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Trauma und Burnout in helfenden Berufen

Rezension des aktuell im Springer Verlag Wien erschienenen Buchs.

Mit dem Buch „Trauma und Burnout in helfenden Berufen – Erkennen, Vorbeugen, Behandeln – Methoden, Strategien und Skills“ liegt ein hilfreiches Werk zu diesem wichtigen Thema vor.

Wir hören zwar immer wieder davon, dass jemand an einem Burnout-Syndrom leidet, zuletzt outete sich ja sogar ein Politiker dazu in den Medien, dennoch wird Burnout leider von den meisten Menschen immer noch als Schwäche und berufliches Versagen angesehen.

Auch Helfer sind nicht vor Burnout geschützt

Im Bestreben, traumatisierten Menschen möglichst suffiziente Hilfe angedeihen zu lassen, überfordern sie sich häufig. Das Engagement führt rasch zum Überengagement und durch die chronische Überforderung ins Burnout. Frühwarnzeichen werden nicht wahrgenommen, schließlich kommt es zur körperlichen, seelischen und geistigen Erschöpfung sowie zum sozialen Rückzug. Hoffnungslosigkeit, mangelnde Zukunftsperspektiven, negative Lebenseinstellung und Desinteresse an anderen Menschen kennzeichnen das Vollbild des Burnouts.

Helfer, die mit existenziell bedrohlichen Situationen konfrontiert sind, sind gefährdet, an einer akuten Belastungsreaktion oder sogar einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken.

Während die akute Belastungsreaktion im Allgemeinen innerhalb von Stunden und Tagen abklingt, tritt die posttraumatische Belastungsstörung verzögert auf und zeichnet sich durch Nachhallerinnerungen und intrusive Träume aus, gleichzeitig kommt es zu emotionalem Rückzug und Vermeidung aller Situationen, die an das Trauma erinnern könnten. Vegetative Übererregtheit, Angst und Depression sind meistens mit der Diagnose korreliert, Flucht in Alkoholismus und Drogensucht häufige Folgen.

Selbst Helfern ist zumeist nicht bewusst, dass sie, auch wenn sie das Trauma nicht unmittelbar selbst erlebt haben, alleine durch die Schilderung des Grauens und der existenziellen Bedrohung ihrer PatientInnen und KlientInnen, sekundär traumatisiert werden können.

„There is a cost to caring“, wie die Autorinnen CR Figley in ihrem Vorwort zitieren – sich um andere zu kümmern, hat seinen Preis – mitunter auch den des Ausbrennens oder der sekundären Traumatisierung.

Inhalt und Schwerpunkte dieses Buches

Dieses Buch bietet einerseits ausführliche Information über theoretische und wissenschaftliche Grundlagen zum Verständnis traumatischer Störungen und des Burnouts, andrerseits hilft es, drohende eigene Belastungen zu erkennen, zu benennen und entsprechend darauf zu reagieren.

Der theoretische Teil beschreibt sowohl die Konzepte von einfacher und komplexer Traumatisierung, akuter Belastungsreaktion, Anpassungsstörung, posttraumatischer Belastungsstörung, sekundärer Traumatisierung und Traumafolgeerkrankungen als auch von Burnout-Syndrom und Stress-Syndrom.

Ausführliche Beschreibungen der einzelnen Störungsbilder und sie beeinflussender Faktoren, sowie eine Darstellung der wichtigsten Störungsmodelle finden ebenso Raum wie die Beschreibung der wichtigsten Therapieformen. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse der Hirnforschung auf molekularbiologischer Ebene versuchen, die Bedeutung von chronischem Stress auf die Gehirnentwicklung im Sinne epigenetischer Veränderungen zu erklären.

Der praxisnahe Teil befasst sich mit Antworten auf die Fragen:

  • Was kann Helfer vor dem Ausbrennen schützen?
  • Wie gelingt es, gut zu helfen, ohne selbst Schaden zu nehmen?

Bedingungen, die das Entstehen eines Burnout-Syndroms oder einer PTBS ermöglichen, fördern oder abschwächen, werden analysiert.

Wenngleich Burnout in allen Berufsgruppen vorkommt, gibt es doch einzelne Berufsgruppen, die stärker betroffen sind als andere, so zum Beispiel Menschen in sozialen Berufen (Kranken- und Altenpflege, ärztliches Berufsfeld, Psychotherapie, Seelsorge, Sozialarbeit ...), Feuerwehrleute und Polizei-Einsatzkräfte. Diese haben natürlich auch ein höheres Risiko, an einer PTBS zu erkranken.

Hier sind Prävention ebenso wie Psychohygiene und Therapie ganz wichtige Themen, denen ein großes Kapitel gewidmet ist.

Sehr gute praktische Techniken und Übungen zur Prävention und Therapie werden hier ausführlich und verständlich erklärt.

Dieses Buch informiert über die möglichen Folgen akuter oder chronischer Überforderung durch die Konfrontation mit menschlichem Leid oder bedrohlichen Situationen.

Es soll dazu motivieren, besonders auf die eigene Psychohygiene zu achten, um Anzeichen einer sekundären Traumatisierung oder eines Burnout rechtzeitig wahrzunehmen und es soll dazu ermutigen, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, um nicht zum hilflosen, ausgebrannten oder traumatisierten Helfer zu werden.

Dr. Uta Schaumann, MAS, Psychosomatische und Psychotherapeutische Medizin, Wiener Neustadt

 

Trauma und Burnout in helfenden Berufen
Erkennen, Vorbeugen, Behandeln – Methoden, Strategien und Skills

Springer Wien 2013
ISBN 978-3-7091-1243-4
Paperback, XVI, 217 S.
ISBN Onlineausgabe
978-3-7091-1244-1
29,99 Euro

Dr. Uta Schaumann, Ärzte Woche 12/2013

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