zur Navigation zum Inhalt
 

Spielt die Haftdauer von Untergebrachten gemäß § 21/2 StGB eine Rolle in Bezug auf die Entstehung eines funktionellen Psychosyndroms? – Eine Untersuchung mittels der Methode der Pupillometrie

GRUNDLAGEN: Die Pupillometrie ist eine nicht-invasive Untersuchungstechnik basierend auf der Annahme, dass sensorische, mentale und emotionale Variable die Reagibilität der Pupille beeinflussen. Mittels des Rezeptortests können durch Einträufeln des cholinergen Antagonisten Tropicamid kognitive Defizite erfasst werden. Diese Untersuchung beschäftigt sich mit der Fragestellung, ob gem. § 21/2 StGB Untergebrachte mit unterschiedlicher Haftdauer mittels des Rezeptortests hinsichtlich des Vorliegens eines funktionellen Psychosyndroms, definiert von Grünberger, unterschieden werden können. METHODIK: Vier Gruppen von Untergebrachten unterschiedlicher Haftdauer (Gruppe A: 0–2 Jahre Haftdauer, n = 26, X = 33 a; Gruppe B: 2–5 Jahre Haftdauer, n = 29, X = 34 a; Gruppe C: 5–10 Jahre Haftdauer, n = 6, X = 36 a; Gruppe D: > 10 Jahre Haftdauer, n = 10, X = 43 a) wurden mittels eines computerunterstützten TV-Pupillometers untersucht. Nach einer Baseline-Messung wurde 0,01% Tropicamid eingeträufelt. Die zweite Messung erfolgte 20 min nach der ersten, die dritte und vierte Messung jeweils in 20-minütigem Abstand. ERGEBNISSE: Die länger inhaftierten Gruppen zeigten eine geringere Aktiviertheit, höhere Ermüdbarkeit und geringere Vigilanz als die Vergleichsgruppen mit kürzerer Haftdauer. Im Rezeptortest wiesen die 0–2 Jahre Inhaftierten mehr kognitive Defizite auf als die ≥ 5 Jahre Inhaftierten. SCHLUSSFOLGERUNGEN: Die Messung der Aktiviertheit, Ermüdbarkeit und Vigilanz weist darauf hin, dass die Haftdauer bei der Entwicklung eines funktionellen Psychosyndroms eine Rolle spielt. Die Ergebnisse des Rezeptortests, wo die Gruppe mit längerer Haftdauer geringere kognitive Defizite aufwies, lassen in Anbetracht der Tatsache, dass es in dieser Gruppe zu keiner signifikanten Veränderung der Tropicamidwirkung im Verlauf kam, darauf schließen, dass bei dieser Gruppe eine Dosisänderung erforderlich wäre, um die kognitiven Defizite fassbar zu machen.

Josef Grünberger, Thomas Wisnecky, Katinka Keckeis, Sonja Kaplan, Jutta Heilmann, Patricia Twardowsky, Hans Stöhr, Anna Bösch, Wiener Medizinische Wochenschrift 7/8/2012

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben