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Methoden Psychoanalyse und psychoanalytische Psychotherapie – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Mit Psychoanalyse und der aus ihr hervorgegangen psychoanalytischen Psychotherapie stehen auch im österreichischen Gesundheitswesen zwei erprobte und wirksame Behandlungsmethoden für die Behandlung von langanhaltenden Angsterkrankungen, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen, Neurosen und Psychosomatosen zur Verfügung. Da beide Methoden die gleichen Basistechniken verwenden, wird die Unterscheidung zwischen diesen Methoden oft pragmatisch anhand von Stundenfrequenz und Verwendung der Couch getroffen. Demgemäß fällt die Differenzierung auch in empirischen Untersuchungen oft unscharf aus.
Diese Übersichtsarbeit beschreibt als erste Differenzierungsmöglichkeit die objektive und subjektive Dimension der Indikationsstellungen. Bei der letzteren geht es darum, einzuschätzen, ob zwischen Analytiker und Patient ein Prozess entstehen kann, in dem sich reflexive Fähigkeiten und eine bessere Ich-Integration entwickeln lassen. Empirische Daten untermauern die Notwendigkeit, das Ausmaß von Externalisierung in die Entscheidung für eine bestimmte Behandlungsform mit ein zu beziehen.
Eine weitere Differenzierungsmöglichkeit liegt in den verschiedenen Zielsetzungen. Bei der psychoanalytischen Psychotherapie ist es unter anderem die erfolgreiche Behandlung einer eingegrenzten Problemstellung und bessere Kontrolle von selbstzerstörerischem Verhalten, bei der Psychoanalyse die anhaltende Fähigkeit zur Selbstreflexion, die nachhaltig zu Symptomrückgang und besserer Belastbarkeit führt. Der technisch wesentlichste Unterschied liegt in der durchgehenden Neutralität. Diese muss in der psychoanalytischen Psychotherapie bei schwerem Agieren immer wieder aufgegeben werden.
Die empirische Evidenzlage zum Unterschied zwischen Psychoanalyse und Psychoanalytischer Psychotherapie zeigt, dass der Therapieerfolg nicht mit der Therapiedauer, sehr wohl aber mit der Anzahl der Sitzungen korreliert. Insbesondere weisen vorläufige Ergebnisse in die Richtung, dass die Dosis der angewandten Technik der ausschlaggebende Mediator zum Therapieerfolg sein könnte.

Dr. Hemma Rössler-Schülein, Assoc.-Prof. Priv.-Doz. Dr. med. Henriette Löffler-Stastka, Neuropsychiatrie 4/2013

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