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Antenatale Depressionen häufig

Bristol. Depressionen während der Schwangerschaft sind häufiger als nach der Geburt. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der University of Bristol (www.bristol.ac.uk) mit mehr als 9.000 Teilnehmerinnen. Die Depressionen erreichten kurz vor der Geburt in der 32. Schwangerschaftswoche den Höchstwert. Der leitende Wissenschaftler Dr. Jonathan Evans erklärte, dass antenatale Depressionen mindestens so ernst zu nehmen seien wie postnatale (British Medical Journal, 323, 2001, 257-260; www.bmj.com).

Stimmungen mittels Fragebögen ermittelt

Für die Studie wurden Frauen aus dem Avon-Gebiet untersucht. Mit einem standardisierten Test wurden die Frauen in der 18. und 32. Schwangerschaftswoche sowie acht Wochen nach der Geburt untersucht und mittels Fragebögen Symptome einer Depression festgehalten. Für die Bewertung der Antworten wurden klinisch anerkannte Maßstäbe herangezogen. Es zeigte sich, dass während der Schwangerschaft die Raten der Depressionen höher waren als nach der Geburt mit den höchsten Werten in der 32. Schwangerschaftswoche.

Auch bei Schwangeren Therapie erwägen

Die Autoren der Studie betonen, dass die Einschätzungen der Teilnehmerinnen nicht unbedingt mit einer klinischen Diagnose übereinstimmen müssen. Trotzdem sei antenatalen Depressionen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und weitere Forschungen notwendig. Evans erklärte, die aktuellen Forschungsergebnisse legten nahe, dass Schwere und Art der Depression vor und nach der Geburt gleich sind. Ob Depressionen der Schwangeren negative Konsequenzen für die Kinder haben, sei nicht bekannt. Die Wissenschaftler empfehlen jedoch, für die Frauen eine Therapie zu erwägen. Denn es spricht, zumindest bei schweren Depressionen Schwangerer, mehr für als gegen eine antidepressive Pharmakotherapie. Sonst sei das Risiko einer Chronifizierung der Erkrankung groß. In einer Analyse von Studien mit Frauen, die Antidepressiva in der Schwangerschaft eingenommen hatten, zeigte sich, dass es weder bei trizyklischen Antidepressiva noch bei Serotoninwiederaufnahme-Hemmern ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko gibt. Auch schwere Fehlbildungen treten nicht gehäuft auf.

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