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Die Rücksichtnahme auf eigene Reserven, Ambitioniertheit und Leistungsfähigkeit nehmen im Laufe der Berufsausübung häufig ab.
 

Burnout in medizinischen Berufen

Die Zahlen für Burnout-Gefährdung von Ärzten sind höher als in der Gesamtbevölkerung.

Das Burnout-Risiko unter Medizinern liegt je nach Studie und Methodik zwischen 20 und 60 Prozent. Man muss aber unterscheiden, ob die Studienautoren von einem Burnout oder einem Burnout-Risiko sprechen. „Sicher ist, dass letztlich nur wenige Prozent an einem wirklichen Burnout-Syndrom erkranken“, erklärte Prof. Dr. Friedrich Martin Wurst von der Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg auf der 12. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie in Gmunden.

 

Befürworter eines umfassenden Monitoring wollen in Burnout-Untersuchungen möglichst alle Lebensbereiche erfassen. Neben der beruflichen Leistung also auch Faktoren wie körperliche Fitness, soziale Kontakte und die private Situation. Dimensionen, die abgefragt werden, sind unter anderem „Emotionale Erschöpfung“, „Depersonalisation“ oder „Zynismus“.

Eine Österreich weite Umfrage der Ärztekammer unter 6.249 Ärztinnen und Ärzten ergab ein hohes Risiko von 54 Prozent für Burnout (Hofmann et al, 2011). Eine andere Studie konnte zeigen, dass sich die „Healthy Patterns“ (Leistungsfähigkeit, Ambitioniertheit und Rücksichtnahme auf die eigenen Reserven etc.) im Laufe der Jahre vom Beginn des Studiums bis zur Berufsausübung deutlich verschlechtern (Voltmer et al, BMC Med Edu, 2008).

Hohe Gefährdung

In einer vollständig anonymisierten Umfrage (Online Befragung und Paper/Pencil) im Bundesland Salzburg sowie im Kanton Thurgau wurde neben den demografischen Variablen die Basisdaten zur Arbeit (berufliche Situation, Fachgebiet, Wochenarbeitszeit) und der Gesundheitszustand (Fragen nach Krankheiten, Medikamenteneinnahme, Depression) abgefragt. Zum Einsatz kamen das Beck-Depressions-Inventar (BDI), das Maslach Burnout Inventory (MBI), der Alcohol Use Disorders Identification Test (AUDIT) und der Fagerström Test für Nikotinabhängigkeit (FTNA). Die Ergebnisse weisen ebenfalls in die Richtung einer hohen Burnout-Gefährdung. Durchschnittlich ein Viertel hatten im Laufe ihres Berufsleben psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen. Der BDI-Score wies auf eine depressive Symptomatik hin (>11), ein Fünftel kann als chronisch krank angesehen werden, etwa ein Viertel nimmt regelmäßig Medikamente ein.

Eine andere Untersuchung über Depression, Burnout und Effort-Reward Imbalance unter Psychiatern (1089 Fragebögen) ergab bei 12 Prozent eine emotionale Erschöpfung, „Depersonalisation“ bei 0,7 Prozent, und „Personal accomplishment“ bei 0,3 Prozent (Braun et al, 2010, Psychotherapy and Psychosomatics).

Regelmäßig verwendete Strategien zur Stressbekämpfung im Beruf von Hausärzten sind laut einer Schweizer Untersuchung vor allem Aktivitäten außerhalb der Praxis (57 Prozent), Natur und Reisen (56 Prozent), Sport (54 Prozent), Unterhaltung (39 Prozent), künstlerische Tätigkeiten (27 Prozent) (Bovier et al, 2005, Primary Care).

Behandlungsprogramm

Mit diesem Hintergrundwissen über Burnout-Gefährdung wurde im Auftrag der Ärztekammer Salzburg ein Modul im Ärztegesundheitsprogramm Salzburg installiert. Als oberste Zielsetzung im Behandlungsprogramm wurde der Verbleib im Beruf definiert, als oberstes „Nicht-Ziel“ die „Invasion of Privacy“ (Wurst et al. 2009, Österreichische Ärztezeitung).

Als erstes kann ein Betroffener mit der Ärztekammer Kontakt aufnehmen und ein Abklärungsgespräch über Sucht bzw. Substanzabhängigkeit führen. An einer anderen Stelle, in der absolute Anonymität herrscht, kommt es zu einem Informationsgespräch. Idealerweise ist der Betroffene mit einer Therapieplanung einverstanden, die Therapie selbst dauert sechs bis zwölf Wochen. Danach geht es ambulant weiter (Selbsthilfegruppen, ambulante Suchttherapie, Psychotherapie nach Indikation). Ein Monitoring über zwei Jahre, regelmäßige und unangemeldete Laborkontrollen sowie eine Nachuntersuchung sollen den Erfolg garantieren. Über den „Wohlfahrtsfonds“ hilft die Ärztekammer bei der Klärung der Kostenübernahme ebenso wie bei der Organisation einer Praxisvertretung. „Es zeigte sich ganz klar, dass der entscheidende Faktor für den Erfolg einer Therapie das langfristige Monitoring ist“, so Wurst.

 

Quelle: 12. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, 18. - 21. April 2012, Gmunden

Von R. Hofer , Ärzte Woche 21 /2012

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