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© Marcin Sadlowski/fotolia.com
Mehr als ein Drittel aller Selbstmorde findet zu Hause statt.
 

Was der Suizidort über das Motiv verrät

Aufmerksamkeit ist gefragt.

Suizidale Handlungen finden an ganz unterschiedlichen Orten statt – öffentlich oder unsichtbar. Die Auswertung von Suiziden und den individuellen Daten der Suizidopfer kann Hinweise auf mögliche Intentionen und damit auch auf Präventionsansätze geben.

Nach einer Untersuchung von Innsbrucker Psychiatern wählen Männer und ältere Menschen Suizidorte mit dem sichersten Tod. Das zeigt eine Auswertung von Daten von 1.739 Suiziden in Tirol im Rahmen des Tiroler Suizid-Monitoringprogramms aus den Jahren 1995 bis 2009. Das Programm sammelt Informationen zu persönlichen Daten der Suizidopfer, Zeit und Ort des Suizids, der Suizidmethode, den möglichen Motiven und vorhergegangenen Kontakten mit dem Gesundheitssystem dokumentiert. Die jährliche Suizidrate über den gesamten erfassten Zeitraum hinweg lag bei 17,1, wobei die Rate im Beobachtungszeitraum von 21,9 im ersten Untersuchungsjahr auf zuletzt 16,7 pro Jahr abnahm. Die häufigsten Suizidmethoden waren Erhängen (42,3 Prozent), Sturz in die Tiefe (13,8 Prozent) und Erschießen (12,5 Prozent).

Jeder 5. Suizid öffentlich

Die Autoren der Studie kategorisierten die Suizidorte nach der Nähe zum Wohnsitz der Opfer, der Art der Umgebung (eigener Wohnort, Natur, öffentliche Plätze oder Gebäude, Verkehrswege) und der Sichtbarkeit (öffentlich sichtbar, schwer sichtbar, nicht sichtbar). Mit über 70 Prozent der Suizide fanden die meisten Selbsttötungen nahe des Wohnorts der Opfer statt. Bei in etwa 38 Prozent der Fälle war der Suizidort das eigene Zuhause, bei 13 Prozent Verkehrswege, bei 12 Prozent in der Natur und bei circa 7 Prozent öffentliche Plätze und Gebäude. Mehr als 20 Prozent der Suizide fanden öffentlich sichtbar statt, 18 Prozent schwer einsehbar, 30 Prozent nicht sichtbar. Allerdings fehlten für 30 Prozent Angaben zur möglichen Sichtbarkeit des Suizids.

Aufmerksamkeit gefragt

Dabei fand sich eine signifikante Assoziation von zunehmendem Alter und der Nähe zum Wohnort sowie zum Suizid zu Hause. Bei den unter 20-Jährigen waren dagegen Verkehrswege der häufigste Ort der Selbsttötung. Männer suizidierten sich häufiger an Orten, die nicht sichtbar waren als Frauen, Ältere eher als Jüngere.

Die Autoren interpretieren die Wahl des Suizidortes als Ausdruck der Stärke des Suizidwunsches, der demnach bei Männern und älteren Menschen besonders ausgeprägt war. Der doch relativ hohe Anteil an Suiziden in der Öffentlichkeit mit einem potenziell intendierten Hilfeappell mahnt zu mehr Wachsamkeit und Aufklärungskampagnen in der Öffentlichkeit, um gegebenenfalls mehr solcher Suizide verhindern zu können.

Quelle: Kongress der Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, 23. November 2012, Berlin

springermedizin.de, Ärzte Woche 50/52/2012

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