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Neurotische Depression ade

"Als Psychiater und Analytiker möchte ich die Geschichte und das Konzept der neurotischen Depression beleuchten", leitete Prof. Dr. Elmar Etzesdorfer, Stuttgart, seinen Vortrag ein. Der Begriff der neurotischen Depression erscheint erstmalig 1930 in der Literatur. Zuvor ist es Freud, der in seiner 1917 erschienen Abhandlung "Trauer und Melancholie" die Entwicklung und Entstehung der Depression beschreibt.Etzesdorfer: "Der Begriff der Melancholie ist hier unserem heutigen Depressionsverständnis gleichzusetzen."

Im Mittelpunkt steht das ambivalent geliebt-gehasste Objekt und die Beziehung zu diesem. Erfolgt nun eine Frustration durch dieses Objekt, so wird es in weiterer Folge verinnerlicht und der Hass gegen das ursprünglich äußere Objekt gegen das eigene Ich gerichtet. Bibring veröffentlicht 1953 seine Ich-psychologische Depressionstheorie, basierend auf narzisstischer Frustration. Fenichel nahm dann im Jahr 1945 die Unterscheidung in neurotische und psychotische Depression vor, auch er wies aber schon auf die unscharfen Grenzen hin.

1971 versuchte Edith Jacobson System in diesen "Begriffswirrwarr" zu bringen. Ihre Unterteilung sieht die in eine neurotische, psychotische und Borderline Depression vor, wobei die letzterwähnte Form eine Art intermediäre Situation zwischen neurotischer und psychotischer Depression einnimmt. In beiden Klassifikationsschemata, im DSM II von 1968 sowie im ICD 9 von 1978, ist die neurotische Depression enthalten. Im DSM IV wurde der Begriff 1994 durch "dysthymic disorder" abgelöst, im ICD 10 (1992) durch die "Dysthymie". "Die neurotische Depression war ursprünglich kein psychoanalytischer Begriff, die Entwicklung in der Psychiatrie und Psychoanalyse liefen aber parallel", merkte Etzesdorfer an und meinte abschließend: "Die Definition der neurotischen Depression im ICD ebenso wie im DSM war sehr unscharf und beinhaltete zudem auch Verzerrungen von analytischen Theorien. Die Herausnahme des Begriffs stellt also keinen Verlust dar."

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