerung Wiens, deren Angehörige und Betreuer bereitzustellen: Das GerontoPsychiatrische Zentrum (GPZ) und das Beratungszentrum für Angehörige älterer Menschen (BZA). Seit der Gründung der durch die Gemeinde Wien finanzierten Einrichtungen konnten von dem multiprofessionellen Team bislang etwa 1.300 Klienten behandelt werden. Die häufigsten Diagnosen sind Demenzerkrankungen aller Schweregrade und depressive Erkrankungen.

Reger Zustrom

Die Mitarbeiter des GPZ freuen sich zum dreijährigen Bestehen über den regen Zustrom in diese Einrichtung und fühlen sich in ihrem Tun bestätigt. Der PSD habe mit dieser Einrichtung ein bereits dringend erforderliches Angebot geschaffen. Dennoch sei damit aber noch keine Lücke geschlossen. Sepandj: „Im ambulanten Bereich der gerontopsychiatrischen Versorgung gibt es noch einen enormen Aufholbedarf, um Patienten eine angemessene Betreuung in gewohnter Umgebung zu ermöglichen.“ Das Angebot des GerontoPsychiatischen Zentrums entspricht einem umfassenden „Case Management“ mit klar formulierten Zielen in verschiedenen Bereichen. Als Anlaufstelle für die Hilfesuchenden jenseits der Spitäler bringt es die professionelle Betreuung direkt zu den Menschen. Dazu meint auch Dr. Georg Psota, Leiter des GPZ: „Spitalsambulanzen sind wertvolle Einrichtungen. Sie stellen aber nicht gerade Elemente einer gemeindenahen Versorgung dar und machen auch keine Hausbesuche.“
So sollten nach Möglichkeit neue Konzepte für ambulante und mobile Einrichtungen zur Versorgung der gerontopsychiatrischen Patienten mit entsprechender Betreuung in deren gewohnter Umgebung erstellt werden. Generell wünscht sich das GPZ-Team eine verbesserte Sensibilität für die Problematik älterer Patienten bei den Gesundheitsberufen. Ein gerontopsychiatrisches Fortbildungskonzept für alle involvierten Bereiche wäre hier anzustreben. Auch für eine adäquate Einstufung beim Pflegegeld vor allem bei Demenzpatienten gibt es konkrete Empfehlungen seitens des GerontoPsychiatrischen Zentrums.

Unkomplizierte Kontaktaufnahme

Die Kontaktaufnahme ist unkompliziert: Der Hausarzt kann Patienten beim Verdacht auf eine dementielle, depressive oder andere Erstmanifestation einer psychischen Erkrankung im Alter (ab dem 65. Lebensjahr) zur entsprechenden Abklärung zuweisen bzw. geplante Hausbesuche vereinbaren. Auch eine telefonische Beratung ist möglich. Sepandj: „Wichtig ist allerdings zu wissen, dass wir keine akuten Krisentinterventionen anbieten können. Dennoch ist auch in diesen Fällen eine telefonische Beratung möglich.“ Die Allgemeinmediziner sollten bei ihren älteren Patienten keine Scheu haben, Themen wie „Vergesslichkeit“ anzusprechen. Psota: „Wir sollten weg vom Nihilismus gegenüber der Behandlung von Demenzkranken und auch bei den älteren DepressionspatientInnen eine entschlossene antidepressive Behandlung anstreben.“

Kontakt: Tel: 01/310 00 16
1090 Wien, Sechsschimmelgasse 21

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