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Sexualstraftäter bleiben oft unbehandelt

Die Auswahl der richigen Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der devianten sexuellen Präferenz. Vier Schweregrade werden unterschieden.

„Der überwiegende Teil der Sexualstraftäter sitzt in Österreich unbehandelt im Gefängnis“, kritisierte Prof. Dr. Thomas Stompe, Universitätsklinik für Sozialpsychiatrie und Evaluationsforschung sowie Justizanstalt Göllersdorf, im Rahmen seines Vortrages anlässlich der 6. Tagung der ÖGPB. Dabei könne eine medikamentöse Therapie in Kombination mit psychotherapeutischen Verfahren die Rückfallshäufigkeit signifikant senken.

Antiandrogene und SSRI´s

Neben Antiandrogenen kommen seit einigen Jahren Selektive Serotonin-Reuptakehemmer (SSRI) in der Therapie von Sexualstraftätern zum Einsatz. „Sie unterdrücken die sexuelle Erregung sowie die Orgasmus- und Ejakulationsfähigkeit“, erläuterte Stompe. „Die Impulsivität wird ebenso reduziert wie das zwanghafte Verhalten und häufig auftretende depressive Symptome.“ Bereits seit Mitte der 60er Jahre werden Antiandrogene zur medikamentösen Therapie eingesetzt. „Im deutschsprachigen Raum kommt überwiegend Cyproteronacetat (CPA) zum Einsatz, das sowohl oral als auch intramuskulär verabreicht werden kann“, sagte Stompe. Das Medikament blockiert die Androgenrezeptoren, was zur Supprimierung aller Formen sexueller Erregung und Phantasien führt und die Erektionsfähigkeit beeinflusst. Bereits 1975 wurden in Deutschland mit CPA die ersten klinischen Studien durchgeführt.

LHRH-Antagonisten

Als dritte Möglichkeit, Sexualstraftäter medikamentös zu therapieren, bezeichnete Stompe die LHRH-Antagonisten, die ursprünglich in der Prostatakrebstherapie zum Einsatz kamen. Luteinisierendes Hormon Releasing Hormon (LHRH) beruht auf einer Überstimulierung des Hypothalamus, der zu einer Reduktion der LHRH-Sekretion auf beinahe Null führt, was einer chemischen Kastration entspricht. Die Auswahl der richtigen Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der devianten sexuellen Präferenz. Dabei werden vier Schweregrade von mild bis katastrophal unterschieden.„Der Behandlungsalgorithmus nach Bradford sieht ein sechsstufiges Therapieschema vor“, erläuterte Stompe. Stufe eins umfasst immer die Indikation für eine Psychotherapie, unabhängig vom Schweregrad der Paraphilie. Bei milden Ausprägungen der Paraphilie beginnt die pharmakologische Therapie mit SSRIs (Stufe 2). Sollten diese innerhalb von vier bis sechs Wochen keine Wirkung zeigen, verordnet Stompe zusätzlich eine niedrige Dosis von Antiandrogenen (50 mg CPA), dies entspricht Stufe 3. In Stufe 4, bei moderaten Paraphilien, kommt überwiegend die voll antiandrogen wirksame Dosis CPA, das sind 50 bis 300 mg täglich, zum Einsatz. Stufe 5 betrifft die schweren Fälle. Dabei erfolgt die antiandrogene Therapie mit 200 mg CPA i.m. zweiwöchentlich. Eine komplette Suppression der Androgene ist schließlich bei den als katastrophal bezeichneten Fälle von Paraphilien notwendig. Dabei werden wöchentlich 200 bis 400 mg CPA i.m. oder ein LHRH-Antagonist gegeben.

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