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Selbstbewusstsein steigert bei Anorexie die Heilungschancen

Frankfurt. Kann die Persönlichkeit von Patienten mit Anorexia nervosa den Verlauf ihrer Erkrankung wesentlich beeinflussen? Nach ersten Ergebnissen einer Studie mit 31 essgestörten Patienten nehmen jene, die im Vergleich zu anderen selbstbewusster und kooperativer sind, bei einem stationären Aufenthalt auch mehr an Gewicht zu.

Außerdem scheint die Fähigkeit zur Einsicht in eigene Grenzen den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Das Ausmaß von Depressivität, Zwanghaftigkeit und Ängstlichkeit diese Symptome kommen bei Magersüchtigen oft vor ist für den Krankheitsverlauf dagegen offenbar weniger bedeutsam.

Verlauf der Therapie

An der Studie, die Dr. Sabine Krämer von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters in Frankfurt vorgestellt hat, haben 31 Patienten im Alter von zwölf bis 18 Jahren teilgenommen. Sie wurden wegen einer Essstörung stationär in der Universitätsklinik oder der psychosomatischen Abteilung des Clementinen-Kinderkrankenhauses in Frankfurt behandelt. Die Magersucht bestand im Mittel seit etwa 20 Monaten. Die Patienten hatten vor Aufnahme durchschnittlich 13 Kilogramm an Gewicht verloren, der mittlere Body Mass Index betrug bei Aufnahme 14,6, bei Entlassung 16,5. Um Faktoren, die den Krankheitsverlauf beeinflussen, zu erfassen, haben die Forscher die Patienten in zwei Gruppen eingeteilt. Als solche mit günstigem Therapieverlauf wurden diejenigen gewertet, deren BMI bei Entlassung über dem Median von 16,6 lag. Werte darunter galten als Indiz für ein ungenügendes Ansprechen auf die Behandlung. Mit Tests und Interviews haben die Psychiater unter anderem psychopathologische Begleitsymptome der Magersucht erhoben, Merkmale, die speziell mit der Essstörung zu tun haben wie Schlankheitsstreben und körperliche Unzufriedenheit sowie Persönlichkeitsmerkmale der Patienten.

Persönlichkeit ist ausschlaggebend

Die größten Unterschiede zwischen beiden Gruppen fanden sie bei den Persönlichkeitsmerkmalen. Patienten mit günstigem Therapieverlauf hatten ein ausgeprägtes Schadenvermeidensverhalten und Beharrungsvermögen. Ihr Verhalten richtete sich stärker an der sozialen Bestätigung und dem Zuspruch durch Dritte aus. Gerade diese Eigenschaft begünstige die Erfolgsaussichten einer Verhaltenstherapie bei Anorexia nervosa, so Krämer beim diesjährigen Seminar ihrer Klinik zum Thema "Essstörungen". 

Auch seien Patienten mit besseren Therapieerfolgen kooperativer, sie erlebten sich als autonom und selbstbewusst, hätten Einsicht in ihre Grenzen und fühlten sich als Teil einer Gemeinschaft. Darüber hinaus hat die Untersuchung ergeben, dass Patienten besonders dann gute Therapieergebnisse hatten, wenn bei ihnen Merkmale wie Schlankheitsstreben und körperliche Unzufriedenheit besonders stark ausgeprägt waren. 

Möglicherweise sei bei ihnen der Leidensdruck größer gewesen, und das habe sich positiv auf die Behandlungsergebnisse ausgewirkt, sagte Krämer.

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