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Psychiatrie und Psychotherapie 20. November 2013

Ziel ist die berufliche Integration

50 Prozent der Patienten mit Bipolaren Störungen sind nicht mehr im Arbeitsprozess eingegliedert.

Bipolare Störung und Arbeitswelt war das Thema der 4. Herbsttagung der Österreichischen Gesellschaft für Bipolare Erkrankungen. Anlass dafür waren der Mangel entsprechender rehabilitativer Maßnahmen oder Beratungsstellen, spezifisch für Menschen mit Bipolaren Störungen. Aus der Literatur ist bekannt, dass über 50 Prozent der Betroffenen nicht mehr im Arbeitsprozess eingegliedert sind. Frauen werden oftmals von deren Familien versorgt, Männer gelangen sehr früh in die Berufsunfähigkeitspension.

Bipolare Störungen sind durch den Wechsel von depressiven und manischen Episoden gekennzeichnet. Heute sieht man nicht nur die schweren depressiven Episoden und schweren manischen Episoden die etwa 0,5 bis 2 Prozent der Allgemeinbevölkerung betreffen und meist zu einem Spitalsaufenthalt führen.

Weltweit beschäftigen sich die Fachleute mit den klinisch leichteren Formen dieser Erkrankung, welche die Entwicklung von Menschen, Beziehungen, Ausbildungen deutlich beeinflussen und deshalb zu großen sozialen Problemen führen können.

Mittlerweile ist der gehäufte Zusammenhang von ADHS, Alkoholkonsum, Drogeneinstieg, risikoreichem Verhalten, Aggressionshandlungen und sozialem Rückzug mit vermindertem Selbstwertgefühl sowie dessen Folgen für die Entwicklung dieser Menschen und deren Familien ersichtlich und stehen diese Komorbiditäten im Interesse der Forschung bipolarer Störungen, aber auch von Therapie und Hilfestellungen für die Betroffenen.

Da manisch-depressive oder bipolare Menschen nicht ausreichend erkannt und behandelt sind, befinden sich viele über längere Zeit in leichten depressiven Zuständen. Es verwundert nicht, dass in den meisten Fällen depressive Symptome der Grund für die Konsultation eines Arztes oder Therapeuten sind. Die zeitliche Dauer der einzelnen Episoden erstreckt sich über einen Zeitraum von Tagen, Wochen bis hin zu Monaten. Zwischen den einzelnen Episoden liegen bei circa der Hälfte der Betroffenen Zeiträume mit „normaler“ Stimmungs- und Antriebslage. Die andere Hälfte hat oftmals Probleme vor allem mit leichten depressiven Verstimmungen und auch mit sogenannten kognitiven Beschwerden, die sich im Alltag in Form von Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen bemerkbar machen. Mittlerweile ist klar, dass dies ein Teil der Erkrankung und nicht ein Effekt der Medikamente ist.

Rehabilitation für Bipolar Erkrankte

Bipolare Affektive Störungen sind in den akuten Episoden oft mit längeren Arbeitsunfähigkeitszeiten verbunden. Bei vollständiger Remission im Intervall außerhalb der Episoden ist nicht mit erheblichen Beeinträchtigungen von Aktivitäten und Teilhabe zu rechnen, wobei hier eine stabile Primärpersönlichkeit sowie eine geringe Episodenfrequenz, -dauer und -ausprägung günstige prognostische Faktoren darstellen. Die Prognose bezüglich der Erwerbsfähigkeit gilt als ungünstig, wenn mehrere der folgenden Faktoren zusammentreffen: schwer ausgeprägte depressive/manische Symptomatik mit unvollständigen Remissionen, rascher Episodenwechsel (ultra-rapid cycling oder rapid-cycling), ungünstige Krankheitsbewältigung und damit oft verbundene mangelnde Compliance für die Medikation, Komorbidität mit Suchterkrankung oder mit Persönlichkeitsstörung und mangelnde soziale Unterstützung.

„Die Notwendigkeit für spezifische Rehabilitationsleistungen ist bei bipolaren Störungen aufgrund der in der Regel guten Therapiemöglichkeiten in akuten Episoden und in der Phasenprophylaxe nur bei einem Teil der Betroffenen gegeben“, betonte Prof. Dr. Gerhard Lenz, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin in Wien.

Im Vordergrund einer Leistung zur medizinischen Rehabilitation stehen dann die Krankheitsbewältigung, die Förderung und Stabilisierung der Compliance sowie der Erhalt der sozialen und beruflichen Integration. Die Empfehlung von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben muss sich daran orientieren, ob eine Rückkehr in den bisherigen Beruf möglich ist oder andere Maßnahmen (beispielsweise Schulungsmaßnahmen) sinnvoll sind.

Quelle: 4. Herbsttagung „Bipolar und Arbeitswelt, 18. Oktober 2013, Wien

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