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Estrogen as an adjunctive treatment approach for managing schizophrenia

Die vorliegende Originalarbeit von Prof Jayashri Kulkarni und Emmy Gavrilidis aus Melbourne, Australien, gibt einen guten Überblick über das spannende Gebiet der Östrogenaugmentation in der Behandlung der Schizophrenie.
Der theoretische Hintergrund ist ja allgemein bekannt: Frauen erkranken im Schnitt 5 Jahre später als Männer an Schizophrenie, erste Episoden und Rückfälle sind bei Frauen besonders häufig zu Zeiten raschen Östrogenabfalls (postpartal und Menopause). Auch im Verlauf des weiblichen Zyklus finden sich Exazerbationen gehäuft in den Phasen niedrigeren Östrogenspiegels.
Dagegen scheinen in Zeiten höherer Östrogenspiegel (z. B. in der Schwangerschaft) psychotische Rückfälle eher seltener und milder aufzutreten.
In Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, dass Östrogen Dopamin inhibieren und die Serotoninexpression steigern kann; diese Befunde waren Anlass zur Hoffnung, dass Östrogene zu Stimmungsverbesserung bei Depression, zur Reduktion psychotischer Symptome und verbesserter Kognition beitragen könnten.
Kulkarni et al. sind Vorreiter in der augmentativen Anwendung von Östrogenen bei psychotischen Erkrankungen: Zunächst in Pilotstudien an wenigen schizophrenen Probandinnen, später auch in einer größer angelegten placebokontrollierten Multicenterstudie an psychotischen Frauen in gebärfähigem Alter untersuchten sie die Gabe von oralen oder transdermalen Östrogenen. In allen Untersuchungen (darüber hinaus auch in Follow-up- und Einzelfallstudien anderer Zentren) konnten eine Reduktion bzw. Milderung psychotischer Symptome und eine Verbesserung der Kognition bei der Interventionsgruppe nachgewiesen werden.
Weitere mögliche Einsatzgebiete für augmentative Östradiolgaben finden sich sowohl zur Prophylaxe somatischer Erkrankungen, die gehäuft bei Schizophrenie auftreten (wie z. B. Osteoporose), als auch in neueren Gebieten: zum Beispiel zur Prophylaxe der tardiven Dyskinesie. Frauen im fruchtbaren Alter entwickeln seltener als gleichaltrige Männer tardive Dyskinesien: ein Effekt, der sich nach der Menopause aufhebt.
Es wird vermutet, dass Östrogen hier eine zellprotektive Wirkung gegen Langzeitschäden durch antipsychotische Medikation aufweisen könnte.
Selbst bei Männern konnte eine raschere Reduktion der Psychopathologie in Zusammenhang mit Östrogenspiegelsteigerungen durch Östrogenaugmentation festgestellt werden, allerdings gelang es bei mehr als 28% der männlichen Probanden nicht, den Östrogenspiegel zu heben, sodass hier noch ausführlichere Dosisfindungs- und Bioverfügbarkeitsstudien nötig sind.
Die Autorinnen gehen auch auf die durchaus kontroversielle Diskussion von Östrogengaben (erst recht als reine Augmentation) ein und weisen darauf hin, dass potentielle Vorteile gut gegen das erhöhte Brustkrebsrisiko abgewogen werden müssen, bei Männern stellt der potentiell feminisierende Effekt ein zusätzliches Problem dar.
Die Bestimmung des Hormonstatus zu Beginn ist eine Grundvoraussetzung für eine optimale Behandlungsstrategie, manchmal verbessert schon die Anhebung deutlich erniedrigter Östrogenspiegel auch psychopathologische Parameter.
Der Artikel geht auch auf die in letzter Zeit entwickelten selektiven Östrogenrezeptormodulatoren (SERM, z. B. Raloxifen) näher ein. Diese Substanzen weisen östrogenagonistische Aktivität im Gehirn auf und wirken im Brust- und Endometriumgewebe antagonistisch, sodass keine erhöhte Kanzerogenität an diesen Organen zu erwarten wäre.
In einigen Pilotstudien konnten unter Raloxifengaben sowohl bei gesunden als auch bei leicht kognitiv eingeschränkten und an Mb. Alzheimer leidenden Probandinnen Kognitionsverbesserungen bei einer Dosis von 120 mg täglich festgestellt werden.
In ersten Untersuchungen fanden Kulkarni et al. auch eine verbesserte Recovery von psychotischen Symptomen unter 120 mg Raloxifen im Vergleich zu 60 mg oder Placebo.
Der Artikel endet daher mit der optimistischen Überlegung, dass besonders SERMS als augmentative Langzeitbehandlung von verschiedenen Gehirnfunktionsstörungen bei Schizophrenie (vor allem Linderung psychotischer Symptome und Verbesserung der Kognition) geeignet sein könnten, ohne die Gefahr erhöhter Kanzerogenität mit sich zu bringen.

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