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Patientinnen mit Essstörungen erfordern Feingefühl

"Mit Besorgnis ist festzustellen, dass das neue Schönheitsideal krank macht wie kaum zuvor: Das Ziel, schön zu sein und sich sinkenden Konfektionsgrößen anzupassen, führt bei vielen Mädchen und jungen Frauen zu einer Störung im Essverhalten", so Prof. Dr. Beate Wimmer-Puchinger, Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt Wien.

Jedes zweite Mädchen in Wien zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr hat bereits Erfahrung mit einer Diät gemacht. In 95 Prozent der Essstörungen sind Frauen und hier besonders junge Mädchen betroffen. Im Gegensatz zur Anorexie nimmt die Prävalenz der Bulimie zu. Das Vollbild einer Anorexie ist bei ungefähr 0,5 Prozent, das einer Bulimie zwischen 1 und 3 Prozent der Hochrisikogruppe zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr zu finden. Das Bild einer subklinischen Essstörung weisen 13 Prozent auf.

Nach einer Studie von Prof. Martina De Zwaan, Essstörungsambulanz der Psychiatrischen Universitätsklinik, AKH Wien, erkennen Allgemeinmediziner lediglich 12 Prozent aller Bulimiefälle und 45 Prozent der Anorexien (Wien Med Wochenschr 1999;149(11):326-30). De Zwaan: "Meist werden die Jugendlichen von ihren Eltern in die Ordination gebracht. Sind die Mädchen körperlich in keinem schlechten Zustand, ist die Compliance sehr gering."

Wichtig wäre, so die Psychiaterin, dass sich der Hausarzt mehr Kompetenz im Umgang mit essgestörten Patientinnen erwirbt. Neben der Zuweisung an einen Psychotherapeuten, sollte idealerweise die körperliche Betreuung durch den Allgemeinmediziner erfolgen. Regelmäßige Gewichtskontrollen, Messung des Kaliumspiegels sowie die gelegentliche Durchführung eines EKG wären in der ambulanten Betreuung der Patientinnen möglich. Man müsse hier Geduld haben und den Betroffenen nicht wertend gegenüberstehen. Ab einem kritischen BMI unter 13 und körperlich bedrohlichen Zuständen ist eine stationäre Aufnahme vonnöten.

De Zwaan: "Als Behandlungskonzept ist nach wie vor die Psychotherapie bei beiden Störungen Mittel der Wahl. Bei der Bulimie, insbesondere wenn häufige Ess-Brechanfälle vorliegen, hat sich eine relativ hohe Dosis eines SSRI, z.B. Fluoxetin 60 mg, bewährt. Die Therapie ist für junge Mädchen gut verträglich."

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