zur Navigation zum Inhalt
Foto: beigestellt
v.l.n.r.: Dr. Andreas Winkler (Ärztlicher Direktor der Klinik Pirawarth), Doz. Dr. Christian Fazekas, Dr. Regina Hochmair, Dr. Paul Kaufmann, Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek.
 

Stationäre Burnout-Behandlung

Ruf nach multiprofessionellem Therapiemodell.

Die aktuelle wissenschaftliche Einordnung von Burnout, dessen gesellschafts- und gesundheitspolitische Dimension und die gängigen Therapiemethoden waren Thema eines hochkarätig besetzten Symposiums anlässlich des 5-jährigen Bestehens der Abteilung für psychosomatische Rehabilitation der Klinik Pirawarth.

„Burnout ist eine Folge der heutigen Schnelllebigkeit, die individuell unterschiedlich bewältigt wird oder eben auch nicht, und als Lebensrhythmusstörung zum Kollaps führen kann“, betonte Dr. Regina Hochmair, Leiterin der psychosomatischen Rehabilitation der Klinik Pirawarth.

Die in der Klinik Pirawarth durchgeführte Körperpsychotherapie, basierend auf den Erkenntnissen Wilhelm Reichs, setzt auf ein Behandlungsmodell, das im Rahmen der Psychotherapie den Körper mit einbezieht und die Selbstregulierung der Kraftressourcen mittels einer Pulsationsvertiefung ermöglicht. Dies ist eine erlebnisorientierte Therapie, die Wahrnehmungsförderung, Körpererleben und Integration von entfremdeten Persönlichkeitsaspekten und Bedürfnissen ermöglicht.

Auch Prof. Dr. Wolfgang Lalouschek von The Tree betonte die multiple Entstehung von Burnout. Dies verlange nach einer multiprofessionellen Therapie der leitenden Fachrichtungen Medizin, Psychotherapie und Coaching mit dem Ziel einer salutogenen, d.h. auf Wohlbefinden ausgerichteten, Lebenshaltung.

Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess

Die Leiterin des Work Health Centers der Erste Bank, Dr. Eva Höltl, stellte ihr Modell zur Wiedereingliederung von Burnout-Behandelten in den Arbeitsprozess vor. Wesentlich sei bei Rückkehr der Betroffenen die Anerkennung ihrer eingeschränkten Leistungsfähigkeit. Daher müssten alte Leistungsvereinbarungen durch flexible Regelungen ersetzt und die Reintegration mit regelmäßigen Feedbackgesprächen begleitet werden. Zudem seien Auszeiten mit kreativen Entfaltungsmöglichkeiten ein wesentliches Element der Nachbehandlung.

Prävention durch Sport

Die Bedeutung der körperlichen Leistungsfähigkeit in der Burnout-Prävention unterstrich Dr. Martin Nehrer, Sportmediziner und Landesstellenarzt der SVA Burgenland. Entscheidend sei die Unterscheidung zwischen Bewegung und Training. Zur optimalen Leistungssteigernung eigne sich ein Programm mit drei Trainingseinheiten à 40 Minuten pro Woche bei einer Intensität von 60 bis 70 Prozent des Maximalpulses. Dauerhaft ausgeübt, führe dieses Pause-Belastung-Pause-Intervall zu einer nachhaltigen Mobilisierung der körperlichen und psychischen Widerstandskraft.

In der anhaltend breiten Thematisierung der Burnout-Problematik sieht Dr. Paul Kaufmann, Leiter der pro mente Reha GmbH Sonnenpark Neusiedlersee Rust, auch eine Chance, Bevölkerungsgruppen zu Untersuchungen und Behandlungen zu bewegen, die sonst kaum oder keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Die gesellschaftspolitische Relevanz und der dringende Anpassungsbedarf des Arbeitsmarktes seien etwa an der Zunahme der Frühpensionen im Vorjahr um 30 Prozent infolge psychosomatischer Erkrankungen zu erkennen. Kaufmann betonte jedoch, dass eine psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung oft Monate dauert, um nachhaltige Erfolge zu erzielen!

Dr. Christian Fazekas, Leiter der Universitätsklinik Graz für Medizinische Psychologie und Psychotherapie, betrachtet die Einführung eines Qualitätssicherungssystems in der psychosomatischen Medizin u.a. als eine notwendige ökonomische Maßnahme. Somatoforme Störungen, insbesondere medizinisch schwer erklärbare Syndrome, bezeichnet Fazekas als zentrale Kostentreiber im System. Das Ziel, allenfalls schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen, erforderten bei der Ursachensuche derzeit besonders teure Diagnosewege.

Der Leiter des Psychosomatischen Zentrums Waldviertel Eggenburg, Dr. Andreas Remmel, definiert Burnout als physischen, psychischen und sozialen Erschöpfungszustand, der auf seinem Höhepunkt ein „eingefrorenes Verhalten“ zur Folge hat. Von zentraler Bedeutung sind seiner Beschreibung nach Bindungsdefizite. Für die Wiedererlangung der Regulationsfähigkeit der Patienten sei die Behebung dieser Defizite wesentlich. Er spricht sich für ein ausreichend langes intervalltherapeutisches Behandlungsmodell aus, das von der Achtsamkeit und Wertschätzung als Grundhaltung ausgeht, um die Fähigkeit der Betroffenen bei der reflektierten Veränderung zu unterstützen. 

 

Quelle: Symposium „Stationäre Burnout-Behandlung“, 22. Februar 2012, Bad Pirawarth

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben