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Die eine und die vielen Depressionen

Das 11. State-of-the-Art-Symposion, veranstaltet von Prof. Dr. Heinz Katschnig, Vorstand der Klinischen Abteilung für Sozialpsychiatrie und Evaluationsforschung, Universitätsklinik für Psychiatrie, AKH Wien, umspannte den weiten Bogen der Depressionsklassifikation, Diagnose und Therapie.  "Die traditionelle kategoriale Unterscheidung in einen biologischen, endogenen und einen psychosozialen, neurotischen Typ ließ sich aufgrund der Forschungsergebnisse in dieser einfachen Form nicht mehr aufrechterhalten", erklärt Katschnig. Und weiter: "Solange die ätiopathogenetischen Mechanismen nicht aufgeklärt sind, ist die Einteilung psychischer Krankheiten identisch mit der phänomenologischen Ordnung psychopathologischer Erscheinungen. Die phänomenologische Ordnung aber ist die Vorraussetzung für die Identifikation möglicher kausaler Faktoren."

Grundsätzlich gälte es, zuerst das Wort "Depression" in seinem mannigfachen Verwendungspotenzial dar- und klarzulegen. Verwendung findet es in der Bezeichnung des psychopathologischen SYMPTOMS der depressiven Verstimmtheit, ebenso zur Kennzeichnung eines depressiven SYNDROMS und schließlich auch zur Bezeichnung einer KRANKHEITSEINHEIT. Es stellt sich also die Frage nach der Zahl unterscheidbarer Depressionstypen - im Gegensatz zur "monistischen?Auffassung, die keine Unterteilung kennt.  Die klassische Zweiteilung der Depression in eine "biologisch" erklärbare und "psychosozial" verstehbare Form geht übrigens auf Kraepelin zurück.

"Anders ist die Handhabung im angelsächsischen Raum: Die hier gebräuchliche Dichotomie spiegelt sich in primär/sekundär wider", weiß Katschnig. Mit diesem Unterscheidungsversuch sollen Depressionszustände, die im Rahmen anderer psychischer Krankheiten auftreten, von der "reinen" Depression unterschieden werden. Der auf die vorwiegend deutsche Psychiatrie zurückgehende "dichotomen" Auffassung der Depression wird das britische Depressionsverständnis gegenübergestellt. Zu allen Theorien gibt es namhafte Vertreter, weiters Verfechter einer monistisch-kämpferischen Position, die ausschließlich die biologische Ätiologie der Depression sehen, und dann diejenigen, die meinen, alle Depressionsformen seien letztendlich psychosozialer Genese.

Die derzeit international in Verwendung befindliche Klassifikation ist ICD (International Classification of Disease) in der 1992 erschienen 10. Revisionsform. Die DSM IV aus dem Jahr 1994 (Diagnostic and Statistic Manual) ist von der amerikanischen Psychiatervereinigung der ICD gegenübergestellt. In beiden Klassifikationssystemen ist im Wesentlichen nur noch eine einzige Depressionsform enthalten, die lediglich nach dem Schweregrad eingeteilt wird.

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