zur Navigation zum Inhalt
Foto: Privat
Prof. Dr. Michaela Amering Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien
Foto: Privat

Dr. Ingrid Sibitz Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien

 

Doppelstrategie gegen das Stigma psychischer Krankheit

Zentrale Ansätze sind die Bekämpfung der Diskriminierung in der Gesellschaft sowie der Aufbau von individueller Resistenz seitens der Betroffenen.

Stigma ist das Ergebnis eines Prozesses, durch den bestimmte Personen oder Gruppen ungerechtfertigt Schande vorgeworfen wird und durch den sie ausgeschlossen beziehungsweise diskriminiert werden. Personen mit psychischen Erkrankungen – wie auch ihre Angehörigen und andere Menschen, die sich um sie kümmern – sind in besonderem Ausmaß vom Stigma betroffen.

 

Die mit dem Stigma verbundenen Probleme lassen sich in drei Bereiche einordnen: ungenügendes Wissen über psychische Erkrankungen, negative Einstellungen zur Erkrankung und letztendlich das Meiden von Personen mit psychischen Problemen. Aus Befragungen der Allgemeinbevölkerung ist bekannt, dass nur gut zwei Drittel bei psychischen Problemen empfehlen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Psychotherapie wird meist als Therapie der ersten Wahl gesehen (von über der Hälfte der Befragten), während Medikamente selbst zur Behandlung der Schizophrenie selten (15 Prozent der Befragten) und gleich häufig wie Naturheilverfahren als Therapie der ersten Wahl gelten.

Negative Vorurteile

Personen mit einer psychischen Erkrankung gelten allgemein oft als faul, willensschwach, nicht vertrauenswürdig, inkompetent, unfähig zu rationalen Entscheidungen, unzuverlässig, uneinsichtig, unberechenbar, aggressiv, gefährlich und unheilbar. Vielfach wird ihnen auch vorgeworfen, selbst an der Erkrankung schuld zu sein. Zudem meint ein großer Teil der Bevölkerung, dass sie es ablehnen würden, mit einer Person mit psychischen Problemen zusammen zu wohnen oder zusammen zu arbeiten bzw. sie als PartnerIn oder BabysitterIn zu akzeptieren. In experimentellen Untersuchungen hatten Personen, die ein seelisches Problem angaben, größere Schwierigkeiten, eine Arbeit zu finden, eine Wohnung zu mieten oder in der Nachbarschaft akzeptiert zu werden. In einer jüngst in 27 Ländern durchgeführten Studie nannte fast die Hälfte der befragten Personen mit Schizophrenie Diskriminierungserfahrungen in freundschaftlichen und familiären Beziehungen sowie im Arbeitsbereich. Etwa zwei Drittel gaben an, sich vor Diskriminierung zu fürchten.

Eine weitere Dimension ist die strukturelle Diskriminierung. So bestehen Mängel an außerstationären psychiatrischen Diensten, schlechte räumliche Ausstattung von psychiatrischen Einrichtungen, ungleiche Ressourcenaufteilung im Gesundheitsbereich und diskriminierende Gesetzgebung, wie etwa im Versicherungswesen oder im Kirchenrecht.

Ansätze gegen Diskriminierung

Trotz vielfacher Initiativen und Aktivitäten zur Reduktion von Stigma bestehen diskriminierende Vorurteile sowohl in der Allgemeinbevölkerung als auch unter Ärzten, anderen professionellen Helfern und selbst unter Betroffenen weiter fort. Während reine Aufklärungskampagnen wenig erfolgreich waren, konnte etwa durch Schulprojekte, in denen Information zu psychischen Krisen durch Betroffene selbst stattfand, die soziale Distanz gegenüber Personen mit psychischen Problemen verringert werden. Zukünftige Aktivitäten sollten sich neben Interventionen zur Veränderung der Einstellung der Allgemeinbevölkerung vor allem der Verbesserung der medizinischen Betreuung unter Einbezug der Angehörigen und der Förderung eines respektvollen Umgangs mit psychisch Kranken widmen. Die Entwicklung und Erforschung effektiver Interventionen zur Stigmareduktion sowie die Erarbeitung von Strategien, die dem zugrunde liegenden Pessimismus bezüglich der Veränderbarkeit von Stigma und Diskriminierung entgegenwirken, stellen weitere Aufgaben dar.

Neben dem Kampf gegen Stigma in der Gesellschaft ist jüngst das internalisierte Stigma, d.h. das subjektive Erleben von Stigma und seine psychologischen Folgen, ins Zentrum der Forschungsinteressen gerückt. Wenn Personen mit einer psychischen Erkrankung bestehende gesellschaftliche Vorurteile und stigmatisierende Einstellungen in ihr Selbstbild integrieren, so spricht man von internalisiertem Stigma. Dieses führt zu Selbstabwertung, Schande, Verheimlichung und sozialem Rückzug. Dies macht es noch schwerer, die bereits bestehenden Hürden in den Bereichen Partnerschaft, Wohnen und Arbeit zu überwinden, und behindert deutlich den Genesungsprozess. Eine eigene wie auch andere Studien zeigen, dass ein Drittel der psychisch Erkrankten ein hohes Ausmaß an internalisiertem Stigma aufweist und dies mit Depression, Angst sowie einem geringen Ausmaß an Hoffnung, Selbstwert, Empowerment und Lebensqualität einhergeht.

Stigmaresistenz fördern

Die Bekämpfung der Diskriminierung in der Gesellschaft scheint gleichermaßen wichtig zu sein wie der Aufbau von individueller Resistenz. Wie der Kampf gegen Homosexuellenfeindlichkeit und Rassismus von Personen profitierte, die gegen Stigma resistent waren und für ihre Rechte eintraten, so könnte im Kampf gegen Stigma und Diskriminierung aufgrund einer psychischen Erkrankung die individuelle Fähigkeit, sich dem Stigma entgegenzustellen, d.h. die Stigmaresistenz, eine ausschlaggebende Rolle spielen. Dies ist ein sehr neues Forschungsgebiet. Zur Erfassung der Stigmaresistenz gibt es bislang nur ein Erhebungsinstrument, und zwar die fünf Punkte umfassende Stigmaresistenz-Subskala des Fragebogens von Ritsher et al zur Erfassung des internalisierten Stigmas ISMI (Internalized Stigma of Mental Illness) (siehe Kasten).

Gezielte Interventionen

In unserer Studie zur Stigmaresistenz bei Personen mit Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis stellte sich die Stigmaresistenz klar als ein eigenes Konstrukt dar und nicht bloß als die Kehrseite des internalisierten Stigmas. Zwei Drittel der Befragten gaben ein hohes Ausmaß an Stigmaresistenz an. Diese korrelierte positiv mit Selbstwert, Empowerment und Lebensqualität und negativ mit Depression. Personen mit gutem sozialem Netzwerk und einer ausreichenden Anzahl an FreundInnen, ledige oder verheiratete Personen und Personen in ambulanter Behandlung im Vergleich zu tagesklinischer oder stationärer Behandlung wiesen eine höhere Stigmaresistenz auf. Die Ergebnisse zeigen, dass Personen trotz psychischer Erkrankung und teilweise trotz internalisiertem Stigma selbstbestimmt und erfüllt leben können. Diese Stigmaresistenz umfasst Aspekte wie Selbstwert, Empowerment und Lebensqualität, jedoch mit klarer Bezugnahme zu psychischer Erkrankung und damit zur Erfahrung einer stigmatisierenden Bedingung. Stigmaresistenz kann somit als ein Aspekt des breiteren Konstruktes der Resilienz, als individuelle Widerstandskraft gegenüber Stress und Widrigkeiten gesehen werden. Vorurteile und das Bedürfnis, sich abzugrenzen, sind verbreitet und werden auch in Zukunft bestehen. Daher sollten gezielte therapeutische Interventionen sowohl auf den Aufbau von Stigmaresistenz und Resilienz fokussieren, als auch die Reduktion stigmatisierender Einstellungen ins Zentrum der Bemühungen rücken.

Kasten:
Items der Stigmaresistenz-Subskala
• Menschen mit psychischer Erkrankung leisten einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft.
• Ich fühle mich wohl dabei, in der Öffentlichkeit mit einer offensichtlich psychisch kranken Person gesehen zu werden.
• Das Leben mit meiner psychischen Erkrankung hat mich zu einem/r zähen ÜberlebenskünstlerIn gemacht.
• Im Allgemeinen bin ich fähig, das Leben so zu leben, wie ich will.
• Ich kann trotz meiner psychischen Erkrankung ein gutes, erfülltes Leben haben.
(Ritsher et al, 2003)

Von Dr. Ingrid Sibitz und Prof. Dr. Michaela Amering, Ärzte Woche 23 /2009

  • Herr Doctor Nabil Deeb, 02.09.2010 um 00:07:

    „Die Schizophrenie , Rassenlehren , Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik in den Welt-Finanzkrisen !!!



    Schizophrenia, race theories, natural law and the diaspora population genetics in the world financial crisis. !


    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Registered Doctors'Association
    53140 Bonn / GERMANY



    Die Schizophrenie , Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik und molekularer Genetik in unserer Wissensgesellschaft in den Welt-Finanzkrisen :-

    I.

    Die Psychiatrie- der sog. "zivilisierten" Welt mit Vorreiter Schweiz Sterilisierungen und Euthanasie in Zürich :-

    Die Erfindung der Krankheit "Schizophrenie" in Zürich :-
    Wer ein auffälliges Verhalten innerhalb der Gesellschaft zeigt, das mir nicht passt, hat eine "Krankheit" im Geist. So ähnlich definierten die Ärzte der neuen "psychologischen" Studienrichtungen in Zürich Ende des 19.Jh. die "geistig Abnormen". Eugen Bleuler, 1898-1926 Direktor am Burghölzli, Universitätsprofessor der Eugenik in Zürich, definierte dafür im Jahr 1911 das Wort "Schizophrenie" (Huonker, S.101).

    [Die Frage, welche Faktoren von aussen zu einem "schizophrenen" Verhalten führen, darf nicht gestellt werden...].

    Die Entstehung der Praxis der Sterilisierung und Tötung von Psychiatriepatienten mit Zentrum Zürich ab 1870 (Euthanasie) :

    Der normale religiöse Rassismus und die Verfolgungsmethoden gegen die Täufer als Vorbild zur Verfolgung der "geistig Abnormen"

    Legale Vererbungslehre und Sterilisierungen bis in die 1970-er Jahre.

    Die Rassenhygiene von Nietzsche mit Prostitution - der Darwinismus definiert "wilde Rassen".
    Die Sterilisation im Namen von Forels Behauptung, "Geisteskrankheiten" seien erblich.

    Weitere "Familienforschungen" zwecks der Vererbungslehre bzw. "Eugenik" wurden betrieben von :

    -- R.L. Dugdal: "The Jukes". New York 1877 (Huonker, S.179).
    -- H. Lundborg: Medizinische Familiengeschichten. Jena 1913 (Huonker, S.185)
    -- Henry Herbert Goddard: Die Familie Kallikak. Beiträge zur Kinderforschung und Heilerziehung. Langensalza o.J. (1914) (Huonker, S.181).

    1908: Hans Wolfgang Meier definiert die "moralische Idiotie" und befürwortet die Euthanasie.

    1908 präsentierte der schweizer Psychiater Hans Wolfgang Maier in seiner Dissertation den Begriff "moralische Idiotie" und wollte damit die Diagnose "moral insanity" von Prichard ablösen, konnte sich aber nicht durchsetzen (Huonker, S.104). Maier postulierte das Ziel, die "hereditären Faktoren" auszumerzen:

    "Hereditäre [erbliche] Faktoren, nämlich die direkte Fortpflanzung der moralischen Idioten und der Alkoholismus, sind mit allen Mitteln zu bekämpfen." (Huonker, S.104; Maier, Hans W.: Moralische Idiotie 1908, S.81)

    Hans Wolfgang Maier behauptete, die Ermordung "Geisteskranker" sei zum Vorteil für alle Seiten. Zumindest aber die Sterilisierung sei ein absolutes Muss, weil Schwachsinn erblich sei:

    "Die Tötung wäre auch heute ( = 1908 ) noch das vernünftigste und für alle Teile schonendste, wenn nicht der hier durchaus unangebrachte Begriff der Strafe stets damit verbunden wäre und Gründe der allgemeinen Moral gebieterisch dagegen sprächen. [...] Die direkte Heridität [Erblichkeit] ist entschieden eine Hauptursache des krankhaften Zustandes. [...] Es ist also sehr wichtig, diese Kranken an der Fortpflanzung zu verhindern. Da unter unseren heutigen Verhältnissen sowohl Gefängnis wie Anstalt hierfür keine absolute Garantie bilden, hätte die Gesellschaft nicht nur das Recht, sondern meines Erachtens auch die Pflicht, hier möglichst bald die zwangsweise Sterilisierung zu dekretieren." (Huonker, S.105; Maier, Hans W.: Moralische Idiotie 1908, S.79-80) .

    Eugen Bleuler, 1898-1926 Direktor am Burghölzli, Universitätsprofessor der Eugenik in Zürich, definierte 1911 zum ersten Mal die "Schizophrenie" als Ersatzbegriff für Kraepelins Ausdruck "dementia praecox" (Huonker, S.101). Bleuler forderte, Schizophrene dürften nicht heiraten und sollten sterilisiert werden (Huonker, S.102).

    1914-1918 während des ersten Weltkriegs liess das deutsche Kaiserreich tausende von Psychiatriepatienten systematisch verhungern (Huonker, S.67). Zur selben Zeit war der Vater des Leiters der "Pro Juventute", Ulrich Wille, General der schweizer Armee (Bonjour, Edgar: Geschichte der schweizerischen Neutralität Bd. VII 1970-1975, S.54-55).

    Ab 1919 begann in Zürich eine rigide Eheverbotspolitik (Huonker, S.115), mit Diagnosen wie "Eheunfähigkeit": "Schizophrenie", "Jugendverblödung", "moralischer Schwachsinn", "Haltlosigkeit", "Idiotie", "Imbezillität" (Huonker, S.114), Gefahr "idiotischer" Kinder, Gefahr "verkrüppelter" Kinder, Gefahr "sonst hochgradig minderwertiger Kinder" (Huonker, S.125), "psychisch abnorm", "schlechte Erbmasse", oder "hereditäre [erbliche] Idiotin" (Huonker, S.128). Gleichzeitig entspann sich ein Gutachtenkrieg um die "Ehefähigkeit". Entscheidend war die Diagnose. Ziel war die Sicherung "gesunden" Nachwuchses und die Ausschaltung "kranken" Nachwuchses. Wünsche der Frauen blieben meist unberücksichtigt (Huonker, S.112,128). Bei Befund eines Kriteriums kam es immer zur Sterilisierung oder zum Eheverbot (Huonker, S.114). Im Kanton Zürich, v.a. im Burghölzli, definierten die "Ärzte", wer "geisteskrank" sei und verfügten so die "Eheunfähigkeit" ganz nach ihrem Geschmack. Schon der Verdacht auf "Geisteskrankheit" reichte für Eheverbotsverfahren aus. In seltenen Fällen wurde ein "Mittelweg" beschritten, ein Kind zugelassen, die Sterilisierung vorgenommen und die Ehe bewilligt (Huonker, S.113-115). In Zürich mussten die Betroffenen, die nicht heiraten durften, auch noch die Kosten für das Eheverbotsverfahren bezahlen (Huonker, S.113).

    [Die eugenisch-rassistischen "Psychiater" empfanden sich währenddessen nie als "krank"...]

    Sterilisationen wurden z.T. auch durch "privat praktizierende Mediziner" ohne jede gesetzliche Grundlage vollzogen, z.T. auch in der Zürcher Pflegerinnenschule (Huonker, S.127,128 .
    Auch die Epilepsieklinik in Zürich bekam eine Kinderpsychiatrie. Diagnose war u.a.: Hebephrenie, eine Form der "Jugendverblödung" (Huonker, S.38,114).

    "Therapeutische Kastrationen": Die Schweiz wird weltweit "führend" - Sterilisationspflicht bei Taubheit 1920 gründeten die eugenisch-rassistischen Freundeskreise von Zürich die Klaus-Stiftung. Der Anthropologieprofessor der Universität Zürich, Otto Schlaginhaufen, definierte deren Ziel mit "praktischer Rassenhygiene". Finanziert wurden Reisen, "Forschung" und Publikationen sowie eugenische "Eheberatungsstellen" (Huonker, S.87-88). Das Repertoire der Beschreibung der auszurottenden "Untermenschen" im Zuge des Psychiatrie-Holocaust noch vor der Hitler-Machtübernahme in Deutschland war inzwischen sehr reichhaltig und wurde nicht nur von den namhaften deutschen "Psychiatern" Binding und Hoche verwendet: "Ballastexistenzen"; "Vernichtung lebensunwerten Lebens" (Huonker, S.67), "eugenische Indikation" (Huonker, S.75), "Bevölkerungsentartung" (Huonker, S.76), "Idiovarianten", "Isolaten", "Entartungsherde", "unerwünschte Nachkommenschaft" (Huonker, S.110), "erblich belastete Kinder" (Huonker, S.112), "ererbte üble Eigenschaften" (Huonker, S.158), "sozial brauchbarer Mensch", "querulatorischer Charakter" (Huonker, S.160), "konstitutioneller Psychopath" (Huonker, S.161). Die Sterilisierungs- und Eugenikerszene war in Zürich z.T. Stadtrat und "Arzt" in einem wie z.B. der Gynäkologe Hermann Häberlin, der 1920-1932 gleichzeitig Stadtrat war (Huonker, S.109). Die Schweiz wurde so auch 1920-1933 weltweit führend für "therapeutische Kastrationen" (Huonker, S.153) mit "experimentellen Kastrationen" und Hoden- bzw. Eierstocktransplantationen in Frauen- bzw. Männerkörper, um weibliche bzw. männliche Energien in die jeweils anderen Körper auszutauschen (Huonker, S.155).

    1920-1934 waren an der Frauenklinik Zürich von 1957 Abtreibungen deren 1395 mit einer Sterilisierung verbunden (Huonker, S.127). Sterilisationspflicht galt ab den 1920-er Jahren auch für Gehörlose, weil die rassistische Eugenik-"Wissenschaft" die Züchtung einer "taubstummen Menschenart" befürchtete. In Finnland galt für Taube ein Eheverbot (Huonker, S.83).

    Deutschland sterilisierte nun ebenso, sogar ohne Justiz. Dort reichte ab 1921 der Antrag der Vormundschaft und des Bürgermeisteramts für eine Sterilisierung aus (Huonker, S.68). 1922 bestätigte das Lausanner Bundesgericht das Eheverbot bei "Schwachsinn" und "Hysterie", da dies erbliche Krankheiten seien. Der Kanton Waadt kannte dagegen kein Konkubinatsverbot. Das Bundesgericht stigmatisierte aber die daraus hervorgehenden Kinder als "unehelich" (Huonker, S.111).

    Appelle für gesamt-eidgenössische Euthanasie - Sterilisationen ab 1923 auch in Bern - 1925 Verwahrungsgesetz in Zürich :

    1923 stellte der Berner Stadtarzt und Kantonsrat der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei, Alfred Hauswirth, im Kantonsrat Bern den Antrag, die Ermordung "Geisteskranker" (Euthanasie) in der ganzen Schweiz zuzulassen und "unheilbare Geisteskranke und Idioten" zu töten (Huonker, S.66), mit dem Argument, dies sei im griechischen Sparta auch vollzogen worden. Der Tötungsantrag wurde abgelehnt, ein Sterilisierungsantrag des SP-Vertreters Hurni aber angenommen und ab 1923 in Bern die Sterilisationspraxis eingeführt (Huonker, S.67). 1923, kurz vor Hitlers Putschversuch, wurde Hitler in der Schweiz von Ulrich Wille, dem Stiftungskommissionspräsidenten der "Pro Juventute", in Willes Wohnsitz Villa Schönberg empfangen. Wille liess für Hitlers Putschplan von namhaften Industriellen Spenden sammeln (Huonker, S.38).

    1925 trat im Kanton Zürich das erste Verwahrungsgesetz über die Versorgung von Jugendlichen, Verwahrlosten und Gewohnheitstrinkern in Kraft (Huonker, S.164). Im gleichen Jahr schätzte der Zürcher Psychiater Hans Wolfgang Maier, dass 3,5-4,5% der Menschen "geistig nicht vollwertig" seien.

    (Huonker, S.77; Maier, Hans Wolfgang: Über die Verbreitung und Behandlung der Geisteskranken in der Schweiz. Beitrag zum 50.Jahresbericht des Zürcher Hilfsvereins für Geisteskranke. Zürich 1925, S.15).

    Sterilisation mit Röntgenstrahlen produziert kranke Erbsubstanz - Ziel der Ausrottung der Jenischen und Roma.

    Die Sterilisation durch Röntgenstrahlen hatte dabei katastrophale Folgen wegen des Risikos von Krebs und der Schädigung der Erbsubstanz, wurde aber weiter praktiziert (Huonker, S.126). Somit produzierte die Psychiatrie und Medizin tatsächlich Menschen mit krankem Erbgut. Im selben Jahr verlangte der inzwischen weltweit gelesene Hans W.Maier das Kinder- und Eheverbot für "psychisch Defekte" aus "ethischen Gründen", um "das Institut der Ehe von psychisch Defekten frei zu halten".

    (Huonker, S.112; Maier, Hans Wolfgang: Zum gegenwärtigen Stand der Frage der Kastration und Sterilisation aus psychiatrischer Indikation. Sonderdruck aus: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie, Berlin, 1925, Band XCVIII, Heft 1/2, S.212).

    1926-1933 führte der Arzt Hans Binder im Basler Frauenspital offiziell 293 Sterilisationen bei Frauen durch (Huonker, S.108). Der Terror gegen Jenische durch die militärisch geführte "Pro Juventute" und das "Hilfswerk für die Kinder der Landstrasse" dauerte von 1926 bis 1973. Das Ziel der Ausrottung der Jenischen wurde mit dem Begriff "Landplage" propagiert. Ziel sei die "Auflösung". Den jenischen Familien wurden von staatlicher Seite Hunderte von Kindern geraubt (Huonker, S.38). Dasselbe Schicksal erlitten die Roma (Huonker, S.34). All die Massnahmen fruchteten nichts. In Zürich war 1927 die Zahl der Fürsorgefälle mit 14% der Bevölkerung so hoch wie noch nie (Huonker, S.22). Bleuler, immer noch Leiter des Burghölzli, befürwortete Sterilisierung bei "zügellosen Mädchen" und "gelegentlich bei Männern".

    (Huonker, S.69; Bleuler, Eugen: Die ärztlichen Anzeigen für frühe Entlassungen. In: Roemer, H./Kolb G./ Faltlhauser V.: Die offene Fürsorge in der Psychiatrie und ihren Grenzgebieten. Berlin 1927, S.148).



    II.

    Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik und molekularer Genetik in unserer Wissensgesellschaft :-

    Mit der Zuspitzung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Krisen geht in den meisten Ländern dieser Welt eine Ethnisierung sozialer Konflikte einher. Dabei geht es vor allem um die Verwandlung sozialer oder kultureller Unterscheidungsmerkmale in herkunftsbezogene. Ethnisch-kulturelle Gruppenzugehörigkeiten werden aktiviert oder willkürlich konstruiert, um sich Vorteile im Verteilungskampf zu verschaffen. Der Prozeß der Fremdethnisierung geschieht dabei vorrangig durch Angehörige der Mehrheitsgesellschaft. Aber auch manche Angehörige von Minderheiten spielen auf der Klaviatur der Ethnisierung, um ihre Position im Verteilungskampf zu verbessern (z.B. gegenüber Flüchtlingen).

    Seit der griechischen Antike ist jeder Mensch nach dem Naturrecht von Natur aus mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet – unabhängig von Geschlecht, Alter, Ort, Staatszugehörigkeit oder der Zeit und der Staatsform, in der er lebt. Dazu gehören das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit oder das Recht auf persönliche Freiheit. Die Naturrechte werden demnach als vor- und überstaatliche ewige Rechte angesehen.

    Die Unterscheidung von Menschenrassen hat sich als in sich homogener und klar gegeneinander abgrenzbarer Populationen aufgrund jüngster Fortschritte der Molekularbiologie und der Populationsgenetik als unhaltbar erwiesen. Die genetische Vielfalt der Menschheit sei nur gradueller Natur und lasse keine größeren Diskontinuitäten erkennen. Daher sei jeder typologische Ansatz zur Unterteilung der Menschheit ungeeignet. Des Weiteren seien die erblichen Unterschiede zwischen verschiedenen Menschengruppen nur gering im Vergleich zur Varianz innerhalb dieser Gruppen. Aufgrund äußerlicher Unterschiede, die nur Anpassungen an verschiedene Umweltbedingungen seien, grundlegende genetische Unterschiede anzunehmen, sei ein Trugschluss.

    Populationsgenetische Studien ergaben, dass etwa 85% der genetischen Variation innerhalb solcher Populationen wie der Franzosen oder der Japaner zu finden sind. Dagegen sind die genetischen Unterschiede zwischen den traditionell aufgrund der Hautfarbe unterschiedenen Rassen mit etwa 6 bis 10% vergleichsweise gering. Hinzu kommt, dass auch diese vermeintlich rassenspezifischen Unterschiede bei genauerer Untersuchung der geographischen Verbreitung keine klaren Grenzen erkennen lassen. Die Übergänge zwischen den „Rassen“ sind (mit Ausnahme der australischen Aborigines) fließend. Diese empirischen Befunde, die durch Fortschritte bei der Sequenzierung von DNA und Proteinen ermöglicht wurden, führten dazu, dass heute die große Mehrheit der Anthropologen eine Aufteilung der Menschheit in Rassen ablehnt.

    Die Revolution in unserem Denken über Populationsgenetik und molekularer Genetik hat zu einer Explosion des Wissens über Lebewesen geführt. Zu den Vorstellungen, die sich tiefgreifend gewandelt haben, gehören die Konzepte zur Variation des Menschen. Das Konzept der "Rasse", das aus der Vergangenheit in das 20. Jahrtausend übernommen wurde, ist völlig obsolet geworden. Dessen ungeachtet ist dieses Konzept dazu benutzt worden, gänzlich unannehmbare Verletzungen der Menschenrechte zu rechtfertigen. Ein wichtiger Schritt, einem solchen Missbrauch genetischer Argumente vorzubeugen, besteht darin, das überholte Konzept der "Rasse" durch Vorstellungen und Schlussfolgerungen zu ersetzen, die auf einem gültigen Verständnis genetischer Variationen beruhen, das für menschliche Populationen angemessen ist. "Rassen" des Menschen werden traditionell als genetisch einheitlich, aber untereinander verschieden angesehen. Diese Definition wurde entwickelt, um menschliche Vielfalt zu beschreiben, wie sie beispielsweise mit verschiedenen geographischen Orten verbunden ist. Neue, auf den Methoden der molekularen Genetik und mathematischen Modellen der Populationsgenetik beruhende Fortschritte der modernen Biologie zeigen jedoch, dass diese Definition völlig unangemessen ist. Die neuen wissenschaftlichen Befunde stützen nicht die frühere Auffassung, dass menschliche Populationen in getrennte "Rassen" wie "Afrikaner", "Eurasier" (einschließlich eingeborener Amerikaner) oder irgendeine größere Anzahl von Untergruppen klassifiziert werden könnten.

    Im einzelnen können zwischen den menschlichen Populationen, einschließlich kleineren Gruppen, genetische Unterschiede festgestellt werden. Diese Unterschiede vergrößern sich im allgemeinen mit der geographischen Entfernung, doch die grundlegende genetische Variation zwischen Populationen ist viel weniger ausgeprägt. Das bedeutet, dass die genetische Diversität beim Menschen gleitend ist und keine größere Diskontinuität zwischen den Populationen anzeigt. Befunde, die diese Schlussfolgerungen stützen, widersprechen der traditionellen Klassifikation in "Rassen" und machen jedes typologische Vorgehen völlig unangemessen. Darüber hinaus hat die Analyse von Genen, die in verschiedenen Versionen (Allelen) auftreten, gezeigt, dass die genetische Variation zwischen den Individuen innerhalb jeder Gruppe groß ist, während im Vergleich dazu die Variation zwischen den Gruppen verhältnismäßig klein ist.

    Es ist leicht, zwischen Menschen aus verschiedenen Teilen der Erde Unterschiede in der äußeren Erscheinung (Hautfarbe, Morphologie des Körpers und des Gesichts, Pigmentierung etc.) zu erkennen, aber die zugrundeliegende genetische Variation selbst ist viel weniger ausgepägt. Obwohl es angesichts der auffälligen genetisch determinierten morphologischen Unterschiede paradox erscheint, sind die genetischen Variationen in den zugrundeliegenden physiologischen Eigenschaften und Funktionen sehr gering, wenn Populationsdurchschnitte betrachtet werden. Mit anderen Worten: die Wahrnehmung von morphologischen Unterschieden kann uns irrtümlicherweise verleiten, von diesen auf wesentliche genetische Unterschiede zu schließen. Befunde deuten darauf hin, dass es im Verlauf der Evolution des modernen Menschen relativ wendig Veränderungen in der genetischen Grundausstattung der Population gegeben hat. Die molekularen Analysen von Genen legen außerdem sehr nahe, dass der moderne Mensch sich erst vor kurzer Zeit in die bewohnbaren Gebiete der Erde ausgebreitet hat und an diesem Prozess während einer relativ kurzen Zeitspanne an sehr unterschiedliche und zuweilen extreme Umweltbedingungen angepasst worden ist (z. B. an rauhes Klima). Die Notwendigkeit der Anpassung an extreme unterschiedliche Umweltbedingungen hat nur in einer kleinen Untergruppe von Genen, die die Empfindlichkeit gegenüber Umweltfaktoren betrifft, Veränderungen bewirkt. Es ist wert zu erwähnen, dass die Anpassungen als Antwort auf Umweltbedingungen größtenteils historisch zu verstehen sind und keine Konsequenzen für das Leben in der modernen Zivilisation haben. Nichtsdestoweniger werden sie von einigen so ausgelegt, als spiegelten sie wesentliche Unterschiede zwischen Menschengruppen wider, wodurch sie zum Konzept der "Rassen" beitragen.

    Nach wissenschaftlichem Verständnis ist die Einteilung von Menschen anhand der Verteilung von genetisch determinierten Faktoren daher einseitig und fördert das Hervorbringen endloser Listen von willkürlichen und missleitenden sozialen Wahrnehmungen und Vorstellungen. Darüber hinaus gibt es keine überzeugenden Belege für "rassische" Verschiedenheit hinsichtlich Intelligenz, emotionaler, motivationaler oder anderer psychologischer und das Verhalten betreffender Eigenschaften, die unabhängig von kulturellen Faktoren sind. Es ist allgemein bekannt, dass bestimmte genetisch bedingte Merkmale, die in einer Lebenssituation nützlich sind, in einer anderen nachteilig sein können.

    Es ist falsch zu behaupten, dass menschliche Populationen sich in genetisch bedingten Merkmalen von sozialem Wert unterscheiden, so dass bestimmte Gruppen gegenüber anderen höherwertig oder minderwertig sind.
    Es gibt keinen wissenschaftlichen Grund, den Begriff "Rasse" weiterhin zu verwenden. !!!!!!


    Die Schizophrenie , Rassenlehren , Naturrecht der Diaspora & Populationsgenetik in den Welt-Finanzkrisen !

    Schizophrenia, race theories, natural law and the diaspora population genetics in the world financial crisis. !

    Schizophrénie, théories de la race, la loi naturelle et la génétique des populations diaspora dans la crise financière mondiale.!

    Schizofreni, ras teorier, naturliga lagen och diasporan populationsgenetik i världen !


    Literatur:-

    1. DIE HÖLLE IST DA - und alle schauen zu ; 3. Der Psychiatrie-Holocaust der "zivilisierten" Welt mit Vorreiter Schweiz ; Sterilisierungen und Euthanasie in Zürich ; von Michael Palomino (2002 / 2008 / 2010) ;

    2.Thomas Huonker: "Anstaltseinweisungen, Kindswegnahmen, Eheverbote, Sterilisationen, Kastrationen. Fürsorge, Zwangsmassnahmen, "Eugenik" und Psychiatrie in Zürich zwischen 1890 und 1970." Sozialdepartement der Stadt Zürich, Departementssekretariat, Postfach, 8026 Zürich; Edition Sozialpolitik Nr. 7, Sozialberichterstattung 2002 ;

    3. - Elazar Barkan: The Retreat of Scientific Racism. Changing Concepts of Race in Britain and the United States. CUP, Cambridge 2000 ;
    4. - Luigi Luca Cavalli-Sforza, Francesco Cavalli-Sforza: Verschieden und doch gleich. Ein Genetiker entzieht dem Rassismus die Grundlage ("Chi siamo"). Knaur, München 1996 ;

    5.- U. Kattmann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Oldenburg und H. Seidler, Institut für Humanologie, Wien. : "Die Brücke", Heft 1997/2 Seite 23f. ;

    6.- Rest der Literatur beim Verfasser


    Mit freundlichen kollegialen Grüßen

    Ihr

    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V.
    Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale
    P.O. Box 20 10 53
    53140 Bonn – Bad Godesberg / GERMANY

    &

    Nabil DEEB
    Arzt – Physician – Doctor
    PMI-Ärzteverein e.V.
    Palästinamedico International Ärzteverein – ( P M I ) e.V.
    Department of Medical Research
    Département de la recherche médicale
    P.O. Box 10 01 35
    53439 Bad Neuenahr / GERMANY

    e.mail:

    or

    e.mail:

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben