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Keine Besserung in Sicht

"Therapieresistenz im pharmakologischen Sinn besteht, wenn bei adäquater Diagnose einer depressiven Episode zwei Behandlungsversuche mit chemisch differenten Psychopharmaka in adäquater Dosierung und entsprechender Dauer, nämlich mindestens 6 Wochen, keine ausreichende Besserung bringen. Als ausreichende Besserung bezeichnet man eine 50-prozentige Abnahme im Depressionsscore", erklärt Prof. Dr. Gerhard Lenz, Universitätsklinik für Psychiatrie, Wien. Bei vermuteter Therapieresistenz gälte es, etwaige Komorbiditäten genau abzuklären, auch körperliche Begleiterkrankungen beziehungsweise Erkrankungen, die eine psychiatrische Erkrankung zur Folge haben können. "Zur Routine gehören auch die ausführliche Medikamentenanamnese, das Erfragen von Complianceproblemen sowie eine körperliche und eine Laboruntersuchung", betont Lenz. 
Mit der Depression vergesellschaftet findet sich häufig eine Persönlichkeitsstörung, die den Therapieerfolg deutlich vermindern kann und zusätzlich ein erhöhtes Rückfallrisiko mit sich bringt.

Welche Möglichkeiten stehen nun bei Therapieresistenz zur Verfügung?

  • Optimierung der laufenden Therapie: Dosissteigerung unter Beachtung der Nebenwirkungen, Infusionstherapie bei Resorptionsproblemen

  • Plasmaspiegelbestimmung bei Verdacht auf NonCompliance oder Verdacht auf Resorptionsprobleme und bei besonders ausgeprägten, unerwarteten Nebenwirkungen

  • Wechsel der Antidepressiva: ältere Studien belegen, dass der Wechsel von einem Trizyklischen AD auf einen SSRI in 50 Prozent der Fälle erfolgreich war

  • Umstieg innerhalb einer Substanzklasse z.B. von Fluoxetin auf Sertralin und umgekehrt bringt gute Erfolge. Umstritten allerdings ist die Gabe von zwei SSRI (erhöhte NW-Rate!)

  • Kombinationsstrategie: Mirtazapin + SSRI (hier wird die NW der sexuellen Dysfunktion durch Mirtazapin vermindert), Trizyklika + SSRI, Reboxetin + SSRI. 

  • Eine weitere Option sei die Augmentationsstrategie: Darunter versteht man die Gabe von Schilddrüsenhormon T3 oder Lithiumsalz zur antidepressiven Therapie. 

"Psychotherapie hat eine Indikation bei leichter und mittelschwerer Depression, bei schwerer Depression in Kombination mit Antidepressivum", so Lenz abschließend. 

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