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Depressionen: Frauen häufiger betroffen, aber schlechter versorgt

Der aktuelle Frauenbericht des Bundesministeriums für Gesundheit zeigt: Doppelt so viele Frauen wie Männer leiden an Depressionen und bekommen mehr als doppelt so viele Antidepressiva verabreicht als Männer, trotzdem werden sie schlechter versorgt. 

Mangel an Angeboten


Ebenso ist die Anzahl der Suizidversuche bei Frauen deutlich höher als bei Männern. Die psychische Gesundheitsversorgung in Österreich ignoriert aber weitgehend das Leid der betroffenen Frauen: Es herrscht immer noch ein Mangel an frauenspezifischen stationären psychiatrischen Angeboten und Frauen bekommen in den meisten Fällen ältere, billigere Antidepressiva, die weit mehr Nebenwirkungen auslösen können.

Hohe Therapiebereitschaft


Trotz dieser Bedingungen ist die Therapiebereitschaft der Frauen bemerkenswert: 66,8 Prozentder stationären Aufenthalte mit der Indikation affektive Störungen (Depression/ Angst- und Zwangsstörungen) gehen auf das weibliche Geschlecht zurück. Zusätzlich dazu nehmen Frauen auch die Form der medikamentösen Therapie an: 66 Prozent der Antidepressiva Verordnungen gingen laut einer Studie des Hauptverbandes der Österreichischen Sozialversicherungsträger und der SGKK an Frauen.

Billigere, ältere Antidepressiva


Besorgnis erregend ist jedoch, dass bei den Frauen auch in diesem Bereich gespart wird: Sie werden mit billigeren, älteren Antidepressiva versorgt, wie eine Studie der OÖGKK nachgewiesen hat. Besonders diskriminiert werden bei dieser Vorgehensweise die einkommensschwächeren und arbeitslosen Frauen, denn diese erhalten einen Großteil der Antidepressiva Verordnungen.


Männer hingegen erhalten großteils moderne, patentgeschützte und daher teurere Antidepressiva. Fakt ist auch, dass Frauen bei psychischen Problemen meist beim oftmals überforderten Allgemeinmediziner landen, wohingegen Männer vorwiegend in fachärztlicher, sprich psychiatrischer, Behandlung sind.

Bessere Chancen für Frauen


Frauen müssten Zugang zu für sie optimalen, medizinisch-therapeutischen Behandlungsmöglichkeiten haben, das fordert die Initiative "innenwelt" anlässlich des 101. Weltfrauentags, die sich für den Abbau der geschlechtsspezifischen und sozialen Ungleichheiten im psychiatrischen Bereich einsetzt.


Quellen


Bundesministerium für Gesundheit: Frauengesundheitsbericht 2010/11 Bencic, Fischer, Kastner in Zusammenarbeit mit der OÖGKK: Gender- und soziale Ungleichheit bei der Versorgung mit Antidepressiva, Gesundheitswissenschaften Dokument 13


HVB & SGKK: Analyse der Versorgung psychisch Erkrankter. Projekt "Psychische Gesundheit" Abschlussbericht

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