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Fotos (2): Priv.-Doz. Dr. med Claudia Klier / Photos Sonnenpark
Der Sonnenpark Neusiedlersee in Podersdorf am See bietet 26 Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, sich auf die Rückkehr ins Berufsleben vorzubereiten.
Fotos (2): Priv.-Doz. Dr. med Claudia Klier / Photos Sonnenpark

Der Sonnenpark Neusiedlersee in Podersdorf am See bietet 26 Patientinnen und Patienten die Möglichkeit, sich auf die Rückkehr ins Berufsleben vorzubereiten.

Die durchschnittliche Dauer des Aufenthaltes beträgt vier bis sechs Wochen. In dieser Zeit wird die psychosoziale Gesundheit intensiv gefördert.

Foto: Priv.-Doz. Dr. med Claudia Klier

Prim. Dr. Claudia Klier Ärztliche Leiterin der „Pro Mente Reha Sonnenpark Neusiedlersee“

 

Reha statt Rente

Psychiatrische Rehabilitation ermöglicht es vielen Patienten, wieder ins Berufsleben einzusteigen.

Immer mehr Menschen leiden an psychiatrischen Erkrankungen. Die Möglichkeiten, sich nach solchen Episoden zu erholen und wieder ins Berufsleben zurückzufinden, sind nicht breit gestreut, aber es gibt sie, beispielsweise am Neusiedlersee.

 

Prim. Dr. Claudia Klier ist seit August 2008 ärztliche Leiterin der „Pro Mente Reha Sonnenpark Neusiedlersee“. Im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung der Pharmafirma Wyeth gab Dr. Klier der Ärzte Woche ein Interview, dessen Fokus sich auf Ziele und Grenzen der Reha-Möglichkeiten im Zentrum für seelische Gesundheit, Sonnenpark Neusiedlersee, richtet.

 

Seit 2002 übernimmt die Pensionsversicherungsanstalt Kosten für psychiatrische Rehabilitation (siehe Kasten ).

Klier: Grundsätzlich bewilligt die Pensionsversicherungsanstalt PVA sechs Wochen Reha-Aufenthalt. Eine Verkürzung oder Verlängerung ist möglich. Ein zweites Ansuchen ist innerhalb von fünf Jahren und nach jedem Spitalsaufenthalt möglich.

Steigt der Bedarf an psychiatrischer Rehabilitation?

Klier: Im Jahr 2007 überstiegen die Diagnosen psychiatrischer Erkrankungen, die zu einer Berufsunfähigkeitspension führten, mit 29 Prozent erstmals die Diagnosen aus dem Bewegungsapparat.

Eine Rehabilitation dieser Patienten könnte in vielen Fällen die Berufsunfähigkeit verhindern. Daher för- dert die Pensionsversicherungsanstalt Reha-Einrichtungen – diese bieten nicht nur bessere Lösungen im gesamtgesellschaftlichen Kontext, sondern auch für die Einzelperson. Nach einer Studie von Ruesch 2002 sind nur 43 Prozent der schizophrenen Patienten beruflich integriert, und auch nur 46 Prozent der affektiv Erkrankten.

Welche sind die Zielgruppen Ihres Zentrums?

Klier: Menschen mit psychischen Erkrankungen bzw. Beeinträchtigungen, die noch im Arbeitsprozess stehen; Menschen nach akuten psychischen Erkrankungen, die eine Nachbehandlung brauchen, und Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen, die ambulant nicht ausreichend behandelt werden könnten.

Wir rehabilitieren Menschen mit Depressionen, Angststörungen, psychosomatischen Störungen, Menschen in Krisen und solche, die unter schizophrenen Störungen leiden.

 

Wo gibt es in Österreich weitere Möglichkeiten der psychiatrischen Rehabilitation?

Klier: „Pro Mente Reha“ betreibt auch in Bad Hall und in St. Veit in Westösterreich Reha-Einrichtungen. In Klagenfurt und St. Radgund bei Graz wird ebenfalls medizinisch-psychiatrische Reha angeboten.

Der Standort Neusiedlersee bietet im Moment 26 PatientInnen Platz, was viel zu wenig ist. Außerdem stehen nur Doppelzimmer zur Verfügung. In zwei Jahren wird ein Neubau in Rust errichtet. Dort können wir dann hundert Einzelzimmer in herrlicher Lage direkt am Neusiedlersee anbieten.

2010 wird auch eine ambulante Rehabilitation in Floridsdorf unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Lenz eröffnet. Insgesamt gibt es in Österreich derzeit 311 Betten. Das Ziel sind mindestens 500 Plätze. Unsere Wartezeit beträgt derzeit leider neun Monate, in anderen Einrichtungen bis über zwölf Monate.

 

Wer kann Ihnen zuweisen? Gibt es Kontraindikationen für einen Aufenthalt?

Klier: Die Zuweisung kann durch Fachärzte und Krankenhausabteilungen erfolgen, aber auch durch Allgemeinmediziner und Psychotherapeuten. Aufenthalte bei uns sind als Rehabilitation vor der Pension möglich, aber auch als Früherfassungsfälle (Zuweisung über die Krankenkassen bei langen Krankenständen) und als Anschlussheilverfahren. Kontraindikationen sind akute psychische Erkrankungen, Selbstmordgefährdung, Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Außerdem können wir keine pflegebedürftigen Patienten aufnehmen.

 

Gibt es eine Altersgrenze?

Klier: Ja, wir können Patienten erst ab 18 Jahren aufnehmen. In Österreich gibt es bisher keine Abteilung für psychiatrische Rehabilitation für Jugendliche.

 

Wie kann man sich eine Behandlung bei Ihnen vorstellen?

Klier: Ziel ist die Reintegration ins Berufsleben. Dies versuchen wir mittels eines gut evaluierten Programms zu erreichen. Pro Woche gibt es zirka 20 bis 22 Therapiestunden.

Neben den psychopharmakologischen und psychologischen Interventionen werden soziale Fertigkeiten trainiert. Wir bieten Psychotherapie einzeln und in Gruppen an, Ergotherapie und Physiotherapie, kognitives Training. Es gibt Unterstützung für die Familien, Arbeitstraining, Biofeedback, Massagen. Entspannungstherapien und Sport – und natürlich ganztags den Blick über grüne Wiesen bis zum Neusiedlersee. Fahrräder, Walkingstöcke, Schwimmbad, Sauna, Tennisplätze, Badminton, ein Fitnessraum und vieles mehr stehen für die Freizeit zur Verfügung.

 

Das Gespräch führte Dr. Karin Reischl

 

Webtipp: www.promente-reha.at Auf dieser Website finden sich sowohl Informationen zur psychiatrischen Rehabilitation als auch die Formulare für den Antrag auf Rehabilitation.

Kasten:
Psychiatrische Rehabilitation
Rehabilitation ist die systematische Anwendung von Interventionen zur Reduktion von Beeinträchtigungen, Funktionsausfällen und Behinderungen.

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