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In Österreich wird laut aktuellen Schätzungen jede fünfte Frau Opfer von physischer und/oder sexueller Gewalt durch einen Partner.
 

Trauriger Alltag

600.000 Österreicherinnen als Opfer von Gewalt.

Sechs von zehn Frauen werden laut einer WHO-Studie einmal im Leben Opfer von physischer und/oder sexueller Gewalt durch einen Partner, in Österreich ist laut aktuellen Schätzungen jede fünfte Frau davon betroffen. Was präventiv getan werden kann, welche psychosozialen Auswirkungen mit Gewalterfahrung einhergehen und welche Maßnahmen es zum Schutz braucht, diskutierten Experten im Rahmen eines Pressegesprächs in Wien.

Partnergewalt kann viele Formen annehmen und sie kann sogar tödlich sein: Die Mehrheit der Frauenmorde erfolgt im Familienkreis. In Europa wurde die Hälfte der Frauen, die zwischen 2008 und 2012 getötet wurden, Opfer eines Mordes im Familienkreis. Bei Männern waren es nur 15 Prozent. Dabei ist die Unterscheidung von personaler Gewalt, die direkt von einem handelnden Täter ausgeübt wird, und strukturelle Gewalt notwendig. Zweitere ist gesellschaftsimmanent und drückt sich in ungleichen Machtverhältnissen und Lebenschancen von Frauen und Männern aus. Personale und strukturelle Gewalt sind aber eng miteinander verschränkt. „Die wirksame Bekämpfung von Gewalt setzt daher Maßnahmen voraus, die sowohl bei Tätern ansetzen und das Opfer unterstützen, als auch die Veränderungen der gesellschaftlichen Ungleichheit zum Ziel haben“, betonte Dr. Eva Mückstein, Präsidentin des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie (ÖBVP).

Hochrisiko-Situation Trennung

„Gewalt an Frauen und ihren Kindern eskaliert oft, wenn Frauen sich vom gewalttätigen Partner zu trennen versuchen. Fast alle Morde und versuchten Morde werden in Zeiten von Trennung verübt“, so Mag. Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin des Vereins Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF). Bei den männlichen Gewalttätern liegen die Ursachen oft in Persönlichkeitsstörungen, mangelnder Kommunikationsfähigkeit, stark dominantes, manipulatives Verhalten, Eifersucht und Kontrollwahn. Alkohol spielt in vielen Fällen eine enthemmende Rolle. „Gewalttaten sind selten ein singuläres Ereignis, ihnen gehen in der Regel überdauernde Strategien, Macht auszuüben und das Opfer einzuschüchtern und zu kontrollieren voraus“, so Mückstein. Chronisch traumatisierte Frauen leiden oft unter einer komplexen Form von posttraumatischer Störung, wobei Probleme mit der Regulation von Gefühlen, Selbstbeschädigung, Selbstverletzung, chronische Empfindungen von Sinn- und Hoffnungslosigkeit, wiederkehrende Suizidgedanken oder -impulse als Leitsymptome im Vordergrund stehen.

Männerarbeit als Schlüssel in der Gewaltprävention

Bei etwa 20 Wegweisungen, die täglich in Österreich durchgeführt werden, kann eine Täterarbeit aufgrund fehlender Finanzierung so gut wie gar nicht durchgeführt werden. Nur rund 600 Männer wurden 2011 erreicht. „Die Folgen sind verheerend, weil das Angstgefühl und die reale Bedrohung für die Partnerinnen massiv weiter bestehen und es infolge von einstweiligen Verfügungen jährlich zahlreiche Morde im Familienkreis gibt“, erklärte Mag. Romeo Bisutti, Geschäftsführer und Gesundheitspsychologe im MännerGesundheitsZentrum MEN. „Wir müssen das Thema Gewalt in der Ausbildung von Medizinern stärker verankern, weil Ärzte häufig überfordert sind, Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, professionell anzusprechen“, so Rösslhumer.

Quelle: Pressekonferenz „Gewalt an Frauen - trauriger Alltag auch in Österreich, Psychosoziale Folgen, Prävention, Behandlung“. , 13. Februar 2013

M. Strausz, Ärzte Woche 9/2013

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