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Depression: Verordnen Sie Bewegung!

Sportliche Betätigung als eine der Behandlungsmöglichkeiten gegen Depressionen wird immer wieder diskutiert. Es gibt etliche Hypothesen, warum körperliche Aktivität wirksam ist. Als wichtigste bezeichnet der britische Sportmediziner Nick Webborn vom National Sports Medicine Institute, London, folgende: 

  • Anstieg der zirkulierenden Beta-Endorphine: eine Stunde intensiven Trainings hat eine ähnlich schmerzstillende Wirkung wie 10 Milligramm Morphin
  • Anstieg der Körpertemperatur: es wird vermutet, dass eine höhere Körpertemperatur die Muskelanspannung reduziert und Einfluss auf die Hirnstromaktivität hat
  • niedrigere Katecholaminspiegel nach Ausdauertraining wirken anxiolytisch
  • erhöhte Spiegel von Monoamin-Neurotransmittern

Aber auch die psychologischen Wirkungen seien nicht zu unterschätzen, wie Webborn betont: 

  • gesteigertes Selbstwertgefühl: "ich habe etwas geschafft"
  • das Gefühl, den Anforderungen des Übungsprogramms gewachsen gewesen zu sein
  • "time-out" von der täglichen Routine
  • bei Sport in der Gruppe die Vorteile der sozialen Interaktion durch das gemeinsame Üben und Treffen anderer Menschen
  • mehr und positiveres Körpergefühl.

Physiologische und psychologische Effekte

Studien zeigten, dass depressive Menschen körperlich nicht so fit sind wie nicht-depressive Personen. Der Mangel an Fitness wird mit der körperlichen Inaktivität begründet. Allerdings: Werden bequeme und weniger "fitte" Menschen depressiv, weil sie körperlich so inaktiv sind, oder gilt das Umgekehrte: wird jemand bewegungsfaul und in der Folge weniger fit, weil sie depressiv sind?

Abgesehen von möglichen physiologischen Effekten sind die psychologischen Benefits laut Webborn am besten für Patienten mit milden bis mittelschweren Depressionen dokumentiert. Die Ergebnisse einer schwedischen Studie (Martinsen EW, Tidsskr Nor Laegeforen 2000; 120: 3054-6) legten sogar nahe, dass Bewegung als einzige Therapie bei milden bis mittelschweren unipolaren depressiven Episoden erfolgreich sei. 

Einsatzgebiete

Als Begleittherapie zur Pharmakotherapie könne körperliches Training bei Panikstörungen, generalisierter Angststörung, bei Schizophrenie und bei somatoformen Schmerzstörungen eingesetzt werden, ebenso bei substanzabhängigen Patienten. Schon ein 20- bis 40-minütiges aerobes Training verbessert deutlich die Stimmung und senkt den Angstpegel, und diese Wirkungen halten über Stunden an. (Raglin JS, Sports Med 1990; 9:323-9).Eine andere Studie legt sogar nahe, dass die psychologischen Effekte durch körperliches Training mit denen einer Psychotherapie vergleichbar sind. (Martinsen EW, BMJ 1985; 291:109) Die Art der körperlichen Aktivität spielt laut dieser Studie keine Rolle: Ausdauertraining wirke genauso wie Krafttraining.

Quellen: pulse Februar 2002; G. Samitz/G. Mesink: Körperliche Aktivität in Prävention und Therapie, Hans Marseille Verlag München 2002

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