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Psychiatrie und Psychotherapie 26. November 2012

Schlafstörungen bei psychiatrischen Erkrankungen

Konsensus-Statement bietet praxisnahe Informationen zur Diagnostik und Therapie.

Eine schlechte Schlafqualität, Ein- oder Durchschlafstörungen und andere Probleme im Zusammenhang mit einem gesunden Nachtschlaf stellen ein häufiges Problem im Zusammenhang mit psychiatrischen Erkrankungen dar. Experten haben nun ein Konsensus-Statement zu diesem Thema zusammengestellt.

Ein guter Schlaf ist wesentlicher Bestandteil unseres Wohlbefindens und unserer Leistungsfähigkeit“, betont Prof. DDr. Siegfried Kasper, Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am AKH Wien. „Häufig stellen Schlafstörungen aber auch das erste Symptom einer psychischen Erkrankung dar und bei nahezu allen psychischen Erkrankungen wird dieses Symptom in unterschiedlicher Ausprägung beobachtet.

Insomnien sind sehr häufig

Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung in Österreich leiden unter einem oder mehreren Symptomen von Schlafstörungen, wobei die Prävalenz für Insomnien mit steigendem Lebensalter zunimmt. Etwa 50 Prozent der Betroffenen weisen zudem eine psychische Erkrankung, wie etwa Schizophrenie oder Depression auf.

Patienten mit Schlafstörungen suchen im Allgemeinen zuerst ihren Hausarzt auf. Aber vor allem – im Zusammenhang mit psychiatrischen Erkrankungen – Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie beschäftigen sich mit dem Thema. Nicht zuletzt ist auch der Internist häufig mit Schlafstörungen konfrontiert.

Insomnien umfassen ein breites Spektrum an Störungsbildern, die Ursachen variieren stark. „Um das komplexe Thema Schlafstörungen regelrecht zu diagnostizieren und zu therapieren, sind genaue Kenntnisse der Methodik und der damit verbundenen Problemstellungen notwendig“, hält Prof. Dr. Peter Hofmann, stellvertretender Vorstand der Universitätsklinik für Psychiatrie an der Medizinischen Universität Graz fest.

Die Diagnostik von Insomnien ist umfassend und beinhaltet nicht- apparative, apparative und Leistungsdiagnostik.

Therapie von Schlafstörungen

Vor Beginn jeglicher Therapie einer Insomnie steht die Psychoedukation mit genauer Aufklärung über Schlaf, Schlafmuster und Schlafmythen sowie der Erklärung der Bestandteile einer guten Schlafhygiene. Erst wenn diese Maßnahmen wirkungslos bleiben, sollten weitere therapeutische Schritte gesetzt werden.

In der medikamentösen Therapie der Insomnie steht nach wie vor der Einsatz von Benzodiazepinen und Omega-I-Benzodiazepinrezeptoragonisten (Z-Substanzen) an erster Stelle in der Kurz- als auch in der Langzeitbehandlung. Das Nebenwirkungs- und Wechselwirkungsprofil muss gerade bei Benzodiazepinen jedoch besonders beachtet werden. Auch Schlaf anstoßende Antidepressiva erweisen sich, vor allem bei Vorliegen psychiatrischer Komorbiditäten, als sinnvoll und wirksam. Antipsychotika der zweiten Generation haben bei bestimmten Formen der Insomnie ebenfalls eine protherapeutische Wirkung.

Psychotherapeutische und hier vor allem verhaltenstherapeutische Ansätze haben sich in der Therapie bestimmter Formen der Insomnie bewährt.

Praxisnahe Informationen

Das Konsensus-Statement erläutert in elf Kapiteln die verschiedenen Störungsbilder von Insomnien, zeigt unterschiedliche diagnostische Verfahren auf und stellt mögliche therapeutische Interventionen dar. Speziell eingegangen wird auch auf die Behandlungsmöglichkeiten älterer Patient mit Schlafstörungen sowie auf Besonderheiten in der Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Ein Kapitel ist zudem dem Thema „Kosten und Konsequenzen von Insomnien“ gewidmet. Unter www.medizin-akademie.at/dynasite.cfm?dsmid=63820 können Sie das Konsensus-Statement abrufen.

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