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Alle Jahre wieder: Herbstdepressionen

"Internationale Studien zeigen, dass die Depression in der allgemeinärztlichen Praxis mit über zehn Prozent zu den häufigsten Krankheitsbildern zählt, auch wenn sie leider nicht immer erkannt wird" so Prof. Dr. Christian Simhandl, Sozialpsychiatrische Abteilung, Krankenhaus Neunkirchen. Der adäquaten Behandlung der Depression kommt, neben der Verbesserung der Lebensqualität der betroffenen PatientInnen, auch volkswirtschaftlich ein hoher Stellenwert zu. So weisen PatientInnen, die an Depressionen leiden, deutlich mehr Krankenstandstage auf als PatientInnen, die an Hypertonie, Diabetes oder Arthritis leiden. Simhandl: "Einen wichtigen Teilbereich der depressiven Erkrankungen stellt die saisonal abhängige Depression, die SAD, dar. Bei dieser Erkrankung handelt es sich um eine Untergruppe der affektiven Erkrankungen, die durch wiederkehrende depressive Schwankungen mit einer eindeutigen jahreszeitlichen Abhängigkeit gekennzeichnet ist."

Verschiedene Verlaufsformen

Üblicherweise tritt das Krankheitsbild während der Herbst/Winter-Monate auf, während es im Frühling und Sommer zu einer Verbesserung (beziehungsweise gänzlichem Verschwinden) der Symptomatik kommt (Herbst/Winter Depression). Daneben kommen aber auch Verläufe mit anderen zeitlichen Mustern vor (Herbst/Frühjahr). Die saisonalen Schwankungen müssen über mindestens zwei Jahre vorhanden sein, es dürfen dabei auch im früheren Verlauf depressive Phasen aufgetreten sein, die kein jahreszeitliches Muster zeigten. Etwa 15 Prozent der rezidivierenden affektiven Erkrankungen verlaufen nach einem saisonalen Muster, daraus ergibt sich für die Bevölkerung ein Risiko von ein bis zwei Prozent, an einer saisonalen Depression zu erkranken. 

"Kontroversiell wird die Geschlechtsverteilung diskutiert. Es scheint, dass bei Frauen häufiger eine SAD mit leichten bis mittelschweren Symptomen auftritt, während Männer häufiger an SAD mit schweren Symptomen erkranken", erklärt Simhandl. Die Erstmanifestation der SAD tritt typischerweise zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf, die PatientInnen begeben sich jedoch oft erst nach Jahren der Erkrankung in Behandlung.

Simhandl: "Neben der typischen Verlaufsform der Depression kommen bei der SAD relativ häufig auch Verläufe mit so genannten atypischen Symptomen vor, wie vermehrtes Schlafbedürfnis - entscheidend ist hierbei die Veränderung gegenüber dem vorherigen Schlafmuster der PatientInnen - , chronische Müdigkeit, vermehrter Appetit, Gewichtszunahme sowie ein besonderes Verlangen nach kohlenhydratreicher Ernährung. In vielen Fällen beklagen sich die PatientInnen über leichte Erschöpfbarkeit und verminderte Leistungsfähigkeit." Die häufig auftretende Komorbidität mit Angsterkrankungen oder ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörungen erschweren manchmal die Diagnose.

Lichttherapie

Die Effektivität der Lichttherapie hat sich bei der Herbst/Winter Depression in zahlreichen Untersuchungen bestätigt. Zur Lichttherapie werden in Österreich üblicherweise so genannte "Light-boxes" verwendet. Die Lichtintensität des Gerätes sollte mindestens 2.500 Lux betragen, neuere Geräte weisen aber mit 10.000 Lux eine deutlich stärkere Lichtintensität auf. Die Behandlungsdauer sollte zwischen 2,5 Stunden pro Tag bei einer Lampe mit 2.500 Lux und einer halben Stunde pro Tag mit 10.000 Lux liegen. Erste Erfolge sollten drei bis sieben Tage nach Therapiebeginn auftreten. Bei schwerer depressiver Symptomatik oder wenn mit Lichttherapie kein ausreichender antidepressiver Effekt erzielt werden kann, sollte eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva erwogen werden. Bewährt haben sich vor allem selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI).

Therapie mit Antidepressiva 

Das neue Antidepressivum Cipralex® (Escitalopram), das Nachfolgepräparat von Seropram® (Citalopram), ist der selektivste SSRI, der gegenwärtig erhältlich ist. Es handelt sich chemisch gesehen um das reine Enantiomer von Citalopram. Gegenüber Seropram kommt es zu einer rascheren Symptomreduktion. Signifikant mehr Patienten als unter Citalopram reagieren positiv auf die Einnahme von Escitalopram und mehr Patienten werden symptomfrei. Escitalopram ist dabei genauso gut verträ

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