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Was tun beim agitierten Patienten?

Ein Patient wird in einem Erregungszustand, bar jeglicher Krankheitseinsicht, dem behandelnden Team vorgestellt. Wichtig ist, so Dr. Andreas Conca, Oberarzt der Abteilung für Psychiatrie und Neurologie des LKH Rankweil, die Situation nicht eskalieren zu lassen. Neben klaren medikamentösen Therapieregimen gibt es auch strukturierte Richtlinien für den schonenden Umgang mit dem Patienten.

Sechs Prozent der Angestellten in der Psychiatrie erfahren mindestens ein Mal in ihrem Berufsumfeld körperliche Gewalt. Allein diese Tatsache macht schon anschaulich, wie sehr der Umgang mit akut agitierten Patienten für das gesamte Team einer psychiatrischen Einrichtung eine enorme Herausforderung darstellt. Handelt es sich bei dem eingewiesenen Patienten um einen „unbekannten“, so mangelt es zumeist an Information über die etwaige Erstmanifestation der Psychose, den bisherigen Krankheitsverlauf, Auslöser, Begleiterkrankungen oder die soziale Situation. Gleichzeitig besteht aber dringlicher Handlungsbedarf, ausgelöst durch die Schwierigkeit der Situation, in der zumeist Gefahr für Patient und auch Umfeld droht, ohne jedoch das oberste Ziel, die Intervention schnell und zugleich möglichst schonend vorzunehmen, zu vernachlässigen.
Einige der Leitsymptome des akuten Erregungszustandes stellen Kooperationsunfähigkeit, Feindseligkeit und psychomotorische Unruhe sowie Übergriffigkeit und drohende Gestik und Sprache dar. Was die Ursache betrifft, so ist an die Psychose, hirnorganische Störungen, Suchtmittelkonsumation beziehungsweise Intoxikation sowie körperliche Erkrankungen zu denken. Zu Letzteren zählen besonders die Hyperthyreose, nicht selten die Hypoglykämie und natürlich Leber- und Niereninsuffizienz. Auch eine massive Harnretention kann schon einmal zur Agitation führen.

Allgemeine Gesichtspunkte der Akuttherapie

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Behandlung wegen der fehlenden Krankheitseinsicht schwierig ist. Die Entscheidung, ob eine stationäre Aufnahme notwendig ist, hängt von der Ausprägung der Selbst- und Fremdgefährdung ab. Ein wichtiger Punkt scheint die Abschirmung von stimulierenden Außenreizen zu sein sowie den Patienten ernst zu nehmen, ohne jedoch zu sehr auf die präsentierten Wahninhalte einzugehen. Die medikamentöse Therapie ist nicht hinauszuzögern, die Ursachenabklärung sollte ebenfalls kurzfristig anlaufen. Möglichst einzuhaltende Maßnahmen sind:

  • Handlungsdruck nicht weitergeben
  • Notfallsszenario deeskalieren
  • Aufteilung der Entscheidungen in gut strukturierte Einzelschritte

In der Beobachtung des Patienten lassen sich mögliche innere Anspannung oder auch muskuläre Anspannung erkennen. Für die Annäherung und Intervention bewähren sich Räumlichkeiten, die dem Therapeuten und Arzt Fluchtmöglichkeit bieten und dem Patienten genügend Platz zum Rückzug ermöglichen. Für den Patienten ist es hilfreich, wenn der Behandler klar erkennbar ist, etwa durch Kleidung, Namens- und Funktionsschild. In der medikamentösen Akuttherapie bewährt sich für die parenterale Applikationsform Ziprasidone (mit kürzerer Halbwertszeit) sowie Olanzapine ( Zyprexa® ) mit langer Halbwertszeit (26 bis 30 Stunden). Abhängig von der vorherrschenden Symptomatik, jedoch von extrapyramidalen Nebenwirkungen begleitet, ist auch die Verabreichung von Haloperidol möglich. Nun steht an weiteren Therapieoptionen zusätzlich die intramuskulär zu verabreichende Form von Zyprexa® i.m. zur Verfügung.

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