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Abb. 1: Der aktuelle Stand der Forschung belegt eine weltweit hohe Prävalenz von Alkoholkonsum sowie Binge Drinking bei Studierenden
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Abb. 2: Wird bei öffentlichen Festen Alkohol getrunken, dann trinken 49 Prozent der Studenten üblicherweise fünf oder mehr alkoholische Getränke und 53 Prozent der Studentinnen üblicherweise vier oder mehr alkoholische Getränke.

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Abb. 3: Aufgrund der Erfassung der „üblicherweise“ beim Ausgehen, also an öffentlichen Orten, konsumierten Alkoholmengen kann davon ausgegangen werden, dass das Phänomen „ Binge Drinking“ in dieser Studie eher unter- als überschätzt wird.

 

Kübeln statt Grübeln?

Eine Mixed Methods Studie zum Ausgeh- und Trinkverhalten von Studierenden

Relevanz:

Alkoholkonsum ist ein Risikofaktor für zahlreiche Erkrankungen und führt zu einer beachtlichen Krankheitslast, die jene, verursacht durch illegale Drogen, deutlich übersteigt [1]. Vor allem in der Adoleszenz – einer Phase, die entwicklungsbedingt mit vermehrtem gesundheitlichem Risikoverhalten einhergeht – nehmen Alkoholkonsum und insbesondere das Phänomen „Binge Drinking“ eine bedeutsame Rolle ein. Unter Binge Drinking oder Rauschtrinken versteht man den Konsum von vier oder mehr alkoholischen Standardgetränken an einem Trinkanlass bei Frauen bzw. den Konsum von fünf oder mehr alkoholischen Standardgetränken pro Trinkanlass bei Männern, jeweils innerhalb der vergangenen zwei Wochen [2]. Mittlerweile wird eine Erweiterung dieser Definition um die Dauer des Trinkanlasses (4+/5+ innerhalb von 2 Stunden) sowie um einen längeren Bezugsrahmen (12 Monate statt 2 Wochen) diskutiert [3].

 

Der aktuelle Stand der Forschung belegt eine weltweit hohe Prävalenz von Alkoholkonsum sowie Binge Drinking bei Studierenden; für Europa liegen diesbezüglich jedoch nur wenige Befunde vor [4]. Trotz der Brisanz der Thematik und der enormen Medienpräsenz weichen Laiendefinitionen deutlich von den wissenschaftlichen Definitionen zu Binge Drinking ab [5]. Eine Berücksichtigung von Laiendefinition in der Kommunikation über dieses Phänomen ist vor dem Hintergrund präventiver Bemühungen aber unumgänglich.

 

Die vorliegende Studie widmet sich dem Phänomen Binge Drinking bei Studierenden in Kärnten. Die Relevanz der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Rauschtrinken von Studierenden in Kärnten begründet sich darin, dass bisherige Studien zumeist aus anderen kulturellen Kontexten stammen und vor allem das Trinkverhalten am Campus abbilden und somit wenig Aufschluss über Studierende liefern, die fernab von Großstädten studieren.

Fragestellung, Design und Methodik:

Beim vorliegenden Forschungsprojekt handelt es sich um eine Mixed Methods Studie (vgl. Abb. 1), es wurden also qualitative und quantitative Methoden integriert, um die übergeordnete Fragestellung nach dem Phänomen „Binge Drinking“ bei Studierenden in Kärnten zu beantworten. Es wurde ein „Concurrent Mixed Methods Design“ mit parallelen Samples realisiert [6]. Eine quantitative und eine qualitative Studie, die jeweils spezifische Aspekte beleuchteten, wurden parallel durchgeführt.

Hinsichtlich der Sampling-Strategie ist festzuhalten, dass in der qualitativen Studie auf die nicht-probabilistische Methode des Theoretical Sampling zurückgegriffen wurde, zumal das Ziel in der qualitativen Forschung eine informationsreiche Stichprobe ist und weniger eine repräsentative Stichprobe, wie sie in der quantitativen Studie angestrebt wurde. Durch die Kombination dieser beiden Samplingstrategien innerhalb einer Mixed Methods Studie kann Informationsbreite und -tiefe hinsichtlich des untersuchten Phänomens erlangt werden [7].

In der quantitativen Survey-Studie wurden sämtliche Vollzeit-Studierende der Fachhochschule Kärnten mittels eines Online-Fragebogens zu ihrem Ausgeh- und Trinkverhalten in den letzten 12 Monaten befragt, um einen Hinweis auf die Prävalenz von Binge Drinking zu erhalten. Der Schwerpunkt auf öffentliche Trinkorte (Bars, Feste, Veranstaltungen) ergibt sich aus der Tatsache, dass diese für präventive Bemühungen verhaltens- und verhältnisorientierter Natur zugänglich sind.

Bei der Befragung wurde eine Rücklaufquote von 26 Prozent erzielt, was einer Stichprobengröße von 237 entspricht (vgl. Tab. 1). Auch wenn mit Verzerrung zu rechnen ist, repräsentiert die Stichprobe die Grundgesamtheit gut hinsichtlich des Alters. Weibliche Befragte sind in der Stichprobe jedoch überrepräsentiert. Deskriptive Analysen sowie die Berechnung von Geschlechtsunterschieden kamen im Zuge der Datenauswertung zur Anwendung.

Im Rahmen der qualitativen Studie wurden 30 Studierende unterschiedlicher Studienrichtungen der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt mittels Leitfadeninterviews befragt. Neben einer Beschreibung von Binge Drinking Anlässen wurden vor allem subjektive Parameter wie Laiendefinitionen und Motive fokussiert, die für die Konzeption von Präventionsmaßnahmen bedeutsam sind und zu einem tieferen Verständnis des Phänomens beitragen. Alter und Geschlecht der Stichprobe sind Tabelle 1 zu entnehmen. Die Datenauswertung der Leitfadeninterviews erfolgte mittels Qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring [8]. Im Zentrum dieser Methode steht die Entwicklung von Ablaufmodellen, die eine intersubjektiv nachvollziehbare und regelgeleitete Auswertung von Textmaterial gewährleisten. In der vorliegenden Studie wurde die Technik der induktiven Kategorienbildung angewendet.

Zentrale Ergebnisse:

Auf Basis der quantitativen Befragung lässt sich das Ausgehverhalten Studierender und der damit in Zusammenhang stehende Alkoholkonsum an öffentlichen Trinkorten wie folgt beschreiben (vgl. Tab. 2):

Studierende besuchen im Durchschnitt monatlich viermal Bars und einmal ein öffentliches Fest. Männliche und weibliche Befragte unterscheiden sich diesbezüglich nicht signifikant. Wenn Männer Bars besuchen, konsumieren sie signifikant häufiger Alkohol als Frauen. Die üblicherweise konsumierte Menge an Alkohol pro Trinkanlass ist bei den männlichen Befragten ebenfalls signifikant größer.

Öffentliche Feste werden von Studentinnen und Studenten gleichermaßen besucht. Die drei meist genannten öffentlichen Feste sind Christkindlmärkte (82%), Uni-/FH-Partys (73%) und Stadt- bzw. Dorffeste (72%); auch Kirchtage (68%), Bälle (68%) und Faschingsveranstaltungen (65%) wurden von den Studierenden in den letzten 12 Monaten häufig frequentiert. An mehr als der Hälfte der besuchten Feste konsumieren Studierende Alkohol, es zeigen sich diesbezüglich keine signifikanten Geschlechtsunterschiede. Tendenziell konsumieren männliche Studierende bei öffentlichen Festen aber größere Mengen an Alkohol.

Im Sinne des 4+/5+-Kriteriums von Wechsler et al. [2] lässt sich eine hohe Prävalenz von Binge Drinking bei männlichen und weiblichen Studierenden feststellen. So zeigt sich, dass die üblicherweise konsumierte Alkoholmenge bei einem Barbesuch bei 49 Prozent der männlichen Befragten und 50 Prozent der weiblichen Befragten die Kriterien für Binge Drinking erfüllt. Wird bei öffentlichen Festen Alkohol getrunken, dann trinken 49 Prozent der Studenten üblicherweise fünf oder mehr alkoholische Getränke und 53 Prozent der Studentinnen trinken üblicherweise vier oder mehr alkoholische Getränke.

Als wesentliches Ergebnis der qualitativen Studie lässt sich festhalten, dass die subjektiven Definitionen der Befragten zu Binge Drinking nicht nur deutlich von der wissenschaftlichen Definition abweichen, sondern überdies vielen Befragten der Begriff nicht bekannt ist. So gaben nur 9 von 30 Befragten (30%) an, den Begriff Binge Drinking zu kennen. Jenen Studierenden, die ad hoc den Begriff nicht einordnen konnten, wurde der synonyme Begriff des „Rauschtrinkens“ geboten. Die Befragten wurden gebeten, ihre subjektive Definition von Binge Drinking zu nennen. Unter Binge Drinking verstanden die Befragten vor allem das Trinken zu großer Mengen Alkohol. Häufig definierten die Studierenden Binge Drinking aber auch als Trinken im Sinne einer (maladaptiven) Bewältigungsstrategie. Weiter wurde mit Binge Drinking auch das Trinken in einem kurzen Zeitraum und das Trinken bis zum Kontrollverlust assoziiert. Tabelle 3 zeigt die meist genannten Definitionen der Befragten, deren Nennungshäufigkeiten sowie Ankerbeispiele im Überblick.

Die UntersuchungsteilnehmerInnen wurden gebeten, den letzt zurückliegenden Binge Drinking Anlass zu beschreiben, nachdem ihnen die wissenschaftliche Definition von Binge Drinking vorgelegt worden war. Dabei waren private und öffentliche Feiern (n = 19, 63%) die häufigsten Anlässe, gefolgt von Ausgehen (n = 10, 33%), während nur eine Person (3%) angab, dass der letzte Binge Drinking Anlass alleine zu Hause stattgefunden hatte. Beim letzt zurückliegenden Binge Drinking Ereignis wurde zumeist mit Freunden bzw. Bekannten getrunken (n = 23; 77%). Vier Befragte (13%) nannten Arbeitskollegen als Trinkpartner, während Familie und Partner (n = 2, 7%) und das Trinken alleine (n = 1, 3%) nur eine geringe Rolle spielten. Besonders bedeutsam gerade in Hinblick auf mögliche Präventionsmaßnahmen sind die Motive aus denen Binge Drinking betrieben wird. Bezogen auf den letzt zurückliegenden Binge Drinking Anlass wurde als Motiv der Wunsch, der Gruppe angehören zu wollen, am häufigsten genannt. Weitere oft genannte Motive waren die lustige Stimmung, ein Anlass zum Feiern, der gute Geschmack des Alkohols, Trinkverhalten als soziale Norm, Alkoholkonsum als Bewältigungsstrategie, das ständige Nachschenken sowie das Motiv der Spontaneität im Sinne von „es hat sich einfach ergeben“. Tabelle 4 illustriert die meist genannten Motive, deren Nennungshäufigkeiten und Ankerbeispiele.

Diskussion:

Die Integration der Befunde aus diesen beiden Teilstudien, die der Logik eines „Concurrent Mixed Methods Design“entsprechen, führt zu einem Mehrwert gegenüber einem rein qualitativen oder rein quantitativen Vorgehen, welchen Onwuegbuzie und Collins [6] mit Triangulation, Komplementarität und Initiierung beschreiben. Während die quantitative Herangehensweise einen breiten Überblick über das Binge Drinking Verhalten vieler Befragter liefert (Informationsbreite), ermöglicht die qualitative Herangehensweise eine in die Tiefe gehende Betrachtung des Phänomens (Informationstiefe [7]). Durch den parallelen Einsatz qualitativer und quantitativer Methoden zur Untersuchung von Binge Drinking konnten in der vorliegenden Studie die Befunde im Sinne der Triangulation validiert werden. Durch den Fokus auf unterschiedliche Facetten des Phänomens „Binge Drinking“ wird außerdem eine Klärung und Erweiterung der Befunde erreicht (Komplementarität). Prinzipiell bietet das Design dieser Studie aber auch die Möglichkeit über das Aufdecken von Widersprüchen der Forschung im Sinne der Initiierung einen neuen Anstoß zu geben.

In Hinblick auf die vorliegende Studie sind einige Limitationen zu nennen. Bei der quantitativen Studie ist eine Verzerrung der Stichprobe nicht nur hinsichtlich des Geschlechtes – Frauen sind im Sample überrepräsentiert – sondern hinsichtlich weiterer Merkmale nicht auszuschließen. Es handelt sich um retrospektive Selbstberichte, was sich ebenfalls einschränkend niederschlägt. Zahlreiche Befunde sprechen jedoch für die Validität von Selbstberichten über Alkoholkonsum [2]. Aufgrund der Erfassung der „üblicherweise“ beim Ausgehen, also an öffentlichen Orten, konsumierten Alkoholmengen kann aber davon ausgegangen werden, dass das Phänomen „ Binge Drinking“ in dieser Studie eher unter- als überschätzt wird. Die Ergebnisse sprechen also für eine hohe Prävalenz von Binge Drinking und somit für die Notwendigkeit von präventiven Maßnahmen in dieser Population.

Kritisch anzumerken in Bezug auf die qualitative Studie ist das höhere Alter der Befragten. Dennoch liefert diese qualitative Studie wesentliche Hinweise für die Konzeption von Präventionsprogrammen, zumal gezeigt werden konnte, dass die Laiendefinitionen von Binge Drinking deutlich von wissenschaftlichen Definitionen abweichen [5] und dass eine Vielzahl an Motiven für dieses Verhalten existiert, die es zu berücksichtigen gilt [9].

 

Korrespondenz: Mag. Olivia Kada Wissenschaftliche Mitarbeiterin Fachhochschule Kärnten Studienbereich Gesundheit und Pflege Hauptplatz 12 9560 Feldkirchen T: +43 (0) 5 / 90500 - 4124 F: +43 (0) 5 / 90500 - 4110 E-mail: Internet: www.fh-kaernten.at Literatur:

 

 

[1] Rehm J, Room R, Monteiro M et al (2004) Alcohol use. In: Ezzati M, Lopez AD, Rodgers A et al (eds) Comparative quantification of health risks. Global and regional burden of disease attributable to selected major risk factors. World Health Organization, Geneva, pp. 959-1108

[2] Wechsler H, Davenport A, Dowdall G et al (1994) Health and behavioral consequences of binge drinking in college. A national survey of students at 140 campuses. JAMA 272: 1672-1677

[3] Cranford JA, McCabe SE, Boyd CJ (2006) A new measure of binge drinking: Prevalence and correlates in a probability sample of undergraduates. Alcohol Clin Exp Res 30: 1896-1905

[4] Karam E, Kypri K, Salamoun M (2007) Alcohol use among college students: An international perspective. Curr Opin Psychiatry 20: 213-221

[5] McMahon J, McAlaney J, Edgar F (2007) Binge drinking behaviour, attitudes and beliefs in a UK community sample: An analysis by gender, age and deprivation. Drugs: Education, Prevention and Policy 14: 289-303

[6] Onwuegbuzie AJ, Collins KMT (2007) A typology of mixed methods sampling designs in social science research. The Qualitative Report 12: 281-316

[7] Teddlie C, Yu F (2007) Mixed methods sampling. A typology with examples. Journal of Mixed Methods Research, 1: 77-100

[8]Mayring P (2008) Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Beltz, Weinheim

[9] Kuntsche E, Knibbe R, Gmel G et al (2005) Why do young people drink? A review of drinking motives. Clin Psychol Rev 25: 841-861

[10] Neighbors C, Walters ST, Lee CM et al (2007) Event-specific prevention: Addressing college student drinking during known windows of risk. Addict Behav 32: 2667-2680

Zu den Autoren
Mag. Olivia Kada
(Bild) ist seit 2006 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule Kärnten, Studienbereich Gesundheit und Pflege, beschäftigt. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich Gesundheitspsychologie.
Mag. Dr. Eva Brunner hat die Professur für angewandte Sozialwissenschaften an der Fachhochschule Kärnten, Studienbereich Gesundheit und Pflege, inne.
FH-Prof. Dr. Ulrich Frick hat die Professur für Public Health an der Fachhochschule Kärnten, Studienbereich Gesundheit und Pflege, inne.
Mag. Sonja Landfried ist Absolventin des Diplomstudiums der Psychologie an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.
Tab. 1. Stichprobenbeschreibung
 Sample 1 (QUANT)Sample 2 (QUAL)
Geschlecht% (n)% (n)
weiblich 64% (152) 50% (15)
männlich 36% (85) 50% (15)
AlterM ± SD (MD)M ± SD (MD)
  22 ± 3.31 (21) 31 ± 9.96 (26.5)
Tab. 2. Geschlechtsunterschiede beim Ausgeh- und Trinkverhalten    
 männlichweiblichT-Test für unabh. Stichproben
 MSDMSDt(df)p (2-seitig)
Monatliche Barbesuche 4.7 4.3 4.0 3.7 t (235) = 1.48 .141
Häufigkeit von Alkoholkonsum bei 10 Barbesuchen 7.0 3.3 5.6 2.8 t (233) = 3.34 .001
N der üblicherweise konsumierten alkoholischen Getränke bei Barbesuchen 5.7 4.3 4.4 3.1 t (127.1) = 2.29 .024
Monatlich besuchte öffentliche Feste 1.2 1.2 1.1 1.0 t (222) = .652 .515
Häufigkeit von Alkoholkonsum bei 10 Festen 6.6 3.5 6.0 3.4 t (228) = 1.38 .168
N der üblicherweise konsumierten alkoholischen Getränke bei Festen 6.2 7.0 4.7 3.3 t (97.7) = 1.87 .065
Tab. 3. Subjektive Definitionen von Binge Drinking
Kategorienname% (n)¹Ankerbeispiel
Trinken in zu großen Mengen 57% (17) „Saufen bis zum Umfallen, das verstehe ich darunter.“
Trinken als maladaptive Bewältigungsstrategie 20% (6) „Ja, weg von dieser Welt, aussteigen aus dieser Welt, nur zudröhnen.“
Trinken in einem kurzen Zeitraum 13% (4) „…extrem schnelles Trinken hintereinander.“
Trinken bis zum Kontrollverlust 13% (4) „Soviel trinken, bis man selber keine Kontrolle mehr hat.“
¹ Nennungshäufigkeit: Mehrfachnennungen pro Person möglich
Tab. 4. Binge Drinking Motive beim letzten Binge Drinking Anlass
Kategorienname% (n)¹Ankerbeispiel
Gruppenzugehörigkeit 33% (10) „Der Gedanke war nur Feier, da muss man was trinken, da ist sicher das Gruppengefühl dabei gewesen.“
Lustige Stimmung 30% (9) „Ich habe mich wohl gefühlt, es war lustig. Die ganze Atmosphäre hat gepasst.“
Anlass zum Feiern 17% (5) „Es war ein freudiges Ereignis (Sponsion), das einfach gefeiert werden musste…“
Soziale Norm 13% (4) „Das ist eine ganz normale Situation beim Fortgehen, dass man etwas trinkt.“
Bewältigungsstrategie 13% (4) „Das war der erste Tag in meinem Leben, wo ich mir gesagt habe, Alkohol ist eine Lösung. Zwar nur eine momentane, aber für den Moment habe ich mich besser gefühlt, es hat mir eigentlich geholfen zu vergessen.“
Ständiges Nachschenken 13% (4) „Es ist eben darum gegangen, dass immer wieder Getränke hingestellt worden sind und dass man nicht mitdenkt...“
Spontaneität 13% (4) „Es hat sich halt einfach irgendwie ergeben. Also das passiert eigentlich selten, dass ich irgendwo hingehe und mir fest vornehme, mir jetzt die Birne wegzuschütten, das ergibt sich oder es ergibt sich nicht.“
¹ Nennungshäufigkeit: Mehrfachnennungen pro Person möglich
Fazit für die Praxis
Die negativen gesundheitlichen Folgen von Alkoholkonsum sind umfassend dokumentiert [1]. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie identifizieren öffentliche Trinkorte (Bars, öffentliche Feste) als wichtige Trinkorte für Studierende in Kärnten. Es wird empfohlen, Präventionsmaßnahmen vor allem auf diese gegenüber privaten Trinkanlässen leichter zugänglichen Orte zu fokussieren. Im Sinne verhältnisorientierter Prävention sind vor allem „Designated Driver“ -Programme, das Anbieten praktikabler Transportalternativen wie auch der verantwortungsvolle Umgang mit der Ausschank alkoholischer Getränke bei öffentlichen Veranstaltungen und in Bars zu nennen (z.B. Schulung des Personals). Auf der Verhaltensebene ist zu beachten, dass fehlerhafte subjektive Definitionen der Zielgruppe korrigiert werden müssen und Strategien für den Umgang mit Alkoholkonsum in unterschiedlichen sozialen Situationen und vor dem Hintergrund unterschiedlicher Motivlagen zu bearbeiten sind. Interessante Anhaltspunkte liefert in diesem Zusammenhang der Ansatz der „Event-Specific Prevention“ [10], welcher der Tatsache Rechnung trägt, dass es bestimmte Zeitfenster gibt (z.B. prüfungsfreie Phasen), in denen exzessiver Alkoholkonsum bei Studierenden gehäuft auftritt. Verhaltens- und verhältnisorientierte Maßnahmen werden speziell auf diese besonders risikoreichen Zeitfenster abgestimmt. Insgesamt kann festgehalten werden, dass Maßnahmen zur Reduktion von Binge Drinking bei Studierenden dringend nötig sind.

Mag. Olivia Kada, Mag. Dr. Eva Brunner, FH-Prof. Dr. Ulrich Frick, Mag. Sonja Landfried; Fachhochschule Kärnten, Studienbereich Gesundheit und Pflege, Pädiatrie & Pädologie 2/2009

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