zur Navigation zum Inhalt
 
Psychiatrie und Psychotherapie 30. Dezember 2012

Alterspsychiatrie "jung" in Österreich

Die neu gegründete Österreichische Gesellschaft für Alterspsychiatrie und Alterspsychotherapie will auf dem Gebiet der psychiatrischen Krankheiten von älteren Patienten Aufklärungsarbeit leisten.


Etwa jeder vierte Österreicher leidet im Laufe seines Lebens an einer psychiatrischen Erkrankung. Im Jahr 2009 nahmen 900.000 Menschen wegen solcher Störungen Leistungen der Krankenversicherung in Anspruch. Bei oft vorliegenden chronischen Leiden verschiebt sich das Altersspektrum zunehmend in Richtung Senioren. Die vor kurzem gegründete "Österreichische Gesellschaft für Alterspsychiatrie und Alterspsychotherapie" (ÖGAPP) will auf diesem Gebiet Aufklärungs- und Fortbildungsarbeit leisten.



"Wir haben es mit mehreren Patientengruppen zu tun. Das sind erstens jene Patienten, die als psychisch Kranke alt geworden sind. Sie leben durch die verbesserten Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten länger. Dann sind - relativ ,neu' dazugekommen - die vielen Demenenzpatienten, auch alte Menschen mit Depressionen. Und schließlich gibt es auch zunehmend Suchterkrankungen im Alter", sagte Alterspsychiater Christian Jagsch, Präsident der ÖGAPP mit derzeit etwas mehr als 50 Mitgliedern, die seit vergangenem April ihre Arbeit aufgenommen hat, im Gespräch mit der APA.

Gerontopsychiatrie erst im Aufbau

Während es in Deutschland und in der Schweiz schon dementsprechende Fachgesellschaften gibt, ist das Gebiet der Gerontopsychiatrie in Österreich bisher eher fragmentarisch vertreten. Das gilt auch für die Versorgungsstrukturen. Jagsch, Vorstand der Abteilung für Alterspsychiatrie und Alterspsychotherapie an der Landesnervenklinik Sigmund Freud in Graz: "Wir haben hier in Graz eine Abteilung mit 109 Betten. Aber im Grunde sollte die Betreuung der Patienten möglichst im niedergelassenen Bereich und ambulant erfolgen. Hier existiert beispielsweise in Graz eine ambulante Betreuung für zu Hause, das SOPHA Modell (Sozialpsychiatrische Hilfe im Alter), sowohl in Wien wie in Graz gibt es ein GPZ (Gerontopsychiatrisches Zentrum).

Tagung

Doch gerade weil sich die medizinische und psychotherapeutische Versorgung alter Menschen vor allem außerhalb der Spitäler abspielt, sind Aus- und Fortbildung der beteiligten "Professionellen" besonders wichtig. Jagsch: "Anfang Februar 2013 (2. Februar) veranstalten wir in Graz am Flughafen unsere jährliche alterspsychiatrische Tagung. Am Vormittag sind die ,Professionisten' dran, am Nachmittag die Angehörigen.

Auf beide Gruppen wartet täglich im Grunde eine enorme Aufgabe, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten nur noch wachsen kann: In Österreich leben derzeit allein rund 120.000 Demenzpatienten. Die Hauptlast der Pflege lastet auf rund 200.000 nahen Angehörigen. Im Bereich der Medizin sind es zumeist die niedergelassenen Kassen-Allgemeinmediziner, welche die Versorgung gewährleisten. Seit Jahren wird an sich schon ein Mangel an im Kassenbereich niedergelassenen Psychiatern beklagt.

Ähnlich verhält es sich bei der Psychotherapie. "Zwei bis drei Prozent der Personen, die für eine Erstattung der Therapie bei den Krankenkassen einreichen, sind über 65 Jahre alt. Für Psychotherapeuten ist das oft ein neues Gebiet", sagte Jagsch. Bei der Gruppe der Betagten steht nicht mehr so sehr die seelische Entwicklung für die Zukunft, vielmehr oft die Bewältigung von schwierigen Lebensverhältnissen, akuten Traumen und Verlusterlebnissen sowie die Aufarbeitung alter Verletzungen und Belastungen im Vordergrund." Jedenfalls, so Jagsch, auch die Psychotherapie sollte in ausreichendem Maß im Alter angeboten werden.

http://www.alterspsychiatrie.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben