zur Navigation zum Inhalt
 

Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie

Vorstandsvorsitzender des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger Hans Jörg Schelling kündigt Leistungsausbau für Psychotherapie an.
Rund 900.000 Personen nehmen das österreichische Gesundheitswesen wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch, 840.000 davon nehmen Psychopharmaka, aber nur 65.000 erhalten psychotherapeutische Hilfe, davon nur die Hälfte kassenfinanziert. Laut Ankündigung von Hans Jörg Schelling soll sich das nun ändern.
Die Kluft zwischen Angebot und Bedarf ist enorm: Laut ÖBIG liegt die Untergrenze des Bedarfs bei 2,1 Prozent der Gesamtbevölkerung, demnach erhalten in Österreich mindestens 130.000 Personen nicht die für sie notwendige Psychotherapie. Dabei zeigt der Vergleich mit den gut versorgten Ländern Deutschland und Schweiz, dass Psychotherapie nachgewiesen sehr positive Effekte hat: weniger Psychopharmaka-Konsum und Rückgang von Krankenständen, Arztbesuchen, Krankenhausaufenthalten, Frühpensionen.
Wissenschaftlich fundierte Behandlungsleitlinien empfehlen Psychotherapie bei akuten und leichten depressiven Störungen, bei mittelgradigen, schweren und chronischen depressiven Störungen eine Kombinationsbehandlung aus Psychotherapie und Pharmakotherapie. Von diesem Behandlungsstandard sind wir in Österreich noch weit entfernt. Besonders bei leichten psychischen Störungen kommen viel zu häufig Psychopharmaka zum Einsatz.
Laut Allgemeinem Sozialversicherungsgesetz steht jedem Versicherten kassenfinanzierte Psychotherapie in gleicher Weise zu. Jedoch seit 1992 umgehen die Kassen ihre bestehende Versorgungsverpflichtung. Die kassenfinanzierte Psychotherapie wurde für sozial Bedürftige rationiert, alle anderen Versicherten werden trotz gesetzlicher Versicherungsleistung privat zur Kasse gebeten. Es ist nun höchste Zeit, das System in einen einheitlichen Gesamtvertrag für Psychotherapie umzuwandeln und allen Versicherten ihr verbrieftes Recht auf Behandlung zukommen zu lassen.

Quelle:
OTS/Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben