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"Was machst du mit 40 Pelzmänteln?"

Ende März fand in Wien das Symposium "Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt" über manisch-depressive Erkrankungen statt. Häufig stellen sich dabei forensische Fragen, die auch - vor allem von Angehörigen - an den Allgemeinmediziner gerichtet werden.

Unterbringung

Prof. Dr. Karin Gutierrez-Lobos, Abteilung für Sozialpsy- chiatrie der Universitätsklinik Wien und Leiterin des psychiatrisch-psychotherapeutischen Bereichs der Justizanstalt Mittersteig, brachte mit ihrem Vortrag Klarheit in den Bereich "Unterbringung" und "Sachwalterschaft". "Forensische Aspekte in der Psychiatrie betreffen heute nicht nur den klassischen Bereich der Begutachtung bei verschiedenen straf- und zivilrechtlichen Fragestellungen, sondern schließen Fragen des Rechts- und Persönlichkeitsschutzes psychiatrischer PatientInnen mit ein", so Gutierrez. Gegenstand der forensischen Psychiatrie ist neben der Therapie der Patienten die Beschäftigungssituation - inklusive aller rechtlichen Nachteile, die ihnen erwachsen können.

"Viele gesetzliche Bestimmungen basieren auf der Annahme, dass psychische Krankheiten unbehandelbar sind, in Chronizität münden und per se zur Gefährdung der Öffentlichkeit beitragen." Nach dem österreichischen Unterbringungsgesetz ist zum Beispiel Sachbeschädigung alleine, wie etwa das Zerstören der eigenen Kleidung oder der Wohnungseinrichtung, noch kein Unterbringungsgrund. Häufig stellt sich auch die Frage nach Besachwaltung von Patienten mit affektiven Störungen, im Besonderen von manischen, aber auch schwer depressiven Menschen.

Aufgaben des Sachwalters

"Zur Sachwalterschaft beziehungsweise Besachwaltung ist grundsätzlich anzumerken", so die Fachärztin, "dass diese auf Wunsch des Betroffenen oder auch dessen Angehörigen zu organisieren ist. Die Sachwalterschaft bedarf eines richterlichen Beschlusses unter Beiziehung eines psychiatrischen, gerichtlich beeideten Sachverständigen mit genauer Bestimmung der Aufgabengebiete des Sachwalters." Derzeit ist die Handhabung dieser Einrichtung in Österreich so, dass der Sachwalter in 80 Prozent für alle Angelegenheiten bestellt wird; weniger als ein Viertel der Betroffenen nutzen also die Möglichkeit, einzelne Rechtsgeschäfte durch einen Sachwalter erledigen zu lassen. "Dies ist ein auffallender Unterschied zur alten Entmündigungsverordnung aus 1916, in der lediglich die Hälfte der Sachwalter für alle Angelegenheiten bestellt wurden", gibt Professor Gutierrez zu bedenken. "Dieser Umstand begründet auch das Infragestellen der Häufigkeit des Einsatzes von Sachwaltern sowie die Qualität der beigebrachten psychiatrischen Gutachten." Bestehen Bedenken oder Unzufriedenheit mit der Wahl des Sachwalters (häufig handelt es sich um Familienangehörige) so besteht die Möglichkeit, bei Gericht die Sachwalterschaft überprüfen zu lassen. Mittels gerichtlichem Beschluss kann dann ein anderer Sachwalter bestellt werden oder die Besachwaltung auch aufgehoben werden. Die Einrichtung der Sachwalterschaft soll in erster Linie dem Patienten dienlich sein - manischen Patienten etwa gibt sie guten Schutz vor dem Abgleiten in die Kriminalität oder auch in ein finanzielles Desaster.

Schäden verhindern

So sind die beliebten "Großeinkäufe" via Versandhauskatalog bei einem Patienten mit aufrechter Sachwalterschaft nicht rechtsverbindlich und die so georderten Artikel müssen vom Versandhaus zurückgenommen werden. "Hauptaufgabe des Sachwalters, sei es nun ein Familienangehöriger oder auch ein vom Verein für Sachwalterschaft vermittelter Sachwalter, ist es, die Entscheidung über finanzielle und medizinische Fragen zu treffen und damit den Betroffenen vor Schaden zu bewahren."

Quelle: "Himmelhoch jauchzend - zu Tode betrübt", Symposium am 31.März 2001 in den Sofiensälen, Wien.

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