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Existenzielle Bedrohung

Angst um den Arbeitsplatz fördert Infarkte

Die Sorge, dass der Job in Gefahr ist, kann auch das Herz in Gefahr bringen. In einer Metaanalyse wurde eine erhöhte KHK-Rate festgestellt.

Die zunehmende Arbeitsplatzunsicherheit in Zeiten von globaler Konkurrenz und Finanzkrise bedroht Erwerbstätige auch im Hinblick auf ihre Gesundheit. Psychischer Stress, körperliche Beschwerden und eine schlechtere Bewertung der eigenen Gesundheit sind nachgewiesene Folgen. Eine aktuelle Metaanalyse belegt, dass auch die KHK-Rate ansteigt: Arbeitnehmer, die die Unsicherheit des eigenen Jobs als hoch einschätzten, hatten nach Berücksichtigung des Alters ein um 32 Prozent höheres 10-Jahres-Risiko für eine KHK als Berufstätige mit geringer Jobunsicherheit.

In die Analyse waren alle verfügbaren prospektiven Kohortenstudien eingeflossen. Dabei handelte es sich außer um vier publizierte Studien auch um bisher nicht veröffentlichte individuelle Daten aus 13 Studien des Individual-Participant Data Metaanalysis in Working Populations Consortium, alles Studien aus Europa oder den USA. Insgesamt 174.438 zunächst herzgesunde Berufstätige waren nach der Unsicherheit ihres gegenwärtigen Arbeitsplatzes – hoch oder niedrig – gefragt worden. Die Quote derer, die ihre berufliche Situation als sehr ungewiss empfanden, schwankte je nach Studie zwischen zehn und 40 Prozent, insgesamt gaben 16,3 Prozent diese Einschätzung zu Protokoll. Während der mittleren Nachbeobachtungszeit von 9,7 Jahren hatten 1892 Teilnehmer eine KHK entwickelt, definiert als nicht tödlicher Herzinfarkt oder als Tod mit koronarer Ursache.

Geringere Qualifikation, höheres KHK-Risiko

Probanden, die über eine hohe Jobunsicherheit klagten, hatten einen niedrigeren sozioökonomischen Status und mehr klassische kardiovaskuläre Risikofaktoren als Probanden, die sich diesbezüglich keine Sorgen machten. Diese beiden Faktoren erklärten zumindest teilweise auch ihre höhere KHK-Rate. Ihr Risiko blieb aber auch nach Abzug dieser Einflüsse noch um 19 Prozent erhöht. Geschlecht, Alter, Arbeitslosenquote und Sozialsystem spielten dabei keine nachweisbare Rolle.

Kausaler Zusammenhang vermutet

„Das Gefühl von Arbeitsplatzunsicherheit ist allenfalls ein bescheidener Risikofaktor für eine KHK“, schreiben die Studienautoren um Prof. Marianna Virtanen vom finnischen Institut für Arbeitsmedizin. „Wir können jedoch nicht ausschließen, dass diese Angst insbesondere bei anfälligen Personen der koronaren Gesundheit schadet.“

Die Autoren des begleitenden Editorials, Prof. Cary Cooper, Lancaster, und Brian Faragher, Liverpool, halten dieses Fazit jedoch für allzu vorsichtig: „Die Assoziation zwischen Arbeitsplatzunsicherheit und erhöhtem KHK-Risiko kann nicht als Artefakt abgetan werden; die vorhandene Evidenz spricht dafür, dass es sich um einen kausalen Zusammenhang handelt.“

springermedizin.de, springermedizin.at

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