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Selbstverletzung bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen

In einer im Jänner dieses Jahres in The Lancet publizierten Studie wurde die mentale Entwicklung von Jugendlichen mit selbstverletzendem Verhalten untersucht.

In ihrer Studie an knapp 2.000 Schülern in Australien identifizierte die Arbeitsgruppe um Paul Moran bei 8 % selbstverletzendes Verhalten. Wie in anderen Untersuchungen auch, war die Inzidenz bei Mädchen höher als bei Burschen (10 % vs. 6 %), wobei die häufigste Verletzungsmethode das Ritzen mit Messern und Klingen war. Mit dem selbstverletzenden Verhalten der Jugendlichen assoziiert waren Angststörungen, Depressionen, übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen und antisoziales Verhalten.

Die Autoren der Studie erhoben das Verhalten der Probanden in neun Durchgängen wobei die Daten der Teilnehmer von deren 15. bis 29. Lebensjahr erhoben wurden. 90 % Teilnehmer, die sich während ihrer Jugendzeit absichtlich verletzten, legten dieses Verhalten im jungen Erwachsenenalter ab, wobei auch in dieser Altersgruppe mehr junge Frauen als Männer zu solchem Verhalten neigen. Insbesondere Ritzen wurde jedoch deutlich seltener. Obwohl die Fallzahlen relativ gering sind, zeigt sich laut Studienautoren bei weiterbestehen von Selbstverletzungen ein Trend hin zu selbstverletzendem Verhalten mit suizidaler Intention. Auch bei den jungen Erwachsenen waren Selbstverletzungen mit Symptomen von Angststörungen und Depressionen assoziiert. Die Gründe für den Rückgang der Inzidenz von Selbstverletzungen mit zunehmendem Alter sind nicht vollständig geklärt. Faktoren wie mentale Reifung, besseren Coping-Strategien, verstärkte Unabhängigkeit und damit die Abnahme innerfamiliärer Konflikte scheinen jedoch von Bedeutung zu sein.

Die Autoren schließen aus ihren Daten, dass sich das Problem des selbstverletzenden Verhaltens von Jugendlichen meist von selbst löst. Allerding nimmt es bei jenen, bei denen es über die Jugendzeit hinaus besteht, schwerere Formen bis hin zum Suizid an. Das Vorliegen von Angststörungen und Depressionen während der Jugendzeit begünstigen das Entstehen und Fortführen selbstverletzenden Verhaltens. Andere prädiktive Faktoren könnten bestehen, müssen allerdings noch identifiziert werden.

 

Quelle: Moran et al.: Lancet 2012;379(9812):236-43

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