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Medikamentöse Kontrolle von Essstörungen

Esssüchtige fühlen sich dem Zwang zum Essen machtlos ausgeliefert. Ihre Appetit- und Sättigungsregulation ist erheblich gestört. Topiramat stellt eine neue mögliche Therapieoptin dar.

Patienten mit Esssucht nehmen im Übermaß Nahrung zu sich, auch wenn sie keinen Hunger verspüren. Sie leiden unter starkem Übergewicht mit einem Body Mass Index über 30. Neben den psychischen Belastungen führt die Esssucht zu medizinischen Problemen, da das Übergewicht zahlreiche Krankheiten begünstigt, wie zum Beispiel kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Gicht, Gallensteine, Schlaganfall, Gelenkleiden und Wirbelsäulenschäden. Die "Latente Esssucht" (Binge Eating Disorder) wurde erst 1992 bei der "International Eating Disorder Conference" als Form der Esssüchte klassifiziert.
Es treten dabei wiederholte Episoden von Essattacken mit Verzehr übergroßer Nahrungsmengen auf. Die Patienten haben während des Essanfalls ihr Essverhalten nicht unter Kontrolle. Diese Essstörung tritt aber nicht ausschließlich während einer Episode von Anorexia oder Bulimia nervosa in Erscheinung.
Für die Diagnosestellung der "Latenten Esssucht" müssen mindestens drei der folgenden Kriterien zutreffen:

  • Sehr viel schnelleres Essen als normal

  • Essen bis zu unangenehmen Völlegefühlen

  • Aufnahme großer Nahrungsmengen ohne Hungergefühl

  • Aus Scham und Peinlichkeit essen die Betroffenen alleine

  • Nach den Anfällen machen sich die Betroffenen Selbstvorwürfe, haben Schuldgefühle und Depressionen

Derzeit gibt es für die Esssucht noch keine ideale Therapieform. Topiramat (Topamax®) ist eine neue Substanz, die in mehr als 80 Ländern als Antiepileptikum zugelassen ist. Dr. Susan L. McElroy, University of Cincinnati Medical Center, USA, beobachtete, dass Patienten, die Topiramat aufgrund einer Verhaltensstörung oder epileptischen Erkrankung erhalten hatten, mit Gewichtsverlust oder Anorexie reagierten.
Bei jenen Patienten, die gleichzeitig an einer Esssucht litten, kam es zu einer Verbesserung dieser Symptomatik. Zusätzlich konnte in Tierversuchen gezeigt werden, dass die Blockade der Kainat/AMPA-Glutamat-Rezeptoren die Futteraufnahme rasch und deutlich hemmt.

Placebokontrollierte Studie

Die Beobachtungen veranlassten McElroy und ihre Mitarbeiter, eine randomisierte, placebokontrollierte Studie durchzuführen, in welcher an 61 ambulanten Patienten mit "Binge Eating Disorder" und Adipositas über 14 Wochen Wirksamkeit und Verträglichkeit von Topiramat geprüft wurden. 30 Patienten erhielten täglich Topiramat in einer Dosierung zwischen 25 und 600 mg, 31 Patienten Placebo.
In der Topiramat-Gruppe kam es zu einer signifikanten Abnahme der Häufigkeit von Essattacken, des BMI, des Körpergewichts und der Scores des "Clinical Global Impression Severity Scale" und "Yale Brown Obsessive Compulsive Scale". Patienten unter Topiramat verloren im Mittel 5,9 kg an Gewicht. Neun Patienten brachen die Behandlung wegen Kopfschmerzen oder Parästhesien ab.
Die Autoren der Studie "Topiramat in the Treatment of Binge Eating Disorder Associated with Obesity" (Susan L. McElroy et al.; Am J Psychiatry 2003;160: 255-261) sehen in Topiramat eine wertvolle Option für die Behandlung der Esssucht: "Topiramat erwies sich als effektiv und gut verträglich."

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