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Tiroler Kinderpsychiatrie aufarbeiten

Der Historiker, Horst Schreiber, sieht im Zusammenhang mit den in den 1970er Jahren in Innsbruck in der psychiatrischen Behandlung von Kindern angewandten Röntgenstrahlen und Mittel aus der Tiermedizin eine "ganz große Forschungslücke". Der Historiker hatte am Mittwoch unter anderem kritisiert, dass damals Heimkinder mit dem gesundheitsschädigenden Medikament "Epiphysan" niedergespritzt worden sein.


Kinder terrorisiert und eingeschüchtert

Sein Vorwurf richtete sich vor allem gegen die bereits verstorbene Maria Nowak-Vogl, die bis 1987 Leiterin der Innsbrucker Kinderpsychiatrie war. Sie soll bis Ende der 1970er Jahre Epiphysan, ein Mittel aus der Tiermedizin zur Vermeidung von Brunftverhalten bei Kühen, angewandt haben, um ihrer Ansicht nach "sexuell übererregte" Mädchen zu behandeln. Nowak-Vogl habe Kinder "terrorisiert und eingeschüchtert" und sie als Forschungsgegenstände vorgeführt, betonte Schreiber.


Krankenakten sichten


Wie viele Kinder davon betroffen waren, könne er derzeit nicht seriös beantworten, argumentierte der Historiker. Zuerst müssten die Krankenakten gesichtet werden, die zum Großteil noch erhalten seien. Er selbst habe im Rahmen seiner Forschungsarbeit, an deren Ende das Buch "Im Namen der Ordnung. Heimerziehung in Tirol" stand, Einsicht in manche dieser Fälle nehmen können. Einige der Betroffenen hätten sich auch beim Opferschutz gemeldet.


Brutalität und Bestrafung


Die Kinderpsychiatrie sei damals die zentrale Stelle bei der Fremdunterbringung von Kindern gewesen, erklärte Schreiber. Und Nowak-Vogl hätte mit ihren Gutachten und Diagnosen dabei eine Schlüsselrolle eingenommen. Zudem habe die Psychiaterin und Pädagogin auch den erzieherischen Umgang mit Heimkindern in Tirol geprägt. Dabei seien Bestrafungen und brutales Bloßstellen von Bettnässern gegenüber anderen Kindern oder Klingelbetten gegen Bettnässen nichts Ungewöhnliches gewesen.

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