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Vorsicht bei Valproinsäure in der Schwangerschaft

Nehmen Frauen während einer Schwangerschaft Valproinsäure, schadet das langfristig der Intelligenz des Kindes. Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) warnt jedoch davor, das Medikament einfach abzusetzen.

Epileptische Anfälle während der Schwangerschaft können der Mutter und dem ungeborenen Kind schaden und sogar lebensbedrohlich für beide sein. Gleichzeitig erhöhen Epilepsie-Medikamente das Risiko etwa für Fehlbildungen des Zentralen Nervensystems des Kindes und Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten. „Zudem bestätigt eine lang erwartete Studie jetzt den Verdacht, dass der Intelligenzquotient (IQ) des Kindes auch langfristig sinken kann, wenn die Mutter während der Schwangerschaft Valproinsäure nimmt“, fasst Prof. Dr. Bernhard J. Steinhoff, Ärztlicher Direktor des Epilepsiezentrums Kork (D), zusammen.
Im Rahmen dieser Studie [1] wurden 224 Kinder epilepsiekranker Mütter bis ins Alter von sechs Jahren untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass der IQ der Sechsjährigen, deren Mütter während der Schwangerschaft Valproinsäure genommen hatten, im Durchschnitt um acht bis elf Punkte niedriger war als der IQ der Gleichaltrigen, deren Mütter eines von drei anderen Antiepileptika genommen hatten. Ähnliche statistische Zusammenhänge entdeckten die Wissenschaftler hinsichtlich der Sprachfähigkeit und der Gedächtnisleistung. Die Forscher wiesen darüber hinaus einen klaren Zusammenhang zwischen der Einnahme von Folsäure durch Mütter während der Schwangerschaft und einem höheren IQ ihrer Kinder im Alter von sechs Jahren nach.
Der DGKN-Experte Steinhoff empfiehlt daher, Epilepsie-Patientinnen im gebärfähigen Alter über die Gefahren durch Valproinsäure aufzuklären und solchen Frauen, die zum ersten Mal Antiepileptika nehmen müssen, ein alternatives Präparat zu verschreiben. Vor allem aber rät Steinhoff zu Besonnenheit. Das Schlechteste sei, das Medikament ohne Prüfung abzusetzen. Das würde das Risiko für Anfälle markant erhöhen und könnte lebensgefährlich sein. Auch eine Umstellung auf ein anderes Medikament könne Probleme bedeuten. Vielmehr sollten Ärzte das Risiko individuell abklären und mit den Patientinnen entscheiden, ob die Umstellung auf ein anderes Medikament sinnvoll sei. Für Schwangere sei es aber auf alle Fälle ratsam, die Valproinsäure-Dosis unter 1000 Milligramm pro Tag zu senken.

1 Lancet Neurol 2013; 12: 244–52,
Published Online, January 23, 2013

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