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Depression schadet jungen Herzen

Ursache könnten stressbedingte Mechanismen sein.

Unter einer C leidet nicht nur die Seele, sondern auch das Herz – selbst das junger Menschen: Bei depressiven Männern unter 40 Jahren ist die Gefahr, an einem Herzinfarkt zu sterben, dreimal höher als bei Gesunden, bei depressiven Frauen sogar 14-mal.

 

Wer depressiv ist, bekommt eher eine Koronarerkrankung und einen Herzinfarkt, das geht aus zahlreichen Studien hervor. In diesen lag die Rate für Koronarerkrankungen und -ereignisse etwa beim Doppelten der nicht depressiven Teilnehmer. Meist sind davon ältere Menschen betroffen. Eine Arbeit von US-Kardiologen um Dr. Amit Shah aus Atlanta (Shah AJ et al. Arch Gen Psychiatry. 2011;68(11):1135-1142) deutet nun darauf hin, dass auch bei jungen Depressiven das Herz verstärkt gefährdet ist. Die Ereignisrate ist bei Betroffenen unter 40 Jahren zwar niedrig, aber drastisch höher als bei ihren nicht depressiven Altersgenossen.

Für ihre Studie haben Shah und Mitarbeiter Daten eines Gesundheitssurveys mit über 7.600 Teilnehmern im Alter von 17 bis 39 Jahren ausgewertet. Die Teilnehmer wurden über 15 Jahren regelmäßig konsultiert und hatten zu Beginn keine bekannten kardiovaskulären Erkrankungen. Bei 538 (7%) wurde jedoch eine Depression festgestellt, 419 (5,5%) hatten bereits einen Suizidversuch unternommen. Im Verlauf der 15 Jahre starben 51 der Studienteilnehmer (0,67%) an kardiovaskulären Erkrankungen. Sechs davon waren zu Beginn der Erhebung durch eine Depression oder einen versuchten Suizid aufgefallen. Daraus berechneten die Autoren eine fast zweieinhalbfach erhöhte kardiovaskuläre Sterberate für Depressive, bei Teilnehmern nach einem Suizidversuch war die Rate sogar um den Faktor 3,2 erhöht.

Herzinfarkt nach Suizidversuch

Insgesamt 28 Personen (0,37%) starben an einem Herzinfarkt, davon fünf mit anfänglicher Depression oder nach versuchtem Suizid. Daraus ließ sich ein vierfach erhöhtes Risiko für einen tödlichen Herzinfarkt bei Depressiven und ein siebenfach erhöhtes Risiko bei Personen nach einem Suizidversuch errechnen. Die Unterschiede waren trotz allem signifikant.

Frauenherzen scheinen noch mehr unter der Depression zu leiden als die von Männern: So ist bei Frauen mit Depression oder versuchtem Suizid nach diesen Daten die Herzinfarktmortalität um den Faktor 14,5 erhöht, bei Männern dagegen nur um das Dreieinhalbfache. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind aufgrund der kleinen Datenbasis aber nicht signifikant. Die niedrigen Zahlen sind auch insgesamt ein gewisses Manko der Untersuchung.

Stress als Ursache?

Depressive neigen dazu, sich zu vernachlässigen, ihre Herzkreislauf-Medikamente nicht zu nehmen, sich weniger zu bewegen und zu rauchen. Dadurch steigt das kardiovaskuläre Risiko und damit die Herzinfarktrate und -mortalität. Bei jungen Menschen, die in der Regel noch nicht herzkrank sind und daher auch keine Medikamente benötigen, greift diese Erklärung jedoch nicht. Zudem bestand in der Studie das erhöhte Mortalitätsrisiko auch noch, nachdem die üblichen kardiovaskulären Risikofaktoren einbezogen wurden. Die Autoren vermuten daher andere, stressbedingte Mechanismen. So ist bei Depressiven die Herzfrequenzvariabilität vermindert, was einen plötzlichen Herztod begünstigt. Hinzu kommt ein fehlreguliertes endokrines System mit hohen Kortisolspiegeln, was wiederum das Glukose- und Lipidprofil verschlechtert und eine Adipositas fördert.

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