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Düstere Prognosen für die österreichische Seele

Der 1. Österreichsche Psychiatriebericht wurde im Auftrag des Staatssekretariats für Gesundheit von einem Team unter Federführung des Vorstands der Psychiatrischen Universitätsklinik in Wien, Prof. Dr. Heinz Katschnig, erstellt. Einige der erhobenen Daten stimmen bedenklich. Katschnig: "Von den rund 100.000 Spitalsepisoden, die zum Zeitpunkt der Entlassung mit der Hauptdiagnose einer psychiatrischen Erkrankung enden, entfallen rund 45.000 auf nicht psychiatrische Krankenhausabteilungen. Das ist für uns ein sehr hoher Anteil. Man muss die Frage stellen, wie hoch die Kompetenz (anderer Fachgebiete, Anm.) zur Behandlung psychiatrischer Erkrankungen ist."

Da außerdem psychiatrische Therapien bei stationären Aufenthalten in Spitälern laut dem österreichischen LKF-System eher geringer als andere Behandlungen (Chirurgie, Interne, Anm.) vergütet werden, deutet das offenbar auf Mangel- oder Unterversorgung hin. Könnte sich aus dem hohen Anteil psychiatrischer Patienten auf anderen Spitalsabteilungen eventuell auch ein Defizit in der Qualität der Behandlung ergeben, so sollte ein anderer Befund erst recht die Alarmglocken läuten lassen.

Wenig erfreut über Zwangsaufnahmen

Wenig erfreut äußerte sich der Projektleiter auch zur hohen Zahl an Zwangsaufnahmen: "Eine von vier Aufnahmen erfolgt gegen den Willen des Betroffenen. Dieser Anteil ist im Steigen begriffen - ein Zustand, der nicht sehr gut ist." Diese hohe Quote von Zwangsaufnahmen in psychiatrische Abteilungen könnte auf das Unterbringungsgesetz aus dem Jahr 1991 zurückzuführen sein.

"Diese Daten haben uns sehr überrascht. An sich hatte man sich von dem Unterbringungsgesetz eigentlich das Gegenteil erwartet", kommentierte Gesundheitsstaatssekretär Dr. Reinhart Waneck dieses Ergebnis. In Zukunft sollen jene psychisch Kranken, die eine stationäre Aufnahme benötigen, auch zu einem höheren Anteil auf echten Fachabteilungen versorgt werden. Waneck: "Der Weg dorthin ist mit der 15a-Vereinbarung mit den Bundesländern abgemacht. Sie führt zu einer Dezentralisierung psychiatrischer Abteilungen, große Abteilungen werden verkleinert." Die bereits in die Wege geleitete vermehrte Schaffung von akutpsychiatrischen Abteilungen an regionalen Krankenhäusern soll da die Situation nachhaltig verbessern.

Ein Problem aller Industriestaaten

"Wir müssen davon ausgehen, dass die psychischen Erkrankungen in allen Industriestaaten im Steigen begriffen sind", erklärte Waneck. "Nach Schätzungen der WHO stellen Depressionen die vierthäufigste Erkrankung dar. In etwa 20 Jahren sollen sie weltweit die zweithäufigste Erkrankung sein. Im Durchschnitt ist jeder vierte Mensch einmal in seinem Leben von einer massiven psychischen Beeinträchtigung betroffen, für deren positive Bewältigung er professionelle Hilfe in Anspruch nehmen muss."

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